# taz.de -- Gekränkte Männer in der Manosphere: „Frauenhass ist zu einem sehr lukrativen Geschäft geworden“
> Veronika Kracher arbeitet zu antifeministischen Onlinenetzwerken, der
> sogenannten Manosphere. Im Internet verstärkt sich
> geschlechtsspezifischer Hass.
(IMG) Bild: Ein Social-Media-Verbot für Männer? Könnte das helfen?
taz: Veronika Kracher, wie gehen Sie mit Hass im Internet um?
Veronika Kracher: Wenn man in so einem Bereich arbeitet, wird man entweder
der lustigste Mensch der Welt oder extrem depressiv. Es ist wichtig, eine
Resilienz zu entwickeln und Abgrenzung zur Arbeit finden. Mir hilft vor
allem die Erfahrung einer konkreten politischen, feministischen
Handlungsfähigkeit und Solidarität meiner Genossinnen und Mitstreiterinnen.
Das zeigt mir, dass es Menschen gibt, die diese Verhältnisse nicht
hinnehmen und sie verändern wollen.
taz: Warum radikalisieren sich junge Männer im Internet?
Kracher: Wir leben in patriarchal strukturierten Verhältnissen, in denen
die männliche Sozialisation sehr stark an die Abwertung des
Nicht-Männlichen gekoppelt ist. Antifeministische Influencer appellieren an
eine [1][Krise der Männlichkeit] und sprechen Jugendliche gezielt mit dem
Versprechen an, ihnen die richtige [2][Geschlechtsperformance]
beizubringen. Männer drängen Frauen und queere Menschen aus der
Öffentlichkeit und nehmen sich selbst den Raum. Mit Hassnachrichten oder
dem Generieren von Content in digitalen Räume ist es viel einfacher
geworden, geschlechtsspezifische Gewalt auszuüben. Das ist im digitalen
Mainstream angekommen. Die Entwicklung ist extrem gruselig. Frauenhass ist
zu einem sehr lukrativen Geschäft geworden.
taz: Könnte die [3][Manosphere] ohne Kapitalismus funktionieren?
Kracher: Geschlechtsspezifische Gewalt ist unabhängig von ökonomischen und
politischen Systemen. Allerdings ist gerade das Monetarisieren von
misogyner Gewalt ein Phänomen von kapitalistischer Plattformlogik. Männlich
gelesene User werden auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram schon nach
kürzester Zeit mit antifeministischem Content vollgemüllt. Plattformen und
die Betreiber von Social-Media-Apps stellen Technik her, die darauf
ausgelegt ist, Frauen zu degradieren, und verdienen Geld damit.
Techmonopole pushen diesen Content gezielt. Die Sicherheit von
marginalisierten Menschen ist komplett egal, wenn es um Profitmaximierung
geht.
taz: Sehen Sie eine Verbindung zum faschistischen Aufschwung?
Kracher: Definitiv ja. Denken wir an Maximilian Krah, der davon spricht,
dass echte Männer rechts sind. Faschistische Organisationen und Strukturen
sprechen ganz gezielt eine gekränkte Männlichkeit an: Früher war alles in
Ordnung. Da hattest du eine treu sorgende Ehefrau und Kinder und konntest
als alleiniger Ernährer fungieren. Heute ist dem nicht so. Als einfache
Erklärung wird mit Feindbildern und reaktionären,
verschwörungsideologischen Welterklärungen operiert, wie beispielsweise dem
[4][„großen Austausch]“ oder dem Feminismus. Anstatt sich mit der eigenen
Vormachtstellung zu befassen und wie diese sich im Zwischenmenschlichen
artikuliert.
taz: Wo muss angesetzt werden, damit Männer nicht zu antifeministischer
Gewalt greifen?
Kracher: Ich halte Aussteigerprogramme für wichtig. Aber wir sollten viel
grundlegender ansetzen, wenn es um die Prävention von
geschlechtsspezifischer Gewalt geht. Wir brauchen eine grundlegend
feministische Pädagogik und Politik. Ein wichtiger Aspekt ist, dass
Eigenschaften nicht mehr an Geschlecht gekoppelt werden.
taz: Inwiefern?
Kracher: Jungen muss von klein auf vermittelt werden, dass sie ihre
Identität nicht darauf aufbauen müssen, andere Menschen abzuwerten.
Frauenhass ist gesellschaftlich normalisiert. Da braucht es ein stärkeres
Bewusstsein. Es ist bitter, dass die Bundesregierung bei Strukturen, die
sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzen, großflächig die Gelder
kürzt. Das signalisiert, dass geschlechtsspezifische Gewalt
gesellschaftlich nicht so wichtig ist.
19 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Klara Hohnke
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(DIR) Feminismus
(DIR) Gewalt gegen Frauen
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