# taz.de -- Sexualisierte Gewalt gegen Kinder: „Risiken im digitalen Raum explodieren“
> Tausende Kinder und Jugendliche erleben sexuelle Gewalt in Deutschland.
> Die Missbrauchsbeauftragte fordert dringend mehr Schutz und Ressourcen.
(IMG) Bild: Die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus (Mitte) heute beim der Präsentation des Berichts
Die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, hat eindringlich dazu
aufgerufen, Kinder und Jugendliche besser vor sexualisierter Gewalt zu
schützen. „Noch nie war das Risiko für ein Kind, sexualisierte Gewalt zu
erleben, so hoch wie heute“, sagte Claus am Dienstag in Berlin. Besonders
digitale Medien hätten die Gefährdung verstärkt. Sie forderte
flächendeckende Schutzkonzepte, mehr staatliche Verantwortung und
zusätzliche finanzielle Mittel für Betroffene.
Das [1][Amt der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen
Kindesmissbrauchs] (UBSKM) ist seit 2025 gesetzlich verankert. Am Dienstag
wurde nun erstmals der ebenfalls gesetzlich verankerte [2][Bericht]
vorgestellt. Dieser zeige, dass „wir wissen, was schützt, was hilft und was
es braucht“, so Claus, aber „auch, wo die Lücken liegen“.
Der Bericht nimmt die [3][Kriminalstatistik] als Grundlage und definiert
daraus 15 Handlungsbedarfe. Allein im Jahr 2025 wurden 17.126 Fälle
sexuellen Kindesmissbrauchs gezählt. Das sind rund 1.600 mehr als vor fünf
Jahren und 772 mehr als 2024. „Die Risiken im digitalen Raum explodieren“,
sagte Claus. Online erlebte jeder vierte Jugendliche Cybergrooming.
„Erpressung und [4][Sextortion] (Erpressung, bei der Täter mit der
Veröffentlichung intimer Bilder oder Videos drohen, d. Red.) sind im Netz
an der Tagesordnung“, so die Beauftragte weiter.
## „Schutz und Teilhabe nicht länger gegeneinander ausspielen“
Um die Gefahren im Netz zu verringern, fordert Claus eine Verschärfung des
Strafrechts gegen [5][Cybergrooming]. Zudem müsse aktiv nach
Missbrauchsdarstellungen gesucht und diese gelöscht werden. „Wir dürfen
[6][Schutz und Teilhabe nicht länger gegeneinander ausspielen]“, so Claus.
Denn nur in altersgerechten und gut abgesicherten Räumen sei ein gesundes
Aufwachsen möglich.
Die ist auch eine zentrale Forderung im Offline-Bereich: Flächendeckende
Schutzkonzepte mit Qualitätssicherung und Kontrollen müsse es überall dort
geben, wo sich Kinder außerhalb der Familie aufhalten – ob im Schwimmkurs,
bei der Nachhilfe, bei der Ferienreise. Denn „Schutzkonzepte schaffen
Sicherheit“, so Claus. Schutzlücken sehe sie unter anderem bei gewerblichen
und gemeinnützigen Strukturen.
Claus appellierte an die Bundesländer, ihrer Verantwortung nachzukommen.
Viele Aspekte des Kinder- und Jugendschutzes fallen in deren Zuständigkeit.
So gibt es in Sachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Bayern und Bremen – anders
als in den elf anderen Ländern – bisher keine Verpflichtung für Schulen,
Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt zu entwerfen. Zugleich gibt es
positive Beispiele: In Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es einen
Landesbetroffenenrat. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben
kürzlich eigene Landeskinderschutzgesetze beschlossen.
## Kritik an Ende des Betroffenen-Fonds
Neben Claus stellte auch Julia Gebrande von der Bundeskommission zur
Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch [7][ihren ersten Bericht vor].
Über zehn Jahre hinweg berichteten mehr als 3.200 Betroffene der Kommission
von ihren Gewalterfahrungen. Sexualisierte Gewalt sei „kein Unglück,
sondern ein Unrecht, für das der Staat Verantwortung übernehmen muss“,
betonte Gebrande. Sie forderte bessere Möglichkeiten zur Akteneinsicht für
Betroffene und eine gesetzliche Pflicht zur institutionellen Aufarbeitung.
Angela Marquardt vom Betroffenenrat machte sich indes für eine Fortführung
des Fonds sexueller Missbrauch stark. Dieser unterstützt
Missbrauchsbetroffene mit Sachleistungen bis zu 10.000 Euro pro Person. „Es
braucht unverzüglich eine rechtssichere und dauerhaft finanzierte
Folgelösung“, so Marquardt. Weil der Fonds nicht gesetzlich verankert ist,
können dort seit März 2025 keine neuen Anträge gestellt werden. Das
kritisierte auch Claus: „Das ist für mich eine Entsolidarisierung mit den
Betroffenen.“ Sie rief Bund und Länder auf, gemeinsam zu handeln.
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Missbrauchsbeauftragte-ueber-Praevention/!6022288
(DIR) [2] https://www.beauftragte-missbrauch.de/fileadmin/Content/pdf/Leitf%C3%A4den_und_Berichte/UBSKM-Bericht-Bundestag-2026.pdf
(DIR) [3] /Sexuelle-Gewalt-gegen-Kinder/!6198051
(DIR) [4] /Erfahrung-eines-Sextortion-Opfers/!6022761
(DIR) [5] /Expertin-zu-sexualisierter-Gewalt/!6167324
(DIR) [6] /Social-Media-Verbot-fuer-Kinder/!6189609
(DIR) [7] https://www.aufarbeitungskommission.de/wp-content/uploads/Aufarbeitungskommission_Politischer-Bericht-2026.pdf
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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