# taz.de -- Einreiseverbot für Turnerinnen: Nicht jede darf dabei sein
       
       > Drei russische Turnerinnen erhalten kein Visum für die Niederlande und
       > verpassen die WM. In Russland gilt das als Ausweis westlicher
       > Russophobie.
       
 (IMG) Bild: Abgewiesen: Angelina Melnikowa darf in Rotterdam nicht ans Gerät
       
       Mit [1][gewohnt deutlichen Worten] hat Marija Sacharowa, Sprecherin des
       russischen Außenministeriums und als solche eine bewährte Giftspritze der
       russischen Regierung, die Europäische Union attackiert: „Das ist wahrer
       Neonazismus, eine Hetzjagd auf Bürger einzig wegen ihrer nationalen
       Zugehörigkeit.“ So kommentierte sie Ideen in der Europäischen Union, wegen
       des Kriegs gegen die Ukraine Sanktionen gegen russische Sportler zu
       verhängen.
       
       [2][Das Nachrichtenportal Politico hatte über ein Papier berichtet], das in
       Brüssel unter Außenpolitikern kursiert, die sich nicht abfinden wollen mit
       der schrittweisen Rückkehr Russlands auf die Weltbühne des Sports, die
       allerorten zu beobachten ist. Darin soll von Sanktionen gegen Sportlerinnen
       und Sportler ebenso die Rede sein wie von der Streichung von
       EU-Fördermitteln an Sportverbände, die Russlands Rückkehr befürworten.
       
       Sacharowas Giftanschlag Richtung Westen kam zwei Tage, nachdem bekannt
       wurde, dass drei russischen Athletinnen Visa für die Niederlande verweigert
       worden waren, wo am Samstag in Rotterdam die Weltmeisterschaften im
       Gerätturnen beginnen. Neben Anna Kalmykowa, der Vizeeuropameisterin im
       Mehrkampf, und Viktoria Listunowa, der Teamolympiasiegerin von Tokio 2021,
       ist davon auch Angelina Melnikowa betroffen. Sie ist die wohl derzeit beste
       Turnerin in Europa.
       
       In Kroatien, bei der EM im vergangenen August, hatte sie im Mehrkampf, im
       Sprung und mit der Mannschaft Gold gewonnen. Schon damals war der
       bekennenden Unterstützerin von Russlands Präsidenten Wladimir Putin [3][das
       Visum zunächst verweigert] worden. Nach Einsprüchen durfte sie dann doch
       einreisen.
       
       ## Ratloser Turnverband
       
       Weil russische Staatsinsignien nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine
       auch im Turnen bei internationalen Wettbewerben unerwünscht waren, startete
       sie im Team „World Gymnastics 2“ als neutrale Sportlerin. Als solche hatte
       sie der internationale Turnverband, der sich seit 2025 „World Gymnastics“
       nennt, eingestuft, obwohl sie schon einmal für die Kremlpartei Einiges
       Russland bei einer Kommunalwahl kandidiert hatte.
       
       Der Weltverband hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn Melnikowa und ihre
       beiden Turnkameradinnen bei der WM an den Start gegangen wären. „World
       Gymnastics bedauert zutiefst die negativen Auswirkungen auf die
       Vorbereitungen der russischen Delegation und die Verunsicherung, die in der
       gesamten Gemeinschaft der Weltmeisterschaften im Kunstturnen herrscht“,
       [4][heißt es in einer Stellungnahme].
       
       Die russische Delegation hatte sich umgehend beschwert und auch das IOC
       angerufen. Schließlich gehe es um etwas ganz Grundsätzliches: die Autonomie
       des Sports. In die dürften Staaten nicht hineinregieren, so wie es die
       Niederlande bei der Verweigerung der Visa getan hätten. Grundsätzlich
       erhalten Athletinnen und Athleten aus den Kriegstreiberländern Russland und
       Belarus Visa, wenn sie unter neutraler Flagge starten. Darüber hinaus
       behalte man sich vor, im Einzelfall auch anders zu entscheiden. So heißt es
       in einer Stellungnahme des Außenministeriums der Niederlande, aus der die
       genauen Gründe für die Visaverweigerung nicht hervorgehen.
       
       Die kennt auch das IOC nicht. Das Internationale Olympische Komitee hat in
       seiner Erklärung zum Fall ohnehin abzuwiegeln versucht. Man sei für das
       Event nicht zuständig. Und auch wenn es bei der WM schon um die
       Qualifikation für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles gehe, es gebe danach
       noch genug andere Möglichkeiten, ein Olympiaticket zu lösen.
       
       In Russland kommt all das gar nicht gut an. Das Portal sportexpress.ru
       sieht in den Niederlanden „Russenhasser“ am Werk. Giftspritze Maria
       Sacharowa sieht das gewiss ebenso.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sports.ru/others/1117401875-mariya-zaxarova.html
 (DIR) [2] https://www.politico.eu/article/putins-favorite-sport-leads-russian-charge-toward-la-olympics/
 (DIR) [3] /Turn-EM-und-Ukrainekrieg/!6206275
 (DIR) [4] https://www.gymnastics.sport/site/news/displaynews.php?urlNews=4928195
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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