# taz.de -- Katzen im Museum: Wer findet Jimmy Kater?
       
       > Ägypten und Japan; New Yorker Eckläden und das Internet: Das Bremer
       > Übersee-Museum entdeckt die Katze.
       
 (IMG) Bild: Ein Star des „Catwalk“: Ausgestopfter Löwe im ersten Ausstellungsraum
       
       Vier Pfoten hat sie, auf die sie angeblich immer fällt. Ebenso viele
       Redner:innen hatten dieser Tage [1][im Bremer Übersee-Museum] das
       Bedürfnis, ein Bekenntnis abzuliefern: Haben sie eine Katze zu Hause, gar
       mehrere davon? Aber was lernte das Publikum bei der Eröffnung einer
       Ausstellung, die ja nicht zufällig „Kult Katze!“ betitelt ist? Weder die
       Museumsdirektorin noch [2][die Kulturstaatsrätin], nicht der japanische
       Generalkonsul und noch nicht mal die Kuratorin haben eine!
       
       Einem Nischenthema ist die Sonderausstellung deshalb natürlich nicht
       gewidmet. „Kaum ein Tier fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden so
       sehr“, heißt es dazu aus dem Museum. Und zum Beweis solcher
       Vollmundigkeiten eignet sich so ein kulturhistorisches Haus natürlich,
       zumal es erkennbar profitiert von hanseatischer Handels-, mithin
       Reisefreude, also auch kolonialen Beständen. Wenn nicht gleich aus aller
       sprichwörtlichen Herren Länder, so doch aus etlichen Ecken der Welt, wie
       auch rund 40 Jahrhunderten stammt, was nun die Faszination des Menschen mit
       dem kleinen Räuber illustriert.
       
       ## Seidenraupen und Bodegas
       
       Natürlich geht es da ums alte Ägypten und das heutige Japan. Aber auch um
       Raubkatzenmasken tragend den Regen herbeikämpfende Frauen in Mexiko, die
       Rolle des Löwen für die Rastafari-Kultur, die Katze als Beschützerin der
       wirtschaftlich so wichtigen Seidenraupe in China und Japan – oder die
       Bodega Cats, die heute in New York City Eckläden bewachen. Ausdrücklich
       ausgelassen hat Kuratorin Renate Noda den europäischen Kontinent, so fehlt
       dann etwa auch die Schwarze Katze auf der Märchenhexenschulter.
       
       Beleuchtet wird das Tier sieben Adjektiven folgend: „mächtig“, „dämonisch“,
       „literarisch“, „räuberisch“, „nützlich“, „schön“ und „populär“. Nicht exakt
       derselben Gliederung folgt die Präsentation selbst: Da gibt es zwar
       Bereiche wie „Die mächtige Katze“, aber auch Eigenschaften wie „schützend“
       oder „aufmüpfig“ haben ihren Auftritt.
       
       Einen besonderen Akzent legt man auf Online-Phänomene, schließlich ist ja
       das Internet, sind heute insbesondere die Social-Media-Plattformen eine,
       wenn nicht die wichtigste Bühne, auf der wir unsere befellte Mitbewohnerin
       in Szene setzen. Noch vor Betreten der eigentlichen Räume kommt die
       Besucherin so an einer Katzengalerie der eigenen Art vorbei: [3][Das Museum
       hatte seine Instagram-Gefolgschaft aufgefordert, Katzenbilder
       einzuschicken], mehrere Hundert sollen es am ersten Tag geworden sein.
       
       ## Hunderte von Lieblingen im Porträt
       
       Davon hängt nun eine Auswahl, jeweils mehrere A4-Ausdrucke auf
       Klemmbrettern, mitsamt der Namen der Gezeigten, darunter auch Juwelen wie
       „Jimmy Kater“. Am Eröffnungsabend waren nicht wenige Menschen dabei zu
       beobachten, wie sie ihren derart ausgestellten Liebling suchten. Ob mit den
       Porträts dann wiederum neue Selfies entstanden?
       
       Trotz partizipatorischer Social-Media-Kampagne oder auch der nicht
       unverwandten Gliederung: Mit der – noch bis in den November laufenden –
       [4][Hamburger „Katzen!“-Ausstellung], ebenfalls mit Ausrufezeichen, hat die
       in Bremen nichts zu tun, das ist den Verantwortlichen wichtig. Es sei halt
       ein Zufall, und tatsächlich haben in Bremen die Vorbereitungen begonnen,
       als in Hamburg noch keine Katzen das dortige [5][Museum für Kunst und
       Kulturen am Rothenbaum] bevölkerten, auch das ein lange der „Völkerkunde“
       gewidmetes Haus.
       
       ## Nicht anfassen!
       
       In Bremen aber sieht sich das Museum über die Kultur hinaus auch als ein
       naturkundliches. Und das wird nun durchaus stolz zur Schau gestellt: Wer
       die Sonderausstellung im 1. Stock betritt, trifft zuallererst auf die
       großen, starken, fernen wilden Verwandten der Hauskatze. Ausgestopft und
       auch schon mal mit furchteinflößend ausgestellten Zähnen stehen da
       ausgestopft Ozelot und Schneeleopard, Gepard, Leopard und Tiger. Und
       irgendwo dazwischen, beinahe schon wieder zu übersehen, die Mutter der gar
       nicht mal so samtpfötigen Sippe: [6][eine Falbkatze], von der alle anderen
       abstammen. (Der Vollständigkeit halber: Ein paar der Präparierten wurden
       dann doch anderswo ausgeliehen.)
       
       Bei so einem Thema – und weil es schlicht nachhaltige Museumsarbeit ist –
       liegt ein Akzent auch auf der Bespaßung des ganz jungen Publikums, der
       Kinder also. Wenn man schon die echten Wildkatzen nicht streicheln darf,
       kann immerhin eine Wand voll „Winkekatzen“ in Bewegung gesetzt werden, es
       lassen sich Memes erstellen oder felines Fachwissen erproben an
       interaktiven Stationen. Im Begleitprogramm werden etwa ein Tag zur Katze in
       Japan angekündigt (mit Gebäck und Grünem Tee), ein [7][„Pussy
       Hat“-Häkelabend] und das heute beinahe schon obligatorische, in diesem Fall
       halt – Katzen-Yoga.
       
       18 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Uebersee-Museum/!t5403172
 (DIR) [2] /Nekrolog-mit-Ausrutscher/!6065909
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/ueberseemuseum/
 (DIR) [4] /Ausstellung-Katzen-in-Hamburg/!6135546
 (DIR) [5] /Landkarten-Ausstellung-in-Hamburg/!5793992
 (DIR) [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Falbkatze
 (DIR) [7] /Laurie-Penny-ueber-feministischen-Protest/!5390904
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Diehl
       
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