# taz.de -- Diplomatischer Triumph mit Geflüchteten: Roter Teppich für Myanmars Diktator in Malaysia
       
       > Malaysias Premier verspricht Myanmars Machthaber, sich für ein Ende von
       > dessen Isolation einzusetzen. Dafür nimmt dieser Geflüchtete und
       > Migranten zurück.
       
 (IMG) Bild: Myanmars Min Aung Hlaing und Malaysias Anwar Ibrahim am Donnerstag in Putrajaya bei Kuala Lumpur
       
       Malaysias Premier Anwar Ibrahim hat am Mittwoch Myanmars Präsidenten Min
       Aung Hlaing versprochen, sein Möglichstes für die Reintegration von dessen
       Land in das südostasiatische Staatenbündnis Asean zu tun. Damit vollzog
       Malaysia eine Kehrtwende, [1][die sich bereits abgezeichnet hatte].
       
       Seit dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 ist Myanmars Militärmachthaber
       und Putschgeneral Min Aung Hlaing von den Treffen des Regionalbündnisses
       Asean ausgeschlossen. Die einzige Ausnahme war der erste Gipfel nach dem
       Putsch. Da versprach Min Aung Hlaing den anderen Staats- und
       Regierungschefs, die einen Fünfpunkteplan zur Lösung der Krise in Myanmar
       verabschiedet hatten, einen Dialog mit den Kräften der gestürzten
       Regierung.
       
       Doch in der Praxis wollte der General davon nichts wissen. Er schlug fortan
       alle Vermittlungsversuche aus und lässt das Militär auf die Opposition
       schießen, widerständige Dörfer werden bombardiert. Deshalb wird sein Regime
       im Asean-Bündnis isoliert.
       
       Malaysia zählte neben den Philippinen zu den schärfsten Kritikern des
       Putschführers. Jetzt legte Anwar, der wegen fabrizierter Vorwürfe selbst
       jahrelang im Gefängnis saß, laut Agenturen zwar noch ein Lippenbekenntnis
       zur Demokratie ab. Aber am Mittwoch sagte er bei einer Pressekonferenz mit
       Min Aung Hlaing am Regierungssitz in Putrajaya auch, dass Unterschiede
       respektiert werden müssten. Zugleich lobte er an seinem Gast, dass der
       bereit sei, mehr als 10.000 Landsleute aus Malaysia zurückzunehmen. Die
       ersten 1.500 waren schon von Myanmars Marine abgeholt worden.
       
       ## Die Stimmung ist gegen Migranten aus Myanmar
       
       Nach UN-Angaben lebten in Malaysia bisher 193.000 registrierte Menschen aus
       Myanmar. Waren sie einst als billige Arbeitskräfte willkommen, hat sich die
       Stimmung seit der Coronapandemie gedreht. Dabei sind zwei Drittel der
       Birmesen muslimische Rohingya und gehören damit dem in Malaysia
       dominierenden Glauben an. Doch Anwar steht innenpolitisch unter Druck.
       
       2017 flohen Hunderttausende Rohingya nach Pogromen des Militärs aus
       Myanmar, wo ihnen schon 1982 die Staatsbürgerschaft aberkannt worden war.
       Die meisten flohen nach Bangladesch, wo heute auch aufgrund mehrerer
       Fluchtwellen über eine Million Rohingya leben. Viele Rohingya flohen auch
       nach Malaysia, wo viele buddhistische Birmanen als Arbeitsmigranten leben.
       
       Malaysias Regierung behauptet, die Rückführungen erfolgten freiwillig. Doch
       die meisten, die schon zurückkehrten, kommen aus Abschiebelagern. Wie viele
       Rohingya unter den 10.000 sind, die zurückkehren sollen, ist unklar. Für
       die Rohingya gibt es in Myanmar keine Sicherheitsgarantien. Viele ihrer
       ursprünglichen Dörfer sind zerstört, und ihnen droht wie auch den anderen
       Birmesen die Zwangsrekrutierung des Militärs im Krieg gegen den bewaffneten
       Widerstand.
       
       ## Diplomatische Aufwertung der Diktatur
       
       Malaysias Regierung setzt sich mit der Vereinbarung mit Myanmar sowohl über
       Bedenken und Kritik von UN und Menschenrechtsorganisationen wie auch von
       Unterstützern der Demokratiebewegung in Myanmar hinweg. Derweil schlachtet
       Min Aung Hlaings Regime die diplomatische Aufwertung aus. Seit der General
       sich im April zum Staatschef küren ließ und damit ein ziviles Mäntelchen
       bekam, konnte er seine internationale Isolation deutlich reduzieren.
       
       Seit April wurde er nicht nur in Russland, Belarus, [2][China] und Indien
       empfangen, sondern auch in den Asean-Staaten Laos, Kambodscha, Vietnam und
       Thailand. Zwar sind die meisten der genannten Länder Autokratien, doch
       haben Indien, Thailand und Malaysia demokratische Strukturen. Statt den
       Putschführer von Myanmar, wo seit 2021 mehr als 100.000 Menschen getötet
       wurden und 3,5 Millionen allein innerhalb des Landes auf der Flucht sind,
       dafür verantwortlich zu machen, wird er hofiert, wenn er nur einige
       Geflüchtete zurücknimmt.
       
       8 Oct 2026
       
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