# taz.de -- Unabhängigkeitsreferendum in Alberta: Kanadische Provinz stimmt über mögliche Abspaltung ab
       
       > Alberta ist ölreich und konservativ. Eine kleine Unabhängigkeitsbewegung
       > gibt es schon länger, jetzt steht ein Referendum an. Die Umfragen
       > scheinen eindeutig.
       
 (IMG) Bild: Separatisten mit der Provinzflagge: Viele Kritiker der Corona-Maßnahmen schlossen sich später der Unabhängigkeitsbewegung an
       
       dpa | Die Bewohner und Bewohnerinnen der ölreichen Provinz Alberta können
       heute per Referendum über einen möglichen Weg hin zu einer Abspaltung von
       [1][Kanada] abstimmen. Die Stimmberechtigten sollen entscheiden, ob ihre
       Provinz Teil Kanadas bleiben soll oder ob ein Prozess eingeleitet werden
       soll, der zu einem rechtlich bindenden weiteren Referendum über eine
       Abspaltung und den Weg in die staatliche Unabhängigkeit führt.
       
       In Umfragen hatte sich zuletzt eine große Mehrheit für den Verbleib als
       Teil Kanadas ausgesprochen – etwa 70 Prozent. Rund 20 Prozent sprachen sich
       dagegen aus. Der Rest zeigte sich unentschieden. Wer wollte, konnte seine
       Stimme bereits per Brief oder persönlich im Voraus abgeben.
       
       ## Provinz ist für Nationalparks in den Rocky Mountains berühmt
       
       Die kanadische Provinz Alberta mit rund fünf Millionen Einwohnern liegt im
       Westen des flächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde und ist bei Touristen
       vor allem wegen ihrer Nationalparks in den Rocky Mountains beliebt. Ein
       Großteil der Bewohner und Bewohnerinnen lebt in den Metropolen Edmonton und
       Calgary.
       
       Eine Bewegung, die unter anderem aus kulturellen und wirtschaftlichen
       Gründen die Abspaltung von Kanada fordert, gibt es in der als sehr
       konservativ geltenden Provinz schon länger. Einige Vertreter der
       Ölindustrie beispielsweise fühlen sich von Umweltauflagen eingeschränkt.
       Auch viele Demonstranten, die während der Corona-Pandemie gegen
       Einschränkungen und Impfvorschriften protestiert hatten, schlossen sich
       später der Unabhängigkeitsbewegung an.
       
       Obwohl die Bewegung stets eine Minderheit darstellte, konnte sie Albertas
       konservative Premierministerin Danielle Smith dazu bewegen, das Referendum
       anzusetzen. Smith sprach sich allerdings immer für einen Verbleib als Teil
       Kanadas aus.
       
       ## Premierminister Carney gegen Abspaltung: „Kanada funktioniert“
       
       Insgesamt sollen die Bürger und Bürgerinnen über zehn Fragen abstimmen. Die
       erste Frage zur möglichen Abspaltung von Kanada soll laut Wahlbehörde
       zuerst ausgezählt werden, womit es schon am Dienstag ein Ergebnis geben
       könnte. Die Frage lautet: „Sollte Alberta eine kanadische Provinz bleiben,
       oder sollte die Regierung Albertas den von der kanadischen Verfassung
       geforderten rechtlichen Prozess einleiten, um in der Provinz ein
       verbindliches Referendum abzuhalten, ob sich Alberta von Kanada trennen
       sollte oder nicht?“
       
       Auch [2][Kanadas Premierminister Mark Carney] hatte sich immer wieder
       deutlich gegen eine Abspaltung ausgesprochen. „Kanada funktioniert“, hatte
       Carney beispielsweise zuletzt bei einer Veranstaltung in der Provinz
       gesagt. „Generationen von Menschen aus Alberta haben mitgeholfen, dieses
       Land aufzubauen. Es ist eures. Es ist unseres. Und es ist es wert, dafür zu
       kämpfen.“
       
       ## Trump kokettiert mit Kanada als 51. Bundesstaat der USA
       
       Beide großen politischen Parteien des Landes haben sich ebenfalls immer
       wieder deutlich gegen eine Abspaltung ausgesprochen. Aus der US-Regierung
       von Präsident Donald Trump kam dagegen Unterstützung für die
       Unabhängigkeitsbewegung.
       
       [3][Die USA und Kanada befinden sich aktuell in einem festgefahrenen
       Handelsstreit], der zuletzt wieder eskaliert war. Trump hatte Kanada immer
       wieder gedroht und damit kokettiert, dass das Nachbarland 51. Bundesstaat
       der USA werden könnte. Da müsse Kanada gegenhalten, und das ginge nur
       gemeinsam, sagte Premierminister Carney. „Wir müssen stark sein und
       gemeinsam sind wir stärker.“
       
       ## Feuerinferno auf Militärstützpunkt: Tote und Verletzte
       
       Nur zwei Tage vor der Abstimmung kam es auf einem Militärstützpunkt in
       Alberta aus bislang ungeklärter Ursache zu einem katastrophalen Brand, der
       sich schnell ausbreitete. Bei dem Vorfall auf der Basis Wainwright wurden
       vier Menschen getötet und mindestens 19 lebensgefährlich verletzt.
       Insgesamt wurden 39 Personen mit teils schweren Verbrennungen in
       Krankenhäuser gebracht. Ein Feuer im Grasland habe sich von ungewöhnlich
       starken Winden angefacht in kürzester Zeit ausgebreitet und ein
       Übungsgelände erfasst, wo Soldaten trainierten, sagte Kommandeur Wade
       Rutland vor der Presse.
       
       19 Oct 2026
       
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