# taz.de -- Flüchtlingskatastrophe am Roten Meer: Mehr als 100 Flüchtlinge vor Dschibuti ertrunken
       
       > Ein Boot mit Menschen aus Äthiopien kentert auf dem Weg nach Jemen. Die
       > Kriege in beiden Ländern eskalieren gleichzeitig, mit dramatischen
       > Folgen.
       
 (IMG) Bild: Die Fahrt ist in beide Richtungen lebensgefährlich: Flüchtlingsboote liegen auf dem Strand von Obock, Dschbuti
       
       Auf der Fluchtroute aus dem Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel hat
       sich eines der tödlichsten bekanntgewordenen Bootsunglücke ereignet. Wie
       [1][die UN-Migrationsbehörde IOM (Internationale Organisation für
       Migration) am Sonntag mitteilte], sind in der Nacht zu Freitag beim Kentern
       eines Schiffes auf dem Weg von Dschibuti nach Jemen mindestens 109
       Migranten ertrunken, darunter 15 Kinder. Über 116 weitere würden noch
       vermisst, insgesamt hätten sich 350 Menschen auf dem überladenen Boot
       befunden, so IOM.
       
       Die Überlebenden des Unglücks, über 80 Menschen, sind laut IOM sämtlich
       Äthiopier. Sie wurden auf hoher See geborgen und zurück nach Obock in
       Dschibuti gebracht.
       
       Die Migrationsroute aus dem Horn von Afrika nach Jemen, von wo aus es
       weiter ins reiche Saudi-Arabien geht, ist eine der gefährlichsten der Welt.
       4.200 Tote sind auf dieser „Ostroute“ aus Afrika seit 2014 dokumentiert
       worden. Das Jahr 2025 war das bisher tödlichste mit 922 Toten oder
       Vermissten.
       
       Mehrere hunderttausend Menschen unternehmen diese Reise jedes Jahr. 90
       Prozent davon stammen aus Äthiopien, das mit gut 130 Millionen Einwohnern
       mehr Menschen zählt als alle anderen Länder der Region zusammen. Rund ein
       Drittel der äthiopischen Migranten kommen laut Erhebungen aus der
       Bürgerkriegsregion Tigray. Saudi-Arabien schickt jedes Jahr Zehntausende
       Äthiopier mit Charterflügen in die Heimat zurück und es gibt Berichte über
       verbreitete Gewalt gegen Migranten in der jemenitisch-saudischen
       Grenzregion, aber dies hält die Menschen nicht ab. Das zweitwichtigste
       Herkunftsland ist Somalia.
       
       ## Flüchtlingszahlen auf historischem Hoch
       
       Die Zahlen der Migranten steigen neuerdings stark. Laut IOM wuchs die Zahl
       der Ausreisen auf der „Ostroute“ von rund 430.000 im Jahr 2024 auf rund
       507.000 im Jahr 2025. [2][Dieses Jahr] ermittelt das IOM einen erneuten
       Anstieg auf bereits knapp 153.000 im ersten Vierteljahr 2026 – neuere
       Gesamtzahlen gibt es nicht.
       
       Die Äthopier starten ihre Überfahrt zumeist im [3][Kleinstaat Dschibuti],
       der von Jemen nur durch die Meerenge Bab el-Mandab am südlichen Ende des
       Roten Meeres getrennt liegt. Die Reise von rund 30 Kilometern dauert nicht
       lang. Der dschibutische Hafen Obock, von wo aus das jetzt gesunkene
       Flüchtlingsboot startete und wo die Geretteten jetzt versorgt werden, ist
       daher auch Zielort für Fluchtbewegungen in umgekehrter Richtung: aus Jemen
       nach Afrika.
       
       Seit 2015 betreibt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bei Obock das für
       5.000 Menschen ausgelegte [4][Flüchtlingslager Markazi]. Vor der erneuten
       Kriegseskalation in Jemen vor gut einem Monat lebten dort 2.700 Flüchtlinge
       aus Jemen und 1.500 aus Eritrea. Inzwischen wurden bis vergangenen
       Donnerstag 3.807 neue Flüchtlinge aus Jemen in Dschibuti registriert.
       
       Nun kommen die ersten Fluchtbewegungen aus dem neu ausgebrochenen Krieg in
       Äthiopien dazu – rund 20.000 seit Ausbruch der Kämpfe vor drei Wochen. Und
       die Meerenge zwischen Dschibuti und Jemen, neuerdings unter Kontrolle der
       jemenitischen Huthi-Rebellen, ist gefährlicher denn je.
       
       11 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.iom.int/news/109-including-15-children-dead-over-116-missing-deadliest-shipwreck-djibouti
 (DIR) [2] https://dtm.iom.int/reports/east-horn-and-southern-africa-migration-along-eastern-route-report-63-january-march-2026
 (DIR) [3] /Wahlen-in-Dschibuti/!6169197
 (DIR) [4] https://www.unhcr.org/news/briefing-notes/unhcr-more-help-urgently-needed-thousands-arrive-djibouti-fleeing-yemen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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