# taz.de -- Hinrichtung in den USA: Erschießung per Livestream
       
       > Die USA wollen eine Militärhinrichtung durchführen – öffentlich. Und das
       > kurz nach der gescheiterten Exekution von Christa Pike, die weltweit
       > Entsetzen auslöste.
       
 (IMG) Bild: Er soll 13 Menschen getötet haben und im Dezember erschossen werden: Nidal Hasan
       
       dpa | Die Anfang Dezember geplante Erschießung eines zum Tode verurteilten
       Attentäters auf einem Militärstützpunkt im US-Bundesstaat Texas soll per
       Livestream übertragen werden. Das bestätigte US-Verteidigungsminister Pete
       Hegseth auf der Plattform X. Der Pentagon-Chef hatte Stunden zuvor bereits
       gesagt, dass die von Präsident Donald Trump genehmigte Hinrichtung eines
       früheren Psychiaters des US-Heeres durch ein Erschießungskommando
       öffentlich stattfinden solle.
       
       Man werde dafür sorgen, dass Menschen die Hinrichtung von Nidal Hasan, der
       der 2009 ein Massaker auf einem Militärstützpunkt verübte, öffentlich
       beobachten könnten, sagte Hegseth dem rechtskonservativen US-Sender Real
       America's Voice. „Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten
       schwerwiegende Konsequenzen haben.“
       
       Sollte es tatsächlich zu der Exekution kommen, wäre es laut dem Death
       Penalty Information Center die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65
       Jahren – und die erste Exekution durch ein Erschießungskommando des
       US-Militärs seit dem Zweiten Weltkrieg.
       
       Hegseth betonte, dass Soldaten mit Gewehren die Hinrichtung durchführen
       sollen. „Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir das nicht mehr gemacht. Nun,
       mir gefällt irgendwie die Mentalität, die wir im Zweiten Weltkrieg hatten“,
       sagte er.
       
       [1][Die Exekution ist für den 3. Dezember] auf dem Militärstützpunkt Fort
       Hood in Texas geplant. Der damalige Militärpsychiater Hasan hatte dort 13
       Menschen getötet und 32 verletzt.
       
       ## Hinrichtungen in den USA aktuell besonders im Fokus
       
       Trump hatte Hasans Hinrichtung erst vor Kurzem genehmigt – wenige Tage,
       nachdem im [2][US-Bundesstaat Tennessee] ein Hinrichtungsversuch
       gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Christa Pike wurden nach
       Angaben der Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch
       sie lebte weiter. Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA
       neu entfacht.
       
       ## In einer Reihe mit Afghanistan und Iran?
       
       Öffentliche Erschießungen wurden in den USA unter anderem während des
       Amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt.
       Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den USA war 1936: Damals
       wurde im Bundesstaat Kentucky ein Mann vor Tausenden Schaulustigen gehängt.
       
       Falls die USA nun tatsächlich wieder eine öffentliche Hinrichtung
       durchführen, würde sie das in die Nähe von Staaten rücken, deren
       Vorgehensweisen sie an anderer Stelle gerne anprangern. Im vergangenen Jahr
       fanden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International
       mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt: 6 in Afghanistan und 11 im
       Iran.
       
       Ein solcher Vorgang – zumal per Livestream übertragen – wirft viele Fragen
       auf, etwa, ob es Zugangsbeschränkungen geben wird, um zu verhindern, dass
       beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgen.
       
       ## Demokrat geschockt: „Was ahmt er nach?“, den IS?
       
       Der Senator der Demokraten Chris Murphy zeigte sich in einem Interview des
       US-Senders CNN sichtlich geschockt, als er von Hegseths Ankündigung hörte:
       „Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch (die Terrormiliz
       Islamischer Staat) IS?“ Er verstehe zwar, dass es in den USA die
       Todesstrafe gebe – „aber öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich“.
       Das sei einer der Vorgänge, den die USA an terroristischen Gruppen
       verabscheuten, kritisierte er.
       
       Das US-Militär hat nach Angaben des Death Penalty Information Center im
       Jahr 1961 zuletzt einen Armeeangehörigen hingerichtet, der erhängt wurde.
       US-Medien zufolge war der Mann für die Vergewaltigung und den versuchten
       Mord an einer Elfjährigen während seines Einsatzes in Österreich zum Tode
       verurteilt worden war.
       
       Falls das Urteil gegen Hasan vollstreckt wird, wäre es demnach auch die
       erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals ließ Trump in
       den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren.
       
       Bei einem Wahlkampfauftritt in Texas pries Trump am Mittwoch (Ortszeit) die
       geplante Hinrichtung Hasans, den er als „bösartigen Mörder“ bezeichnete.
       
       ## Das Massaker von Fort Hood
       
       Im November 2009 hatte Hasan als Psychiater des US-Heeres auf dem
       Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und 12 Soldaten sowie einen
       Zivilisten getötet und Dutzende Menschen verletzt, bevor er selbst
       angeschossen und festgenommen wurde.
       
       Hasan gab laut New York Times an, den Angriff im Namen des Dschihads, des
       sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan
       und Irak habe er illegal genannt. Der Anschlag ereignete sich auf dem
       Höhepunkt des Anti-Terror-Kampfes nach dem 11. September 2001. Hasan wurde
       laut US-Medien in den USA als Sohn palästinensischer Eltern geboren und
       habe sich vor dem Anschlag zunehmend radikalisiert.
       
       Für seine Tat wurde er 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt.
       Er habe keine Reue gezeigt und den Wunsch geäußert, bei dem Anschlag selbst
       gestorben zu sein, um als Märtyrer zu gelten. Hasan ist laut dem Death
       Penalty Information Center einer von 4 Todeskandidaten im
       Militärjustizsystem.
       
       Die gemeinnützige Organisation weist darauf hin, dass er noch die
       Möglichkeit hat, sein Todesurteil vor Bundesgerichten anzufechten, die
       keine Militärgerichte sind. Ein solcher Schritt könnte seine Hinrichtung
       demnach für unbestimmte Zeit aufhalten.
       
       9 Oct 2026
       
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