# taz.de -- DFB-Fußballerinnen bezwingen Japan: Neues Können
       
       > Das DFB-Team überzeugt gegen Japan durch seine selbstregulierenden
       > Kräfte. Bundestrainer Wück feiert den Erfolg als Ergebnis einer
       > Entwicklung.
       
 (IMG) Bild: Präziser Abschluss: Klara Bühl erzielt den Treffer zum 2:1 gegen Japan
       
       Die erste Viertelstunde gehörte Japan. Die Asienmeisterinnen ließen den
       Ball laufen, oft mit nur einem Kontakt, manchmal ging ein Raunen durchs
       Stadion. Deutschland war im Mittelfeld in Unterzahl, [1][Bundestrainer
       Christian Wück] forderte an der Seitenlinie aggressiveres Anlaufen, seine
       Spielerinnen kamen nicht in die Zweikämpfe. Dann [2][schickte Momoko
       Tanikawa] auch noch Innenverteidigerin Sophia Kleinherne mit einer
       schnellen Drehung auf den Rasen und traf zum 1:0 für Japan. Der
       Gegentreffer sei zu dem Zeitpunkt „leider folgerichtig“ gewesen, sagte Wück
       später. Das Publikum im Weserstadion feuerte umso lauter an, das Gegentor
       schien der DFB-Elf seltsam gutzutun.
       
       Denn direkt danach wechselte das Momentum. Die Spielerinnen hätten die
       Unterzahl im Mittelfeld selbst angesprochen, erzählte Wück, „und im
       Endeffekt sind sie selbst auf die Lösung gekommen“. Die bestand darin,
       „hinten aufzulösen“, also bei Ballbesitz eine Innenverteidigerin ins
       Mittelfeld zu ziehen, mal Kleinherne, mal Camilla Küver. Sie hatten vorher
       zu zweit gegen nur eine Gegenspielerin abgesichert. Durch die Anpassung
       bekam Deutschland Zugriff aufs Spiel. „Wir hatten erwartet, dass der Gegner
       noch mehr Ballbesitz hat. Das war gar nicht so, wir konnten schon auch sehr
       viel Anteil am Spiel haben“, sagte Linda Dallmann nach der Partie in der
       Mixed Zone. „Wir haben viel kreiert, viel Ruhe am Ball gehabt. Gerade im
       Vergleich zum Australienspiel war das noch mal ein Stück weit besser.“
       
       So zum Beispiel beim Ausgleich in der 28. Minute: Torhüterin Ena Mahmutovic
       eröffnete über Küver. Sjoeke Nüsken passte zu Franziska Kett, deren
       Schnittstellenpass für Klara Bühl kam perfekt. Bühl legte zurück auf
       Dallmann, sie traf in den Winkel. Japans Trainer Michihisa Kano passte
       danach seinerseits an, mehr lange Bälle, um die neue taktische Situation
       auszunutzen. Daraus ergaben sich Chancen auf beiden Seiten, etwa für Bühl
       nach schöner Kombination mit Anyomi (40.) und für Tanikawa kurz nach der
       Pause.
       
       Bühl traf schließlich in der 73. Minute zum 2:1, nach Vorarbeit der
       eingewechselten Melissa Kössler, die die japanische Abwehr vorher mit einer
       Drehung in die falsche Richtung schickte und der Torschützin damit Platz
       verschaffte. Von den Rängen gab es Bühl-Sprechchöre, inzwischen hatte es
       angefangen zu regnen.
       
       ## Trickreiche Bühl
       
       Vier Tage vorher hatte das DFB-Team mit 4:2 gegen Australien gewonnen,
       trotz vieler Ausfälle vor und während der Maßnahme, darunter Kapitänin
       Giulia Gwinn. Zwischen den beiden Partien sei viel gesprochen worden. „Ich
       hatte heute das Gefühl, dass sich jede Spielerin noch mal wohler auf dem
       Platz fühlt“, sagte Bühl. Sie selbst spielte besonders trickreich, heizte
       immer wieder das Publikum an.
       
       Wück sagte, er merke bei den Spielerinnen untereinander, „wenn eine sich
       mal nicht an irgendwas halten sollte, kommt mittlerweile von der Mannschaft
       ein Signal, dass da was schiefläuft“. Er legte sich fest: „Vor einem halben
       Jahr, vor einem Dreivierteljahr hätten wir so ein Spiel noch nicht
       gedreht.“
       
       „Wir haben erwachsener gespielt“, fand Jule Brand. Dallmann, die
       Routinierteste im Team und erneut eine der Besten auf dem Platz, war das
       noch nicht genug. Man müsse „lernen, in gewissen Phasen noch erwachsener zu
       spielen“, und dürfe die Gegnerinnen, „nicht einladen, um es wieder spannend
       zu machen“.
       
       Wück nannte die Leistung „schon außergewöhnlich“, fand es aber „doch schön,
       wenn die Spielerinnen noch Luft nach oben sehen“. Baustellen benannte er
       selbst. Auf manchen Positionen, beispielsweise bei den rechten
       Außenverteidigerinnen, gebe es keinen Qualitätsverlust mehr, wenn
       Spielerinnen fehlen. Im defensiven Mittelfeld dagegen werde es bei
       Ausfällen „schon sehr, sehr eng“. [3][Lena Oberdorf] soll sich in diesem
       Jahr, nach Absprache noch vor ihrem erneuten Ausfall, ganz auf den FC
       Bayern konzentrieren, im Februar soll es Gespräche geben.
       
       Nach Abpfiff verbeugten sich die Japanerinnen vor den deutschen Fans. Die
       hatten vor dem Spiel ein Banner gezeigt: „Heute Bremen, in 255 Tagen WM in
       Brasilien.“ Vielleicht kommt es dort ja zum Wiedersehen.
       
       14 Oct 2026
       
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