# taz.de -- Bundesliga der Frauen: Auf Abschiedstournee
> Bayerns Klara Bühl entscheidet das Spitzenspiel in Frankfurt. Es ist wohl
> die letzte Saison, in der man die Stürmerin noch in der Liga bewundern
> kann.
(IMG) Bild: Blickfang der Liga: Klara Bühl im Spiel bei Eintracht Frankfurt
Längst hatte sich die Abenddämmerung über das Stadion am Brentanobad
gelegt, als viele Kinder und Jugendliche nach dem Bundesliga-Spitzenspiel
zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München (0:1) noch immer am
Absperrgitter zum Kabineneingang ausharrten. Auf der anderen Seite stand
Klara Bühl bei den Fernsehinterviews. Während die übertragenden Sender Bühl
befragten, warteten die Fans auf Autogramme und Selfies. Deutschlands beste
Stürmerin hatte das chancenarme Duell für den Meister Bayern nach einer
Frankfurter Ecke entschieden.
Vom niederländischen Toptalent Sophie Proost brillant in Szene gesetzt,
schmetterte Bühl den Ball aus vollem Lauf mit links „in Weltklassemanier
ins Eck – das war der Unterschied“, meinte Frankfurts Trainer Niko Arnautis
zu dem Treffer. Sein Matchplan war bis aufs 0:1 (18.) aufgegangen, erfuhr
allerdings später keine Anpassung. Bayern-Coach José Barcala sprach von
einem „Sieg der Reife, der Mentalität und des Mindsets“. Sicher richtig,
weil die Bayerinnen bis auf einen Kopfball von Eintracht-Kapitänin Laura
Freigang (60.) kaum Chancen zuließen.
Doch die Münchnerinnen ziehen solch zähe Auseinandersetzungen in diesen
anstrengenden Wochen hauptsächlich deshalb auf ihre Seite, weil Bühl
trifft. „Es ist ein schönes Gefühl, das gibt Selbstvertrauen“, sagte die
25-Jährige, die vor drei Tagen im Champions-League-Auswärtsspiel bei
Benfica Lissabon (3:0) nach 74 Minuten den Bann gebrochen hatte.
„Ich bin unglaublich froh, wenn ich meine Leistung so auf den Platz kriege.
Das ist nicht selbstverständlich. Dafür tue ich auch einiges.“ Sie wolle
sich zur Feier des Tages nun eine Pizza gönnen, verriet die Matchwinnerin
breit grinsend. Die Bayerinnnen sind in der Bundesliga seit nunmehr 48
Spielen ungeschlagen. Angesichts der weißen Weste nach sechs Spieltagen
sieht alles nach dem nächsten Durchmarsch aus.
## Schreckmoment für Giulia Gwinn
Einziger Wermutstropfen, dass Verteidigerin Giulia Gwinn mit bandagiertem
Knöchel zum Bus geleitet wurde: Die DFB-Kapitänin war mit dem linken
Sprunggelenk umgeknickt, doch Barcala versicherte: alles fein, keine
schlimme Verletzung. Trotzdem ist nicht ganz sicher, ob Gwinn am Montag zum
Treffpunkt nach Heidelberg kommt, wenn sich die DFB-Frauen auf die
Testspiele gegen Australien in Karlsruhe (9. Oktober) und gegen Japan in
Bremen (13. Oktober) versammeln.
Keine Zweifel bestehen bei Bühl, die von Bundestrainer Christian Wück mit
Amtsantritt wegen ihrer Beidfüßigkeit als Weltklassespielerin identifiziert
wurde. Doch speziell [1][im EM-Halbfinale 2025 gegen Spanien] (0:1 n. V.)
und [2][im Nations-League-Finale] gegen den Weltmeister (0:0, 0:3) war auch
sie torlos geblieben.
Wück forderte daraufhin: „Sie muss ihre Quantität in Qualität ummünzen. Die
Häufigkeit, mit der sie ins Eins-gegen-eins geht und durchkommt, mit der
sie zu Abschlüssen kommt, die ist top: Jetzt brauchen wir noch die richtige
Entscheidung.“ Momente wie in Lissabon und Frankfurt belegen diesen
Entwicklungsschritt. Und was Barcala gerne noch herausstellt: „Wie
bescheiden sie ist!“
Die 78-fache Nationalspielerin ist fraglos die wertvollste deutsche
Spielerin. Wäre es nach ihrem Berater Jörg Neblung gegangen, hätte Bühl
schon diesen Sommer von ihrer Ausstiegsklausel Gebrauch machen sollen. Doch
sie wollte noch einen Anlauf beim FC Bayern auf den Gewinn der Königsklasse
nehmen. Nun sind die Indizien erdrückend, dass das prägendste Gesicht der
Liga nächsten Sommer verloren geht. Im Grunde läuft ihre Abschiedstournee,
denn es wird wohl gar keine Verhandlungen mit den Bayern über eine
Vertragsverlängerung mehr geben.
Bühl sagte zuletzt im ZDF, dass es keine Deadline gebe: „Es ist noch alles
offen. Ich kann mir alles vorstellen. Ich fühle mich in München sehr, sehr
wohl.“ Doch ein Verbleib ist unrealistisch. Der FC Barcelona wollte sie
bereits 2025 verpflichten, machte dann aber wegen finanzieller
Beschränkungen einen Rückzieher.
Daher dürften sich aus dem Ausland [3][vor allem die englischen Topklubs
mit Gehaltsangeboten] überbieten, denn die Spielerin mit dem dritthöchsten
Marktwert der Welt (1,65 Millionen Euro [4][laut dem Portal Soccerdonna])
ist nach der WM 2027 in Brasilien ablösefrei zu haben. Klara Bühl wird die
Qual der Wahl haben, aber Begehrlichkeiten sind ja längst ihr
Alltagsbegleiter.
4 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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