# taz.de -- Sexualisierung von Mädchen: Zuletzt gesucht: „Porno Schulmädchen“
> In England starten Schülerinnen eine Petition, um Schuluniformen in
> Pornos zu verbieten. Ein guter Zeitpunkt, um das Konzept Uniform zu
> überdenken
(IMG) Bild: Die Sexualisierung von Schuluniformen an weiblichen Körpern hat eine lange Geschichte. Zeit, etwas dagegen zu unternehmen
„Wir sind keine ‚sexy Schulmädchen‘. Wir sind keine Objekte“, schreiben
Schülerinnen der Cooper School in Bicester, Oxfordshire. Sie haben eine
Petition gestartet und wollen erreichen, dass die [1][britische Regierung
Schuluniformen in Pornos verbietet].
Wer sich noch vage daran erinnert, wie es ist, 15 oder 16 Jahre alt zu
sein: stressig. Jeden Morgen, bevor man überhaupt so richtig aufgewacht
war, begann da viel zu früh eine Veranstaltung namens Schule, und jeden
Morgen war es absolut nicht egal, was man trug. Ende der 90er-Jahre, das
ist mein persönlicher Erinnerungsnebel, bestand die inoffizielle
Mädchenschuluniform aus Doc Martens mit Plateausohle, einem
Eastpak-Rucksack und auf der Hüfte sitzenden Schlaghosen. Bauchfrei war
auch angesagt, an meiner Schule aber verboten, da zu „aufreizend“.
Schuluniformen waren auch Thema, aber im Deutschunterricht, weil man daran
so gut Pro und Contra üben konnte. Wer für Pro eingeteilt war, hat dann
meist gesagt, dass so eine Uniform auch entlasten könne, schließlich seien
Doc Martens teuer, und wer noch dazu in der ollen Röhrenjeans aufkreuze,
der werde halt auch schnell mal ordentlich gemobbt.
Das Contra geht ganz aktuell mit Blick auf Großbritannien so:
Schuluniformen waren schon immer ein autoritäres Herrschaftsinstrument. In
der Uniform steckt die Botschaft der Unterordnung. Unter eine
Kleidungsnorm, unter eine Norm, was als „ordentlich“ und „angemessen“
definiert wird, aber nicht von einem selbst. Das eigene Wollen spielt da
keine Rolle. Es spielt auch keine Rolle, dass es wahnsinnig stark machen
kann, sich dem Gruppendruck zum Eastpak-Rucksack zu verweigern und trotzdem
im Sportunterricht nicht als Letzte gewählt zu werden.
## Schuluniform im Mainstream-Porno
Eine Uniform aber will nicht das mündige, also das erwachsene, Individuum.
Insofern ist es vielleicht auch überhaupt nicht verwunderlich, warum
Schuluniformen so weit verbreitet sind im Genre „Teenager Pornografie“ –
das, wie die [2][BBC die Juristin und Buchautorin Clare McGlynn zitiert],
„leider eines der größten Segmente im Mainstream-Pornobereich“ sei. Die
britischen Schülerinnen, die die Petition verfasst haben, erzählen, sie
hätten viele Reaktionen von Frauen bekommen, die sagen, sie hätten sich nie
mehr zum sexualisierten Objekt degradiert gefühlt als in einer
Schuluniform.
Japan, ebenfalls ein traditionelles Schuluniformenland, erlaubt seit
einigen Jahren, dass die Mädchen auch die Jungsiniformen (also Hosen statt
Röcke) tragen dürfen. Die weiblichen Charaktere in Animes und Mangas werden
dort sehr oft als sexualisierte Kindfrauen dargestellt – in Schuluniformen.
Und auch das noch: Wissenschaftler*innen der [3][Cambridge University
hatten Anfang 2024 Forschungsergebnisse] veröffentlicht, laut denen Mädchen
in Grundschulen mit Schuluniformpflicht weniger gerne auf Bäume kletterten
oder Fangen spielten, weil sie sich in Röcken dann unwohl fühlten.
Der Punkt ist: Eine Schuluniform macht den Menschen, vor allem die Mädchen,
klein. Zu kleinen Objekten. Es geht um Macht. Und wo es um Macht geht, geht
es häufig eben auch um Sex als Instrument, Macht auszuüben.
## Tatort Internet
Dramatisch ist in dem Zusammenhang auch, was die Missbrauchsbeauftragte des
Bundes, Kerstin Claus, am Dienstag berichten musste: Das Internet sei zum
„zentralen Tatort für sexualisierte Gewalt“ geworden, gerade gegenüber
Kindern und Jugendlichen. Jeder Vierte zwischen 14 und 17 Jahren habe
bereits „Cybergrooming“ erlebt, also sexuell übergriffige Kontaktaufnahme
durch Erwachsene im Netz.
Mithilfe von KI können Menschen nun auch auf Fotos im Netz ausgezogen oder
in Pornos montiert werden, Stichwort Deepfakes. Man erinnere sich an den
Fall [4][Collien Fernandes]. Es ist gut, dass es immerhin schon einen
fertigen Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD)
gibt, der [5][Gesetzeslücken bei der strafrechtlichen Verfolgung von
Deepfakes] schließen will.
Es ist nicht gut, wie auch Claus am Dienstag betonte, dass noch immer fünf
Bundesländer keine verpflichtenden Schutzkonzepte an Schulen haben gegen
den sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Da könnte man dann auch gleich
reinschreiben, dass die Schulen sich verpflichtend im Unterricht – und
nicht nur in externen Workshops – mit digitaler Gewalt beschäftigen müssen.
Weil nur wer Bescheid weiß, auch die Chance hat, zum mündigen Individuum zu
werden. Gerade weil Wehrhaftigkeit den übergriffigen Tätern im Netz und auf
der Straße eben nicht passt.
26.000 Menschen haben die Petition gegen Schuluniformen in Pornos bereits
unterschrieben. Der britische Premier Andy Burnham hat auch schon Post
bekommen von den Schülerinnen aus Oxfordshire. Vielleicht schafft
Großbritannien die Schuluniformen am Ende ja gleich ganz ab. Falls er
Argumentationshilfe für die parlamentarische Debatte braucht: Zahlreiche
Pros und Contras lassen sich im Englischunterricht bestimmt ganz prima
erarbeiten.
14 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bbc.com/news/articles/ckz65jg4gqzlo
(DIR) [2] https://www.bbc.com/news/articles/ckz65jg4gqzlo
(DIR) [3] https://www.cam.ac.uk/research/news/school-uniform-policies-linked-to-students-getting-less-exercise-study-finds
(DIR) [4] /Podcast-Likes-und-Nebenwirkungen/!6211494
(DIR) [5] /Gesetzentwurf-gegen-digitale-Gewalt/!6171844
## AUTOREN
(DIR) Anna Klöpper
## TAGS
(DIR) Sexualisierte Gewalt
(DIR) Digitale Gewalt
(DIR) Kinderpornografie
(DIR) GNS
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