# taz.de -- Förderung von Fußballerinnen: An Talenten mangelt’s nicht
> DFB und Vereine bauen die Nachwuchsförderung im Fußball um. Talentierte
> Nachwuchsspielerinnen sollen endlich mehr Spielpraxis erhalten.
(IMG) Bild: Erfolgreich unterwegs: die U19 der Frauen beim 1:0 gegen Frankreich in der EM-Qualifikation im April
Heike Ullrich hat beim Frühstück durchgezählt. Bis auf eine hätten alle
Spielerinnen des Nationalteams an ihrem Tisch irgendwann die
[1][Fritz-Walter-Medaille] gewonnen, die höchste Nachwuchsauszeichnung des
DFB. Das erzählte die DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball
bei einem Medientermin vor dem [2][Länderspiel gegen Japan] in Bremen, um
zu verdeutlichen, wie hoch die Trefferquote der Auszeichnung bei den Frauen
im Vergleich zu den Männern ist. Das spreche für die Sichtung, sagte sie,
zeige aber auch, wie klein die Auswahl in der weiblichen Kategorie ist.
Sportlich läuft es für die weiblichen U-Nationalteams 2026 gut, nachdem
sich im letzten Jahr keines für ein Turnier qualifiziert hatte. Die
[3][U17] gewann im Mai nach zwei verpassten Endrunden erstmals seit 2022
die EM. Am Samstag geht es bei der [4][WM in Marokko gegen Argentinien].
Die U19 wurde im Juli Vizeeuropameisterin, den letzten EM-Titel gab es
2011, den letzten U20-WM-Titel 2014.
Die Strukturen im [5][Nachwuchsfußball] sind im Umbau. Nachdem die
U17-Bundesliga nach der Saison 2023/24 abgeschafft wurde, steht den
Vereinen frei, ob sie ihre B-Juniorinnen in regionalen Mädchenligen oder
gegen jüngere Junioren antreten lassen. Laut Ulrike Ballweg, Sportliche
Leiterin Talentförderung Frauen & Mädchen beim DFB, hatten „viele
Spielerinnen, die in den Nationalmannschaften landen, Kontakt mit
Juniorenfußball“.
## Aufschwung bei den U-Teams
Ab Sommer 2027 organisieren die Vereine der 1. Frauen-Bundesliga diese
[6][über den neuen FBL e. V.] selbst. Das ist in einem Grundlagen- und
einem Pachtvertrag zwischen [7][DFB] und FBL geregelt. Die Talentförderung
bleibt aber wie die 2. Frauen-Bundesliga beim DFB, zudem geht 2027/28 eine
neue dreigleisige 3. Liga an den Start. Ab 2029/30 sollen vorbehaltlich
einer Evaluation nur noch in der 3. Liga Zweitvertretungen zugelassen
werden. Diese treten als U20-Teams an und bieten Spitzentalenten rar gesäte
Einsatzzeiten im Übergang zum Erwachsenenfußball.
In der Saison 2025/26 belegten für den DFB spielberechtigte
U20-Spielerinnen in der 1. Liga rund 16 Prozent der Kaderplätze, bekamen
aber nur 6 Prozent der Spielzeit. In der 2. Liga hatten sie rund 30 Prozent
der Kaderplätze und knapp 24 Prozent der Spielzeit. Mehr als die Hälfte
davon entfiel auf die Zweitvertretungen aus Frankfurt, München und
Wolfsburg.
Ausgebildet werden sollen die Spielerinnen in den Talentförder- und
Leistungszentren weiblich (TFLZw), die der DFB seit Anfang 2025
zertifiziert. Für die Ausbildung gelten für beide dieselben Anforderungen.
Ullrich sagte, dass man sich an den Erfahrungen mit den
Junioren-Nachwuchsleistungszentren (NLZ) orientiere, es aber wichtig sei
„andere Kriterien aufzustellen, die vielleicht für die Frauen wichtiger
sind“. Etwa Zyklusbegleitung und psychologische Betreuung, die von
Spielerinnen stärker nachgefragt werde. Es ist etwa durch Studien belegt,
dass Männer eine deutlich größere Scheu haben, therapeutische Angebote zu
nutzen – mit teils schwerwiegenden Auswirkungen.
Das Talentförderzentrum (TFZ) ist die Einstiegsstufe, Leistungszentren (LZ)
verlangen mehr hauptamtliches Personal, etwa bei den Trainer*innen.
Gestartet wurde mit sechs Vereinen, gerade sind es elf: Eintracht
Frankfurt, Wolfsburg, Leverkusen, der HSV und RB Leipzig (TFZ) sowie
Bayern, die SGS Essen, Hoffenheim, Freiburg, Köln und Union Berlin (LZ).
Weitere Vereine sollen folgen.
## Förderung im vertrauten Umfeld
Die 58 NLZ der Junioren seien für die Mädchen „eine viel zu hohe Zahl“,
sagt Ulrike Ballweg, die die Zentren verantwortet. Im Gegensatz zu den NLZs
setzen die TFLZw erst ab der U16 an. Spielerinnen sollen „so lange wie
möglich in ihrem familiären Umfeld“ bleiben. Ballwegs Ziel ist ein Zentrum
im Umkreis von 100 bis 120 Kilometern jeder Spielerin. Davon ist das Netz
in manchen Regionen weit entfernt.
Ursprünglich wollte der DFB 100 Millionen Euro in ein Joint Venture mit den
Bundesligisten stecken. Nachdem das nicht zustande kam, hatte der DFB
angekündigt, größtenteils an anderen Stellen in den Fußball der Frauen zu
investieren. Nach Ullrichs Rechnung gehen über den Grundlagenvertrag „fast
30 Millionen“ an die 1. Liga. Insgesamt seien es nun „deutlich mehr“ als
100 Millionen, sagt Ullrich, „wenn man alles aufaddiert“. Es seien „in
Summe über 80 Millionen“ Euro, die „als Zusatzinvestment in die gesamte
Pyramide des Frauenfußballs“ gingen. Davon „weit über 10 Millionen“ für die
Zentren, und es seien „knapp über 20 Millionen vorgesehen für das Legacy
Programm der Euro 2029“.
Für die TFLZw ist im Grundlagenvertrag mit der FBL festgelegt, dass es für
ein vom DFB zertifiziertes Leistungszentrum bis zu 100.000 Euro Förderung
im Jahr geben soll. Laut Ullrich gelte dies auch für ein TFZ in der 2.
Liga. Es sollten auch Klubs „ohne eine Profiabteilung im Hintergrund eines
Lizenzvereins der Männer weiterhin die Chance haben, in diesen Ligen zu
bestehen“, so Ullrich. Zugleich müsse „jedem klar sein“, sagte Ballweg,
dass „man da kein Geld mit verdient. Zumindest aktuell noch nicht.“
17 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gwinn-Vertretung-Carlotta-Wamser/!6095915
(DIR) [2] /DFB-Fussballerinnen-bezwingen-Japan/!6221521
(DIR) [3] /U17-WM-der-Frauen/!5888720
(DIR) [4] https://www.fifa.com/de/tournaments/womens/u17womensworldcup/morocco-2026/articles/gruppe-a-infos-teams-u17-frauen-wm-2026
(DIR) [5] /DFB-Nachwuchs-Es-braucht-mehr-als-die-juengste-Reform/!6195639
(DIR) [6] /Deutsche-Frauen-Bundesliga/!6209087
(DIR) [7] /Deutscher-Fussballbund-DFB/!t5008915
## AUTOREN
(DIR) Annika Becker
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