# taz.de -- Sozialisten in Frankreich: Raphaël Glucksmann wird Kandidat bei Präsidentschaftswahlen
> Der EU-Abgeordnete Glucksmann geht bei den Präsidentenwahlen 2027 für die
> Sozialisten ins Rennen. Dass er in die Stichwahl kommt, ist allerdings
> unwahrscheinlich.
(IMG) Bild: Raphaël Glucksmann nach dem Sieg bei den Vorwahlen am Wochenende
[1][Der französische EU-Abgeordnete Raphaël Glucksmann hat die von seiner
Partei Place publique (PP) und vom Parti Socialiste (PS) gemeinsam
organisierten „Primärwahlen“ am Wochenende deutlich und gleich im ersten
Durchgang für sich entschieden]. Er erhielt 66 Prozent der rund 120.000
abgegebenen Stimmen. Damit ließ er namentlich den PS-Parteichef Olivier
Faure (14,46 Prozent) weit hinter sich. Für Faure ist das eine Ohrfeige.
Für seine Partei, die erstmals seit Jahrzehnten keinen Kandidaten aus den
eigenen Reihen bei einer Präsidentenwahl aufstellt, bedeutet die
Nominierung von Glucksmann einen historischen Wendepunkt. An der Wahl
konnten sich gegen eine bescheidene Summe von 15 Euro grundsätzlich alle
Stimmberechtigten in Frankreich beteiligen. 140.000 hatten sich
eingeschrieben. Wer sie genau sind, ist unklar.
Jedenfalls lagen alle Wahlprognosen, die Glucksmann mit rund 30 Prozent in
Führung sahen, völlig daneben. Nicht nur Faure ist deswegen enttäuscht. Die
ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, die von
einem Comeback träumte, kam auf 7,6 Prozent. Die beiden übrigen
Mitbewerber, Emmanuel Maurel und Jérôme Guedj, je auf 6.
Alle vier Konkurrenten gratulierten Glucksmann zu seinem Etappensieg. Auch
Ex-Staatspräsident François Hollande schickte ein paar freundliche Worte.
Hollande wollte sich nicht an der Vorwahl beteiligen, hält sich aber
dennoch – für alle Fälle – als eventueller Joker und Ersatzkandidat bereit.
## Bestätigung Anfang November
Auf dem Papier ist Glucksmann nun als unbestrittener
Präsidentschaftskandidat des politischen Lagers designiert, das sich in
expliziter Abgrenzung zur Linkspartei La France insoumise (LFI) von
Jean-Luc Mélenchon als „demokratische Linke“ definiert. Ein gemeinsamer
Konvent soll diese Nominierung Anfang November noch bestätigen und damit
das Startsignal zur Wahlkampagne geben.
Wie aufrichtig Glucksmann von seinen Rivalen und der ganzen PS unterstützt
wird, wird sich erst später herausstellen. Auch hofft er, dass die Grünen
(Les Ecologistes) auf die angekündigte Kandidatur ihrer Parteichefin Marine
Tondelier doch noch verzichten und sich ihm anschließen.
Bei den Grünen denken indes nicht wenige, dass Mélenchon glaubwürdigere
Vorschläge als Glucksmann für eine alternative Klimapolitik macht. Bisher
hat er mit einem Mangel an Charisma ein Imageproblem. Glucksmanns erklärtes
Ziel ist es, sich bei den Präsidentschaftswahlen im Frühling 2027 für die
zweite Runde gegen Marine Le Pen zu qualifizieren.
[2][Derzeit hat jedoch laut allen Umfragen Mélenchon viel größere Chancen,
in der Stichwahl gegen die Rechtsextremistin anzutreten]. Er wolle die
derzeitige „LFI-Hegemonie in der französischen Linken brechen“, sagte
Glucksmann. Im Unterschied zum PS-Parteichef Faure schließt er jegliche
Wahlabkommen mit LFI aus.
## Kampf um den zweiten Platz
Er kritisiert den linkspopulistischen Kurs der LFI und wirft insbesondere
Mélenchon vor, sich nicht eindeutig klar zu Antisemitismus-Vorwürfen zu
äußern. Glucksmann selber lehnt es prinzipiell ab, von einem Genozid in
Gaza zu reden. Auch daran scheiden sich die linken Geister.
Im Kampf um den zweiten Platz in der ersten Runde der
Präsidentschaftswahlen ist Glucksmann auch mit Edouard Philippe
konfrontiert. Als früherer Premierminister von Emmanuel Macron will
Philippe die rechte Mitte repräsentieren. In den Umfragen liegen Philippe
und Mélenchon derzeit praktisch gleichauf.
Glucksmann aber steht vor einer komplizierten Ausgangslage: Um eventuell
gegen die extreme Rechte zu siegen, muss er sich links abgrenzen und
zugleich gegen einen Macronisten um die Gunst der Mitte kämpfen, ohne dabei
linke Stimmen zu verlieren.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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