# taz.de -- Anvisierte Ölbohrungen vor Usedom: Geplante Ölförderung in der Ostsee stößt auf Widerstand
> Der kanadische Konzern Central European Petroleum will vor Usedom nach Öl
> bohren. Ein deutsch-polnisches Aktionsbündnis tritt an, das zu
> verhindern.
(IMG) Bild: Sichtbar hinter der Heringsdorfer Seebrücke: eine Bohrplattform auf der Ostsee vor der Insel Usedom
Ölindustrie in Sichtweite der deutschen Küste gibt es bislang nur in der
Nordsee: Einziger Standort ist die Bohr- und Förderplattform Mittelplate A
des britischen Konzerns Harbour Energy vor Dithmarschen in
Schleswig-Holstein. [1][Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die
jahrzehntealte Anlage] im Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, nie auf
Naturverträglichkeit geprüft, seit Langem als ökologisch riskant. Jetzt
gibt es Pläne für eine Förderung in der Ostsee, im deutsch-polnischen
Seegrenzgebiet wenige Kilometer vor Usedom und Wolin, in Sichtweite von
Heringsdorf und Swinemünde.
Der kanadische Konzern Central European Petroleum (CEP) will hier bis in
die 2060er-Jahre rund 21 Millionen Tonnen Erdöl fördern, aus über 2.600
Metern Tiefe. Geplant ist der Bau einer riesigen künstlichen Insel im Meer,
plus einem Hafen, insgesamt 18 Hektar groß. Käme es so, liefe das den
deutschen, polnischen und europäischen Klimazielen massiv zuwider.
Gegen die CEP-Pläne für dieses System aus Förderung, Aufbereitung, Lagerung
und Transport [2][hat sich ein breites Aktionsbündnis gebildet.] Die DUH
ist dabei, der WWF Deutschland, der BUND Mecklenburg-Vorpommern, die
Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern, die Gemeinde Heringsdorf und die
polnische Organisation EKO-UNIA.
„CEP scheint es sehr eilig zu haben“, sagt Sascha Müller-Kraenner der taz,
Bundesgeschäftsführer der DUH. „Natürlich haben wir im Rahmen der
grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung Stellung genommen“. Die
Folgen bei einem möglichen Ölaustritt bezeichnet er als „verheerend“.
## Wirtschaft hat Vorrang vor Natur
Die Stellungnahme „Erschließung der Lagerstätte Wolin East“ der DUH ist 30
Seiten stark. Sie liest sich alarmierend, vom Erdbebenrisiko bis zur
Unterwasserschallemission. Es heißt in ihr: „Eine Ölförderung inmitten der
Pommerschen Bucht verschlechtert den Zustand der Ostsee im Sinne der
Eingriffe in Umwelt, Natur und Klima.“
Teile des CEP-Lizenzgebiets berühren und überschneiden polnische Flächen
[3][des EU-Schutzgebietsnetzes Natura 2000], sagt Rainer Sauerwein der taz,
Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern. „Und für was?
Verglichen mit dem polnischen Energiebedarf sind die potenziellen
Fördermengen winzig.“ Umweltschutz habe in Mecklenburg-Vorpommern keinen
hohen Stellenwert, beklagt Sauerwein. Auf polnischer Seite erst recht
nicht. „Die Wirtschaft hat stets Vorrang. Aber wir geben die Hoffnung nicht
auf!“ Sauerwein sieht nicht zuletzt den naturnahen Tourismus gefährdet.
Auch der geschützte Naturraum „Pommersche Bucht mit Oderbank“ liegt nur 17
km von der geplanten Plattform entfernt. Das Problem: Im Meer sind Grenzen
fluide. Schall wandert, Schadstoffe wandern, Tiere wandern. Ein
Schutzgebiet kann also auch beeinträchtigt werden, wenn die Störquelle
außerhalb liegt.
## Ölförderung unnötig
Das sieht auch Radoslaw Gawlik so, Präsident von The Ecological Association
EKO-UNIA. Die Ölförderung sei nicht nur potenziell schädlich, sie sei
unnötig: „Polen plant und baut Offshore-Windkapazitäten mit einer Leistung
von 12 bis 16 Gigawatt. Es lohnt sich angesichts der enormen Menge sauberen
Stroms, die wir aus der Ostsee gewinnen können, nicht, in Gas und Öl zu
investieren.“
Flankierend entfaltet eine Eingabe an den Petitionsausschuss der EU
Wirkung, Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen,
mitinitiiert durch das finnische NGO-Netzwerk Coalition Cleen Baltic. Fast
90.000 Unterschriften kamen zusammen. Erst vor wenigen Tagen habe CEP eine
neue mobile Bohrplattform in die Pommersche Bucht platziert, kritisiert die
DUH. Die deutschen Behörden und Kommunen seien nicht verständigt worden.
Was vor Usedom und Wolin geschieht, ist komplex. Was ist beispielsweise,
wenn eine CEP-Bohrung zwar auf polnischer Seite erfolgt, aber auf eine
Lagerstätte trifft, die auch deutsches Gebiet umfasst? Wie ist die
Auswirkung auf Laichhabitate, Sedimente, Strömungen und Wellen? Wie wird
die ohnehin stark bedrohte Schweinswalpopulation reagieren?
Die DUH nimmt die CEP stark in die Erklärungspflicht. Eines der Wörter, die
sie in „Erschließung der Lagerstätte Wolin East“ am einprägsamten
verwendet, ist: „unzureichend“.
Am 2. November findet eine Informationsveranstaltung in der Aula der
Europäischen Gesamtschule in Ahlbeck auf Usedom statt, auf Einladung der
Kommune Heringsdorf. Mit Projektvorstellung, wissenschaftlicher Einordnung,
Einwohnerfragen und einer offenen Abschlussdiskussion.
18 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Oelfoerderung-in-der-Nordsee-illegal/!6158549
(DIR) [2] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/geplante-oelfoerderung-vor-usedom-deutsche-umwelthilfe-warnt-mit-aktionsbuendnis-vor-verheerenden-umwe/
(DIR) [3] /Schutz-des-Nationalparks/!6190775
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
## TAGS
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(DIR) Nordsee
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Deutsche Umwelthilfe
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