# taz.de -- Ausländerfeindliche Unruhen in Südafrika: Autos und Geschäfte angezündet
       
       > In Johannesburg und Durban kommt es zu Ausschreitungen bei Protesten
       > gegen Zuwanderung. Fake News über ein Gerichtsurteil waren der Auslöser.
       
 (IMG) Bild: Eine Straße in Soweto nach dem Durchzug der Anti-Ausländer-Proteste am 8. Oktober
       
       Ausgebrannte Fahrzeuge, verwüstete Geschäfte und verängstigte Migranten:
       Wieder einmal sind ausländerfeindliche Proteste in Südafrika eskaliert. Am
       vergangenen Donnerstag wurden in Durban sowie im größten Johannesburger
       Township Soweto mindestens 30 Autos angezündet und Läden ausgeplündert; in
       Durban gingen auch ein Gasthof und eine Lagerhalle zum Teil in Flammen auf.
       
       Die Demonstrationen sind ein Ausdruck verbreiteten Frusts einheimischer
       Südafrikaner über anhaltend hohe Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität,
       gekoppelt mit der Wahrnehmung, dass Zuwanderungsgesetze nicht durchgesetzt
       werden. Musa Hlongwa, Präsident der ausländerfeindlichen Bewegung „United
       South Africa“, sagt: „Südafrikaner haben genug davon, im Krankenhaus
       Schlange zu stehen und sich um Schulplätze mit illegalen Einwanderern zu
       streiten.“
       
       Die Bewegung „March und March“ der Aktivistin Jacinta Ngobese-Zuma
       verlangte straffe Grenzkontrollen und die Massendeportation von Migranten
       ohne regulären Status. Sie organisierte [1][bereits am 30. Juni] teils
       gewaltsame Proteste in diesem Sinne.
       
       „Der 30. Juni hatte nie mit Gewalt zu tun, er sollte nicht das Land zum
       Stillstand bringen und niemandem schaden“, sagt Ngobese-Zuma. Aber die
       ausländerfeindlichen Proteste verleiteten in den vergangenen Monaten
       [2][über 160.000 Menschen zur Flucht aus Südafrika], richteten immensen
       ökonomischen Schaden an und versetzen viele Menschen in Angst; sie
       [3][beschädigten Südafrikas Image] in anderen Ländern Afrikas.
       
       ## Nigeria sagt: Südafrika ist nicht sicher
       
       Erst im September evakuierte Nigeria erneut 33 Landsleute aus Südafrika.
       Die nigerianische Regierung sagte, die Lage von Einwanderern in Südafrika
       habe sich nicht verbessert. Außenministerin Bianca Odumegwu-Ojukwu nannte
       namentlich die Ermordung der Nigerianer James Uchechukwu Nwankwo und Bishop
       Taiwo Michael Fakunle.
       
       Nigerias Parlament hat offizielle Besuche in Südafrika ausgesetzt und
       boykottiert südafrikanisch finanzierte Aktivitäten. Der Gouverneur des
       Bundesstaates Enugu, Peter Mbah, veranstaltete im September einen
       festlichen Großempfang für 77 aus Südafrika nach Nigeria zurückgebrachte
       und aus Enugu stammende Familien und schenkte jeder Familie eine Million
       Naira (670 Euro).
       
       Ein Auslöser der jüngsten Gewalt in Südafrika war Falschinformation über
       ein Urteil des Verfassungsgerichts, das den Zugang von Asylsuchenden zum
       Asylsystem regelte. Es wurde behauptet, das Urteil bedeute automatische
       Asylgewährung oder gar automatischen Aufenthalt bei Antrag, aber das stimmt
       nicht, [4][wie die Regierung klarstellte].
       
       Regierungssprecher William Baloyi sagt, die Behörden seien über die neue
       Gewalt tief besorgt. Polizeigeneraloberst Puleng Dimpane warnte: „Die
       Verantwortlichen für Gewaltakte werden identifiziert, untersucht und bei
       ausreichender Beweislage verhaftet und bestraft.“
       
       11 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Auslaenderfeindlichkeit-in-Suedafrika/!6191597
 (DIR) [2] /Zuwanderer-verlassen-Suedafrika/!6198144
 (DIR) [3] /Auslaenderfeindliche-Gewalt-in-Suedafrika/!6184108
 (DIR) [4] https://www.gcis.gov.za/statement-by-the-inter-ministerial-committee-on-migration-following-the-recent-development-on-asylum
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tintswalo Baloyi
 (DIR) Emeka Okonkwo
 (DIR) Njabulo Mkhize
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Südafrika
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Herkunftsländer sollen Südafrika für Deportationen bezahlen
       
       Länder, in die Südafrika Migranten deportiert, sollen die Kosten dafür
       tragen, sagt Südafrikas Regierung. Neue Aktionen gegen Migranten sind
       geplant.
       
 (DIR) Zuwanderer verlassen Südafrika: Kein Gemüse, kein Friseur, kein Gärtner, kein Bauarbeiter
       
       Über 160.000 afrikanische Zuwanderer sind aus Südafrika geflohen. Das hat
       drastische Auswirkungen – vom Kleinhandel in den Townships bis zu
       Großfarmen.
       
 (DIR) Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Der Tag, vor dem ein ganzes Land Angst hat
       
       Bis 30. Juni, sagen radikale Kampagnen, sollen „illegale“ Zuwanderer
       Südafrika verlassen. Angst geht um: Geschäfte schließen, Migranten reisen
       aus.