# taz.de -- Traditionsbruch angekündigt: Bald auch Mädchen beim Schützenfest
> Nach jahrelanger Kritik wird die Schützengilde Wildeshausen wohl künftig
> Mädchen mitschießen lassen. So wollen es zumindest die Offiziere der
> Gilde.
(IMG) Bild: Mädchen als Staffage: Ausmarsch des Kinderschützenkönigs
Breaking News: In Wildeshausen dürfen vermutlich schon ab dem Jahr 2027
Mädchen am Kinderschützenfest teilnehmen. Bisher beschränkte sich ihre
aktive Teilnahme darauf, als „Ehrendamen“ dem Jungen die Kette zu putzen,
der das Königsschießen im Vorjahr gewonnen hat und ihn in weißen Kleidchen
zum Schießplatz zu begleiten.
Dafür braucht es allerdings noch einen Beschluss der Generalversammlung,
die Ende Februar zusammentritt. Sie soll über einen Antrag abstimmen, den
nach einem Bericht der Wildeshauser Zeitung das „Offizierskorps“ vorlegen
will. Das besteht aus 60 Männern mit Titeln wie Generalmajor,
Oberstleutnant und Fähnrich und soll am Mittwoch „mit überwältigender
Mehrheit“ den Traditionsbruch beschlossen haben.
Das positive Votum der Generalversammlung kann als einigermaßen sicher
gelten, da die das Schützenfest ausrichtende Gilde hierarchisch organisiert
ist. In dieser können nur Männer ab 17 Jahren Mitglied werden – so stand es
schon 1892 in den Statuten der Wildeshauser Schützengilde, die der taz
vorliegen. 3.700 Mitglieder hat die Gilde; nicht alle nehmen an der
jährlichen Generalversammlung teil.
2025 stimmte die Generalversammlung zuletzt über den Antrag für
Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen ab: 292 Mitglieder waren dagegen,
170 dafür. In diesem Jahr veranstalteten engagierte Eltern ein
[1][Sandsäckchenwerfen für Kinder aller Geschlechter] und anschließend eine
kleine Demonstration.
## Berufung auf die Tradition
Damit zogen sie den Zorn des Obersten Friedrich Ahlers auf sich, der das
Offizierskorps der Gilde führt und den Protest als Affront gegen
demokratische Gepflogenheiten auffasste. Denn schließlich habe sich [2][im
Vorjahr eine Mehrheit gegen die gleichberechtigte Teilnahme von Mädchen
ausgesprochen]; dieses Votum gelte es zu akzeptieren.
Er begründete den Ausschluss von Mädchen und Frauen – die sollen in
Wildeshausen weiter außen vor bleiben und den Männern vom Straßenrand beim
Festumzug zujubeln – mit einer jahrhundertealten Tradition, die es zu
pflegen gelte.
Was jetzt zu einem Umdenken im Männerbund geführt hat? Und wie viele für
den Antrag gestimmt haben? Friedrich Ahlers will es nicht sagen: „Ich rede
nicht mehr mit der taz.“ Ihm habe die [3][Berichterstattung nicht gefallen]
und es habe sich niemand bei ihm entschuldigt. „Ich bitte das zu
respektieren.“
Vielleicht spielt der neue Wildeshauser Bürgermeister Matthias Ruhle eine
Rolle? Der hatte vor der Wahl im September gesagt, bei der Abstimmung vor
anderthalb Jahren für Gleichberechtigung gestimmt zu haben. Wenn er im
November sein Amt antritt, wird er damit auch „General“ der Gilde und damit
ihr „ranghöchster Vertreter“, wie auf der Website der Gilde erklärt wird.
Gefreut über die Nachricht haben sich Majken Hjortskov und Hendrik Boldt
von der Initiative Gilde für alle, die in diesem Jahr das
Sandsäckchenwerfen organisiert hatte und sich seit ein paar Jahren für die
Teilnahme von Mädchen am Königsschießen engagiert.
„Das ist ein wichtiger Schritt und genau der Impuls, den es braucht, damit
das gelebte Brauchtum in Wildeshausen zeitgemäß fortgeführt werden kann“,
schrieben sie in einer Pressemitteilung. „Ein Kinderschützenfest, bei dem
alle Kinder mitmachen und um die Königswürde kämpfen dürfen, wäre ein
großer Gewinn für die Mädchen, für die Schützengilde und für ganz
Wildeshausen.“
Allerdings käme der Kurswechsel sehr überraschend. „Noch vor wenigen
Monaten haben sich führende Vertreter der Gilde deutlich anders
positioniert, unser Anliegen zurückgewiesen und unser Engagement teils
diskreditiert“, heißt es in dem Schreiben. „Deshalb werden wir genau
hinschauen, wie ernst es dem Offizierskorps mit dieser neuen Haltung
wirklich ist.“
Das [4][Wildeshauser Gildefest] findet jedes Jahr zu Pfingsten über sechs
Tage statt. Es besteht aus einer Reihe von Abläufen, deren offizieller
Höhepunkt das „Ausschießen“ des Schützenkönigs ist: Die Bewerber müssen mit
einem Gewehr einen Kunststoffvogel von einer Stange schießen.
8 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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