# taz.de -- DFB-Gegnerinnen aus Japan: Fortschritte fern der Heimat
> Die deutschen Fußballerinnen treffen auf Japan, die ihnen einst die
> Heim-WM vermiesten. Der Trend ist trotz Entwicklungsproblemen wieder
> positiv.
(IMG) Bild: FC Bayern Profi Momoko Tanikawa, hier bei einer Partie im April gegen die USA, nimmt im japanischen Team eine zentrale Rolle ein
Japans Kapitänin Homare Sawa chippt den Ball mit nur einem Kontakt aus der
Drehung exakt in den Lauf von Stürmerin Karina Maruyama. Sie sprintet in
den Strafraum. Deutschlands Verteidigerin Saskia Bartusiak kann den Weg zum
Tor nicht schließen, Maruyama zieht aus spitzem Winkel ab und schießt Japan
ins Halbfinale der WM 2011.
Die Japanerinnen gewinnen die WM in Deutschland, [1][Homare Sawa wird
Torschützenkönigin], Spielerin des Turniers und später Weltfußballerin. So
viele Spiele wie sie hat im japanischen Nationaltrikot
geschlechterübergreifend noch niemand bestritten. Vor Kurzem wurde Sawa in
Japans Fußball-Hall-of-Fame aufgenommen.
Nach dem Testspielerfolg gegen Australien (4:2) treffen am Dienstag in
Bremen die deutschen Fußballerinnen fünfzehn Jahre nach der Heim-WM erneut
auf die Japanerinnen, zum fünften Mal seitdem. Einige der Ehemaligen sind
in neuen Rollen mit dabei. Bartusiak ist inzwischen Assistenztrainerin der
DFB-Auswahl und WM-Verteidigerin Yukari Kinga im Staff von Nationalcoach
Michihisa Kano, der das Team im Mai 2026 übernahm.
Das WM-Viertelfinale von 2011 ist das einzige Spiel, das Japan bei vierzehn
Aufeinandertreffen gegen Deutschland gewonnen hat. Die Weltmeisterinnen
wurden nach der Katastrophe von Fukushima zu Hoffnungsträgerinnen. Viele
Mädchen und Frauen wollten ihnen nacheifern und meldeten sich in
Fußballvereinen an. Ligaspiele fanden z. T. vor zehntausenden Menschen
statt. Aber wie so häufig im Fußball der Frauen [2][bringt ein Titel allein
noch keine langfristige Entwicklung] und so ging es nach wenigen Jahren
wieder bergab. Nach der WM 2011 stand Japan auf dem 3. Platz der
Weltrangliste, rutschte bis 2021 auf den 13. Rang ab, [3][kletterte zurück
auf den aktuell 5. Platz.]
## Mindestgehälter in der heimischen Liga
Laut einer Erhebung des japanischen Fußballverbandes (JFA) sind Volleyball,
Basketball und Tischtennis nach Vereinsanmeldungen unter Frauen zwei- bis
fünfmal beliebter. Nur 0,1 Prozent der Japanerinnen waren 2023 als
Vereinsfußballerinnen registriert, in Deutschland waren es zum gleichen
Zeitpunkt immerhin 0,6 Prozent. Die Auswertung ist Teil der
„Wachstumsstrategie 2026 bis 2031“, die an ähnliche Dokumente des DFB
erinnert.
Über die Bekanntheit und mögliche Titel der Nationalelf sollen die
Sichtbarkeit wie Anmeldezahlen steigen. Dafür sollte auch die WE‑League
sorgen, Japans erste Profiliga im Fußball der Frauen, gestartet im
September 2021 mit Mindestgehältern und verpflichtenden Nachwuchsteams.
„WE“ steht für Women Empowerment: Die Liga will den Beruf Fußballerin
etablieren, das gesellschaftliche Frauenbild in Japan insgesamt verändern.
Die Klubs müssen Frauen in Führungspositionen haben. Bisher kam ein Drittel
des Budgets vom Verband, seit 2026 soll sich die Liga selbst tragen.
Sportlich gab es nach der Liga-Gründung laut Spielerinnen einen
Qualitätssprung, aber die Entwicklung verlief insgesamt nicht so gut wie
geplant. So stiegen die Publikumszahlen nur langsam. In der vergangenen
Saison kamen im Schnitt 2.392 Fans, weniger als in der Bundesliga.
Inzwischen ist es üblich, woran sich auch der deutsche Fußball gerade
gewöhnt: Die Besten gehen ins Ausland. Bei der WM 2011 spielten nur vier
der 21 Spielerinnen in Vereinen außerhalb Japans. Vom aktuellen Kader sind
mit Hana Takahashi und Yui Narumiya nur zwei der 23 Nationalspielerinnen in
der WE‑League unterwegs. Die meisten ihrer Kolleginnen verdienen ihr Geld
in England, vier in den USA und zwei in der Bundesliga: Bayern Münchens
Momoko Tanikawa gilt als mögliche Nachfolgerin für die großen Fußstapfen
Sawas. Und Werder Bremens Mei Shimada hofft nach ihrem Debüt auf einen
Einsatz im Weserstadion.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annika Becker
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