# taz.de -- DFB-Elf gegen Österreich: Ungleiche Nachbarinnen
> Die deutschen Fußballerinnen treffen binnen fünf Tagen in der WM-Quali
> zweimal auf Österreich. Zuletzt waren die Duelle eine klare
> Angelegenheit.
(IMG) Bild: Eng bewacht: Noch haben die Österreicherinnen die Deutschen nicht bezwingen können. Hier im Jahr 2024 beim 0:4 in Hannover
Es ist schon auffällig, wie häufig mittlerweile der Standort Nürnberg als
Spielort für ein Länderspiel der deutschen Fußballerinnen frequentiert
wird. Nach der Premiere gegen Brasilien (1:2) im April 2023 zur
Verabschiedung von Dzsenifer Marozsan folgte die Nations-League-Partie
gegen Österreich (4:1) im Februar 2025, ehe nun auch das
WM-Qualifikationsspiel gegen denselben Gegner im Max-Morlock-Stadion
(Dienstag 18.15 Uhr/ZDF) steigt, obwohl das „Achteck“ in Bezug auf moderne
Stadionarchitektur sicher nicht mehr ganz zeitgemäß ist.
Christian Wück, der gebürtige Unterfranke, findet den Spielort natürlich
trotzdem gut. „Ich hatte dort eine schöne Zeit und ging die ersten Schritte
im Profifußball“, sagte der früher für den „Club“ stürmende Bundestrainer,
der mit der Unterstützung von 25.000 Fans rechnen kann, wenn die DFB-Frauen
den nächsten Schritt zur WM 2027 in Brasilien machen wollen. Auch fürs
Rückspiel in Ried (Samstag 18 Uhr) ist sein Ensemble in der Favoritenrolle.
Der kleine Nachbar hat den Rückenwind aus der EM 2017 (Halbfinale) [1][und
EM 2022 (Viertelfinale)] nicht wirklich nutzen können, obwohl damals ein
kleiner Hype um die unverbrauchten Sympathieträgerinnen entstand.
Kardinalproblem beim Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB): Bei nur 17.000
kickenden Frauen und Mädchen ist die Basis nicht breit genug, die
Strukturen sind amateurhaft geblieben. Trotzdem warnt Wück davor, die
Österreicherinnen mit ihren 13 Bundesliga-Spielerinnen zu unterschätzen.
„Sie stehen nach den bisherigen Ergebnissen unter Druck. Sie werden tief
und kompakt stehen, um zu überraschen“, so der 52-Jährige.
Seine stellvertretende [2][Kapitänin Janina Minge] sprach wegen der vielen
Bezugs- und Berührungspunkte von „Derby-Vibes auf
Nationalmannschaftsebene“. Die am Bodensee aufgewachsene Abwehrchefin vom
VfL Wolfsburg hält sich noch viel in Österreich und in den Bergen auf: „Mit
einigen Österreicherinnen habe ich zusammengespielt. Ich weiß genau, dass
sie 200 Prozent geben werden, um uns zu ärgern.“
## „Immer etwas Besonderes“
Doch selbst Wück-Kollege Alexander Schriebl beteuerte: „Die
Rollenverteilung könnte deutlicher nicht sein.“ Alle sieben
Nachbarschaftsduelle hat die ÖFB-Elf verloren – die letzte Begegnung [3][in
Wien kurz vor der EM 2025 sogar mit 0:6.] Es zeichnet sich nicht ab, dass
sich ein solch offener Schlagabtausch entwickelt, wie einst im
EM-Viertelfinale vor knapp vier Jahren in Brentford, als das Aluminium beim
deutschen Arbeitssieg (2:0) kräftig mithalf. Mittelfeldlenkerin Sjoeke
Nüsken befand: „Gegen Österreich ist es immer etwas Besonderes; es ist wie
ein kleines Derby. Unser Ziel ist es natürlich, beide Spiele zu dominieren
und den großen Schritt in Richtung WM zu machen.“
Deshalb schaltet der Bundestrainer auch nicht in den Experimentiermodus:
Der Kader ist nahezu unverändert geblieben, auch bei der Aufstellung wagte
Wück zuletzt vergleichsweise wenig Neues. Wie wichtig für eine souveräne
Qualifikation die erfahrenen Stammkräfte sind, zeigte das Beispiel mit
Stammtorhüterin Ann-Katrin Berger. Beim wegweisenden Auswärtssieg in
Norwegen (4:0) war die 35-jährige US-Legionärin voll gefordert, die für den
Sommer bei der Männer-WM einen Nebenjob als Botschafterin des Deutschen
Hauses in New York angenommen hat. In der zweiten Jahreshälfte gibt es
immer noch Gelegenheit, jüngere Spielerinnen (und Torhüterinnen) zu testen.
Deutschland sollte sich in der Vierergruppe als Erster durchsetzen.
Schlechter haben es England und Spanien erwischt, die kurioserweise in
einer Qualifikationsgruppe spielen – und sich heute in Wembley begegnen.
Von jenen beiden Weltklasseteams, die das jüngste WM- und EM-Finale
bestritten, muss eines also den mühsamen Umweg im Herbst über zwei
Playoff-Runden gehen.
14 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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