# taz.de -- Regierung in Tschechien: Durch die Hintertür
> Der Staatschef durchkreuzt Ambitionen des Rechtsextremen Filip Turek auf
> ein Ministeramt. Dafür wird er Regierungsbeauftragter im
> Umweltministerium.
(IMG) Bild: Bestens gelaunt: Filip Turek ist Mitglied der rechtsextremen Motoristenpartei und soll ins Umweltministerium
Der tschechische Präsident hatte sich nach Kräften gewehrt, doch es half
nichts: Der hochumstrittene Filip Turek von der rechtsextremen
Motoristenpartei wurde zum Quasi-Umweltminister. [1][Auf dem Papier führt
zwar Petr Macinka, Chef der Motoristen und Außenminister, weiterhin
kommissarisch auch das Umweltministerium an]. Seit vergangener Woche hat
jedoch Turek als dortiger Regierungsbeauftragter für Klimapolitik das
Sagen.
Bei der Ernennung handelt sich um die mit Abstand umstrittenste Personalie
der neuen Regierung in Prag. [2][Auch Premier Andrej Babiš dürfte damit
keine große Freude haben], ist aber für seine eben erst vereidigte
Rechtskoalition auf die Motoristen angewiesen. Innerhalb der Partei hat
Turek, anders als in der Bevölkerung, ein hohes Standing.
Die Vorwürfe gegenüber Turek wiegen schwer. Der 40-jährige Prager fiel
immer wieder durch rassistische und NS-Wortmeldungen auf. Besonders
erschütternd sind seine Aussagen zu einem Brandanschlag aus dem Jahr 2009,
bei dem Neonazis ein zweijähriges Roma-Kind schwer verletzten. Turek
bezeichnete die Tatsache, dass ein Roma-Mädchen Opfer wurde, als möglichen
mildernden Umstand für die Täter.
Das Massaker in einer neuseeländischen Moschee, bei dem 2019 über 50
Menschen starben, kommentierte er zynisch als „Säuberungsaktion“. In
Diskussionen über junge Klimaschützer soll er davon gesprochen haben,
Studenten in den Ofen zu stecken – eine Formulierung mit
unmissverständlichem NS-Bezug.
## Massive Bedrohungen
Bei einem Autorennen trug Turek einen Helm mit Wehrmachtsymbolen und
postete Bilder, die ihn mit ausgestrecktem Arm zeigen. Das Frauenwahlrecht
bezeichnete Turek als „größten Fehler des vergangenen Jahrhunderts“,
während er sich lobend über Hitler und Mussolini äußerte.
Zu den Vorwürfen zählen auch strafrechtlich relevante Vorfälle. Im Jahr
2017 soll Turek einen Mitarbeiter der saudi-arabischen Botschaft massiv
bedroht haben, indem er einen Zettel mit einem selbst gezeichneten Galgen
an dessen Auto befestigte und eine Gewehrpatrone auf dem Fahrzeug
platzierte. Die damaligen Ermittlungen endeten mit einer Verwaltungsstrafe.
Hinzu kommen Anschuldigungen wegen Gewalt gegen eine frühere Partnerin
sowie Untersuchungen wegen gefährlicher Raserei auf Autobahnen.
Die Enthüllungen, die zum großen Teil auf einen ehemaligen Weggefährten
Tureks zurückgehen, haben schon die Koalitionsverhandlungen stark belastet.
Turek wollte Außenminister werden, was für den proeuropäischen Präsidenten
Petr Pavel jedoch undenkbar war.
In der vergangenen Woche lehnte Pavel auch eine Ernennung Tureks zum
Umweltminister ab. Als Begründung nannte er dessen mangelnde Loyalität
gegenüber den Grundprinzipien der Verfassungsordnung sowie Tureks
Verharmlosung von NS-Verbrechen.
## Wogen glätten
Er werde bloß an Entscheidungen mitwirken, spielte der amtierende
Umweltminister Macinka die neue Rolle Tureks herunter. Auch Babiš
versuchte, die Wogen zu glätten, und bezeichnete die Rochade als
„vorübergehende Lösung“. Juristen kritisierten jedoch scharf, dass ein
Regierungsbeauftragter nicht „indirekt“ ein Ministerium leiten könne. Die
Konstruktion wirke wie der Versuch, das Veto des Präsidenten zu
unterlaufen.
Tureks neue Rolle dürfte auch die Beziehung zwischen Tschechien und der EU
belasten. Als erklärter Gegner des European Green Deal wird er
voraussichtlich eine Blockadehaltung gegenüber allen europäischen
Klimaschutzmaßnahmen einnehmen – ein weiterer Grund zur Sorge in Brüssel.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Regierung-Babis-in-Tschechien/!6138279
(DIR) [2] /Premier-Babis-vereidigt/!6136729
## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
## TAGS
(DIR) Tschechien
(DIR) Andrej Babis
(DIR) Regierung
(DIR) Tschechien
(DIR) Tschechien
(DIR) Tschechien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rechtsruck in Tschechien: Rassist leitet Prags Parlament
Tomio Okamura hetzt gegen Geflüchtete und will Tschechien aus der EU
führen. Nun übernimmt er den drittwichtigsten Posten im Land.
(DIR) Andrej Babiš in Tschechien: Rechtsbündnis nimmt Formen an
Andrej Babiš, Sieger bei den Parlamentswahlen, hat den
Regierungsbildungsauftrag erhalten. Schon bald könnte es eine Einigung über
eine Dreierkoalition geben.
(DIR) Parlamentswahl in Tschechien: Der tschechische Trump ist wieder da
Andrej Babiš und seine rechtspopulistische Partei ANO gewinnen die
Parlamentswahlen in Tschechien. In der Hauptstadt Prag ist die Freude
überschaubar.