# taz.de -- Protest gegen russische Eiskunstläufer: So neutral wie Putin
       
       > Der ukrainische Verband protestiert vorerst mit Erfolg gegen die
       > Zulassung russischer Eiskunstläufer. Man stört sich etwa an der Putinnähe
       > von Walijewa.
       
 (IMG) Bild: Vertrautes Bild in Russland: In Kasan sitzen Wladimir Putin und die Spitzensportlerin Kamila Walijewa nebeneinander
       
       Mit dem Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine hat die
       Internationale Eislaufunion (ISU) [1][russische Eiskunstläufer von
       internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen]. In dieser Saison sind sie
       wieder zugelassen, obwohl der Krieg noch immer tobt. Laut der ISU dürfen
       sie als neutrale Sportler bei internationalen Wettbewerben starten, ohne
       Fahne und ohne Hymne. Zugelassen werden soll laut ISU nur, wer nicht in
       Militär- oder Sicherheitsorganen Russlands dient, keinem Armeesportverein
       angehört, wer seit Februar 2022 nicht aktiv an Handlungen gegen die Ukraine
       beteiligt war und seitdem nicht öffentlich die Position Russlands
       unterstützt hat.
       
       Bisher haben 75 russische Kufenkünstler eine Zulassung erhalten. Die Zahl
       erscheint hoch, doch dazu muss man wissen, dass Eiskunstlauf in Russland
       äußerst populär ist. Und Putin schmückt sich auch mit den Leistungen der
       Eiskunstläufer, missbraucht sie für seine Propaganda. Etliche lassen dies
       bereitwillig zu.
       
       Zu den zugelassenen Sportlern gehört Alexandra Ignatova, die unter ihrem
       Mädchennamen Trusova für ihr Feuerwerk an Vierfachsprüngen bekannt wurde
       und bei Olympia 2022 Silber gewann. Die inzwischen 22-Jährige, die vor
       einem Jahr Mutter wurde und seitdem ihr Baby für Putins Geburtenpolitik in
       die Kameras hält, hat letzte Woche bei einem Challenger-Wettbewerb in Japan
       den zweiten Platz belegt. Russische Eiskunstläufer haben in der gerade
       begonnenen Saison in zwei Juniorenwettkämpfen alle Siege davongetragen. Den
       bisher einzigen internationalen Wettkampf bei den Senioren mit russischer
       Beteiligung in Japan haben sie zwar nicht derart dominiert, aber sie
       zeigten Leistungen auf Weltniveau.
       
       Der ukrainische Verband hat in einem offenen Brief gegen die Zulassung
       russischer Athleten protestiert. Er zählte mehrere zugelassene Sportler
       auf, die seiner Meinung nach gegen das Neutralitätsgebot der ISU verstoßen
       hätten. Sie gehören entweder dem Armeesportverein ZSKA Moskau an, haben an
       öffentlichen Propagandaveranstaltungen teilgenommen oder staatliche Orden
       erhalten.
       
       ## Spitzname „Putins neue Geliebte“
       
       Bekannteste der genannten Läufer ist [2][mit Kamila Walijewa] jene
       Sportlerin, die während der Olympischen Spiele 2022 als 15-Jährige wegen
       eines positiven Dopingbefunds traurige Berühmtheit erlangte. Ihre
       vierjährige Dopingsperre ist inzwischen abgelaufen. Die Ukrainer zählen
       auf, dass Walijewa seit Herbst 2025 in der Akademie von Tatjana Nawka
       trainiert. Nawka ist als Ehefrau von Kremlsprecher Dmitri Peskow und
       Propagandistin für das russische Regime international sanktioniert.
       
       Walijewa hat selbst fleißig an Propagandaveranstaltungen für Regime und
       Krieg teilgenommen. Sie verdiente ihr Geld mit patriotischen Eisshows. Sie
       befürwortete Gesetze zum Vorgehen gegen Oppositionelle, sie saß 2024 in
       Kasan sogar bei einer Veranstaltung neben Putin. In Russland hat die
       20-Jährige den Spitznamen „Putins neue Geliebte“. Walijewa wurde kurz nach
       der Veröffentlichung des Briefs aus der Ukraine der neutrale Status wieder
       entzogen. Das gab die ISU zwar nicht bekannt, doch die US-amerikanische
       Nachrichtenagentur AP hat es aus ihrem Umfeld erfahren. Die Entscheidung
       ist nicht rechtskräftig, Walijewa kann Rechtsmittel einlegen.
       
       Auch dem russischen Meister Mark Kondratjuk hat die ISU den neutralen
       Status zugesprochen und wieder entzogen. Kontratjuk war während des Kriegs
       in der Ukraine Mitglied der Sportkompanie des russischen Militärs, leistete
       einen Eid auf die Streitkräfte und nahm an einem Treffen mit Putin und dem
       damaligen Verteidigungsminister Sergei Schoigu teil.
       
       Für die [3][ISU hat die Zulassung russischer Sportler auch eine
       wirtschaftliche Motivation.] Weil die Sportart in Russland so populär ist,
       garantieren russische Teilnehmer volle Eishallen, Übertragungsrechte für
       russische TV-Stationen und Werbeeinnahmen.
       
       8 Sep 2026
       
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