# taz.de -- Bürgerkrieg in Myanmar: Luftangriff auf einen Markt tötet rund 50 Menschen
       
       > In Myanmar versucht die Militärregierung mit einer Offensive, die
       > stärkste Rebellenorganisation zurückzudrängen. Getötet werden vor allem
       > Zivilisten.
       
 (IMG) Bild: Der aus der Luft angegriffene Markt in Kyauktaw: Das Feuer schwelt noch nach der tödlichen Attacke
       
       Im Westen Myanmars sind bei einem Luftangriff des Militärs auf einen Markt
       in der Stadt Kyauktaw rund 50 Personen getötet worden. Laut der
       Guerillagruppe Arakan Army (AA), die das Gebiet im Nordwesten des
       Teilstaates Rakhine kontrolliert, starben 49 Zivilisten. Rettungskräfte
       sprachen von 50 Toten. Beide Quellen nannten 58 Verletzte, darunter viele
       Schwerverletzte. Eine Stellungnahme des Militärs gab es zunächst nicht,
       auch können die Angaben nicht unabhängig überprüft werden.
       
       Myanmars Luftwaffe griff den „Indischen Markt“ an der Brücke über den Fluss
       Kaladan am Montagmittag an, berichtet das in Opposition zur
       Militärregierung stehende Portal [1][Democratic Voice of Burma (DVB)]. Die
       Brücke verbindet Kyauktaw mit anderen von der AA kontrollierten Städten.
       
       14 von Rakhines 17 Städten kontrolliert die AA, ebenso die 271 Kilometer
       lange Grenze zu Bangladesch. Das Militär kontrolliert nur Rakhines
       Hauptstadt Sittwe samt Umgebung, die Hafenstadt Kyaukpyu samt Vororten
       sowie die Insel Manaung. Diese Gebiete kann das Militär nur aus der Luft
       oder übers Meer erreichen.
       
       Bei Sittwe versucht das zuvor um 1.000 Soldaten verstärkte Militär, seit
       Anfang September mit einer Offensive die AA zurückzudrängen. Laut [2][DVB]
       wurden vor dem Angriff auf Kyautaw schon vier Orte bei Sittwe aus der Luft
       bombardiert. Mindestens zwei Zivilisten seien dabei getötet worden. Über
       den Verlauf der Militäroffensive gibt es bisher keine unabhängigen
       Berichte. Schon seit Jahren greift das Militär vor allem aus der Luft an,
       um eigene Verluste zu minimieren, [3][und trifft immer wieder Zivilisten].
       Die Rebellen haben zwar selbst gebaute Drohnen, aber weder eine Luftwaffe
       noch Luftabwehr.
       
       ## Arakan Army laviert erfolgreich zwischen China und Indien
       
       Die auf bis zu 45.000 Kämpfer geschätzte AA gilt als derzeit stärkste
       Guerillatruppe Myanmars. Sie hat in den von ihr kontrollierten Gebieten
       eine eigene Wehrpflicht und versteht es, zwischen den Großmächten China und
       Indien zu lavieren. Die AA bekennt sich zum Schutz von Chinas strategischen
       Investitionen im Rahmen der „neuen Seidenstraße“, doch müssen andere
       Rebellengruppen, die geografisch näher an China operieren, viel stärker dem
       Druck aus Peking nachgeben.
       
       Myanmars Militär hatte am 1. Februar 2021 geputscht und den unerwartet
       großen zivilen Widerstand mit brutaler Repression in den Untergrund
       getrieben. Dort verband er sich mit den Guerillaarmeen ethnischer
       Minderheiten, die meist schon seit Jahrzehnten um Autonomie kämpfen.
       
       Die AA wurde 2009 gegründet und ist eine der jüngsten ethnischen Armeen des
       Landes. Sie vertritt einen lokalen Nationalismus, der auf frühere
       unabhängige und erst hinduistische, später buddhistische Königreiche in
       Arakan zurückgeht. Arakan hieß Rakhine vor der Umbenennung durch das
       Militär 1989.
       
       Viele AA-Kämpfer wurden von der ethnischen Kachin Independance Army (KIA)
       im Norden Myanmars ausgebildet. Und seit dem Putsch trainiert die AA
       ihrerseits sogenannte Volksverteidigungskräfte (PDF), die im Kampf gegen
       die Diktatur entstanden sind.
       
       2023 verband sich die AA mit zwei anderen ethnischen Armeen zur
       „Drei-Brüder-Allianz“, die das Militär zeitweilig in die Defensive brachte.
       Dabei erbeutete insbesondere die AA viele Waffen und konnte damit 2024 in
       Rakhine große Geländegewinne erzielen. Im benachbarten Chin-Staat bildete
       die AA sogar eine Pufferzone.
       
       ## 100.000 Tote seit 2021
       
       Seit dem Putsch hat der Krieg in Myanmar rund 100.000 Menschenleben
       gefordert. Große Teile der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe
       angewiesen. 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der
       Flucht. Mit Scheinwahlen hat sich die Junta einen demokratischen Anstrich
       gegeben, Putschführer General Min Aung Hlaing ist jetzt offiziell
       Präsident. [4][Seine Strategie ging insofern auf, als er inzwischen von
       mehreren Staaten hofiert wurde, darunter Indien und China.]
       
       Demnächst dürfte der Diktator Malaysia besuchen, [5][das
       Rohingya-Flüchtlinge loswerden will]. Die sind aus Myanmar sowie aus den
       Flüchtlingslagern in Bangladesch dorthin gelangt. Wurden sie aus Myanmar
       schon mehrfach vom Militär vertrieben, werden sie dort inzwischen im Krieg
       gegen die AA zwangsrekrutiert. Spätestens seitdem [6][geraten sie zwischen
       die Fronten].
       
       29 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://english.dvb.no/death-toll-rises-to-49-in-myanmar-military-airstrikes-on-rakhine-state-market-and-bridge/
 (DIR) [2] https://english.dvb.no/airstrikes-hit-four-towns-in-rakhine-state-as-military-operation-4926-falters/
 (DIR) [3] /Buergerkrieg-in-Myanmar/!6137620
 (DIR) [4] /Nach-Scheinwahlen/!6188015
 (DIR) [5] /Fluechtlinge-in-Suedostasien/!6200403
 (DIR) [6] /Krieg-Flucht-und-Rassismus-in-Myanmar/!6028184
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Myanmar
 (DIR) Arakan Army
 (DIR) China
 (DIR) Indien
 (DIR) Bangladesch
 (DIR) Min Aung Hlaing
 (DIR) Rohingya
 (DIR) Malaysia
 (DIR) Luftangriffe
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Umweltschützer über Teakholz aus Myanmar: „Deutsche Behörde sieht sich als Partner der Unternehmen“
       
       Import von Teakholz verbietet sich politisch und gesetzgeberisch. Gemacht
       wird es trotzdem und Kontrollbehörden schauen weg, sagt Johannes Zahnen vom
       WWF.
       
 (DIR) Scam-Fabriken in Myanmar: Der große Betrug
       
       May sucht in Thailand nach Arbeit und landet als Zwangsarbeiterin in
       Myanmar. Dort organisieren Kriminelle Online-Scams mit Opfern auf der
       ganzen Welt.
       
 (DIR) Myanmars Grenze zu China: Dutzende Tote bei Explosion in Rebellengebiet
       
       An Myanmars Grenze zu China explodiert ein Depot mit Sprengstoff, der für
       den Bergbau bestimmt gewesen sein soll. Rebellen gehen von Unfall aus.