# taz.de -- Senats- und Kommunalwahlen in Tschechien: Denkzettel für Andrej Babiš
> Im ersten Stimmungstest seit der Regierungsübernahme Ende letzten Jahres
> bleibt Tschechiens Regierungspartei ANO deutlich unter den Erwartungen.
(IMG) Bild: Da hat auch familiäres Posen nichts geholfen: Andrej Babiš, hier beim Wählen mit seiner Frau, hat schwach abgeschnitten
Es ist eine Schlappe für Tschechiens [1][Ministerpräsidenten Andrej Babiš]:
Bei den Senats- und Kommunalwahlen am Freitag und Samstag schnitt seine
rechtspopulistische ANO schlechter ab als erwartet. Bei der Senatswahl
gewann sie keinen einzigen der 27 Wahlkreise auf Anhieb. Bei den
Kommunalwahlen verlor sie drei Regionalhauptstädte und unterlag in Prag und
Brno deutlich.
Die Opposition – dazu zählen allen voran die liberalkonservative ODS, die
liberale Bürgermeisterpartei Stan, die Christdemokraten (KDU-ČSL) und die
konservative TOP 09 – behält ihre Mehrheit im Oberhaus. Ernsthaft in Gefahr
war sie nie, da nur ein Drittel der Sitze zur Wahl stand. Der erste
Durchgang fiel für sie aber besser aus als erwartet. Kein einziger
ANO-Kandidat, aber gleich fünf Oppositionskandidaten schafften den direkten
Einzug in den Senat: zwei von Stan und je einer von KDU-ČSL, TOP 09 und
Naše Česko.
Alle zwei Jahre wird ein Drittel der insgesamt 81 Senatoren für sechs Jahre
gewählt. Bei der einfachen Gesetzgebung hat die Kammer nur aufschiebende
Wirkung, bei Verfassungsänderungen und Wahlgesetzen jedoch ein echtes
Vetorecht. Für die Opposition ist der Senat damit ein wichtiges
Gegengewicht zur Regierung.
Am kommenden Freitag und Samstag folgen Stichwahlen in den 22 Wahlkreisen,
in denen niemand die absolute Mehrheit erreichte. ANO ist in 13 davon
vertreten, Stan in 12. Selbst wenn ANO alle davon gewinnt, käme sie nur auf
27 der 81 Sitze im tschechischen Oberhaus. Die [2][rechtsextreme SPD], mit
der Babiš regiert, schaffte es nirgends in die Stichwahl. Die
europaskeptischen „Motoristen“, ebenso in der Regierung, waren gar nicht
erst zur Senatswahl angetreten. Die Wahlbeteiligung in den 27
Senatswahlkreisen lag bei knapp 43 Prozent.
## Babiš spricht trotz allem von „sehr gutem“ Ergebnis
Auch in den Kommunalwahlen (Wahlbeteiligung: 48 Prozent) blieb das
Regierungslager hinter den Erwartungen zurück: ANO verlor in fast allen
Regionalhauptstädten Stimmen. Zu den großen Gewinnern zählte die 2004
gegründete Bürgermeisterpartei Stan, die vielerorts ANO und ODS in die
Schranken verwies.
So etwa im traditionell liberalen Prag, wo Stan mit gut 23 Prozent auf
Platz eins kam, knapp vor einem Bündnis aus ODS und TOP 09 (rund 22
Prozent). Dahinter folgten die lokale Bewegung Praha sobě (18 Prozent), ANO
(14 Prozent) und die Piraten (9 Prozent). Die [3][Motoristen] verfehlten
auch bei ihrem zweiten Antritt den Einzug in die Prager Stadtvertretung.
Neuer Prager Oberbürgermeister dürfte Stan-Spitzenkandidat Petr Hlaváček
werden, der bereits seit 2018 in der Stadtregierung sitzt.
Im mährischen Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, gewann ein Bündnis
aus Christdemokraten (KDU-ČSL) und Stan mit 27 Prozent klar vor der Liste
von ODS, TOP 09 und Unabhängigen (19 Prozent). ANO landete mit 17 Prozent
auf Rang drei. In der Industriestadt Ostrava, einer traditionellen
Babiš-Hochburg, verlor ANO zwar fast 8 Prozentpunkte, konnte aber mit 26
Prozent Platz eins vor einem Bündnis um die ODS (19 Prozent) verteidigen.
Die Motoristen verbuchten hier mit fast 8 Prozent einen ihrer wenigen
Erfolge.
Insgesamt gewann ANO in 6 der 13 Regionalhauptstädte: neben Ostrava auch in
Olomouc, Plzeň, Pardubice, Zlín und Karlovy Vary. Verloren gingen der
Partei aber Hradec Králové, Jihlava und Ústí nad Labem.
Babiš sieht ANO dennoch als stärkste Kraft im Land und nannte das Ergebnis
„sehr gut“. Für die Schlappe in Prag machte er eine Kampagne gegen seine
Person und die Medien verantwortlich, auch hätten landesweite Themen wie
das geplante Haushaltsdefizit die Kommunalwahl überlagert. Die Koalition
mit SPD und Motoristen soll laut Babiš dennoch bis zur regulären Wahl 2029
halten.
11 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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