# taz.de -- Vor den Kommunalwahlen: In Südafrika beginnt die heiße Wahlkampfphase
       
       > Am 4. November wählt Südafrika seine Kommunalvertretungen neu. Die
       > Unzufriedenheit mit der Politik steigt und äußert sich auch auf der
       > Straße.
       
 (IMG) Bild: Ausgebranntes Auto nach Unruhen in Durban, 8. Oktober
       
       Vor dem Hintergrund [1][erneuter ausländerfeindlicher Unruhen] in der
       vergangenen Woche hat in Südafrika am Wochenende die Schlussphase des
       Wahlkampfs für die [2][Kommunalwahlen am 4. November] begonnen. Es geht
       zwar nur um die Frage, wer für kommunale Dienste wie Strom- und
       Wasserversorgung, sanitäre Einrichtungen, Straßen und Müllentsorgung sowie
       kommunale Arbeitsplätze und Sicherheit zuständig ist. Aber gerade das ist
       eine Bewährungsprobe für die beiden großen Parteien, die historische
       Befreiungsbewegung ANC (African National Congress) und die liberale
       Oppositionskraft DA (Democratic Alliance). Auf nationaler Ebene regieren
       sie gemeinsam, aber nun rivalisieren sie um die Kontrolle der großen
       Städte. Der ANC will unbedingt seine Macht in Johannesburg verteidigen, die
       DA die ihre in Kapstadt.
       
       ANC-Führer und Staatspräsident Cyril Ramaphosa eröffnete die heiße
       Wahlkampfphase am Samstag mit einem Haustürwahlkampf in Botshabelo im Free
       State und äußerte sich zuversichtlich. „Dieser Wahlkampf wird dem ANC einen
       klaren Sieg bescheren“, sagte er. DA-Führer und Kapstädter Bürgermeister
       Geordin Hill-Lewis versammelte mehrere tausend Anhänger auf einer
       Wahlkundgebung in Belhar und versprach mehr Sicherheit und mehr Arbeit. „Wo
       die DA regiert, folgen Arbeitsplätze“, sagte er.
       
       Aber auch kleinere Parteien machen von sich reden. Die konservative
       DA-Abspaltung ActionSA führte Wahlkampf in Emalahleni im Bundesstaat
       Mpumalanga,wo die Bürgermeisterkandidatinnen Mary Phadi und Xolani Khumalo
       Drogenmissbrauch, Kriminalität und Arbeitslosigkeit geißelten und mehr
       Polizei sowie hartes Vorgehen gegen Hausbesetzungen verlangten.
       
       Die beiden großen linken Oppositionsparteien EFF (Economic Freedom
       Fighters) und MK (uMkhnoto weSizwe) wollen bei diesen Wahlen endlich auf
       kommunaler Ebene Fuß fassen, EFF in Gauteng rund um Johannesburg und MK in
       KwaZulu-Natal, Heimatprovinz ihres Führers Jacob Zuma mit der Mrtropole
       Durban. Die linke EFF-Abspaltung „Afrika Mayibuye Movement“ unter Floyd
       Shivambu forderte derweil in Limpopo praktische Lösungen für
       Wasserknappheit und zerfallende Straßen, ähnlich wie in Sharpeville die
       historische linke Befreiungsbewegung PAC (Pan Africanist Congress of
       Azania).
       
       ## Ein Test des öffentlichen Vertrauens
       
       Der ANC kämpft gegen den Wählerschwund, der sich schon beim Verlust seiner
       Parlamentsmehrheit 2024 zeigte. Gerade auf kommunaler Ebene machen sich
       schlechte Dienstleistungen besonders bemerkbar. Die Gegner des ANC sind
       fast immer auf instabile Koalitionsbildungen angewiesen, um regieren zu
       können, und müssen erst noch beweisen, dass sie es besser können. Deswegen
       hofft die oppositionelle DA auf absolute Mehrheiten in ihren Hochburgen.
       Die Kommunalwahlen werden ein Test des öffentlichen Vertrauens in die
       Politik.
       
       Doch die Unzufriedenheit der Menschen über schlechte Dienstleistungen,
       schlechte Lebensaussichten und schlechte Politik findet nicht nur an den
       Wahlurnen Ausdruck, sondern auch auf der Straße, wie die erneuten
       Demonstrationen der ausländerfeindlichen Bewegung „March and March“ in
       Durban (KwaZulu-Natal) und Soweto (bei Johannesburg) gezeigt haben.
       Menschenmassen mit Knüppeln, Peitschen, Schuss- und Stichwaffen sangen
       Kriegslieder auf den Straßen, Autos und Geschäfte gingen in Flammen auf
       oder wurden geplündert, die Polizei feuerte Tränengas. Wenn der
       Schlachtruf, für die Übel des Alltags Ausländer verantwortlich zu machen,
       erneut freie Bahn erhält, kann seine zerstörerische Wirkung das Land in
       Brand setzen.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Auslaenderfeindliche-Unruhen-in-Suedafrika/!6220575
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_South_African_municipal_elections
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Akani Chauke
 (DIR) Njabulo Mkhize
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