# taz.de -- Erfindungen, die weiterbringen sollen: Gehen für Fortgeschrittene
> Drohnen, E-Bikes, Exoskelette und fahrende Koffer: Die Mobilität der
> Zukunft verspricht vor allem weniger Bewegung.
(IMG) Bild: Wer demnächst mit einer Drohne von Berlin nach Hamburg fliegen möchte, sollte sich das lieber noch einmal überlegen
Neulich war ich auf der [1][IFA], der Konsumgütermesse in Berlin. Gleich im
Eingangsbereich stand bei der „Zukunft der Mobilität“ eine Drohne für zwei
Personen. Ich dachte an meinen letzten Schleswig-Holstein-Trip mit meinem
Sohn.
Wir hatten zunächst in einem arg verspäteten und von Fußballfans in Grund
und Boden [2][randalierten ICE] Platz genommen und waren anschließend im
Schienenersatzverkehr nördlich von Hamburg gestrandet. Zur angepeilten
Familienfeier erschienen wir ebenso gerupft wie spät.
Ich betrachtete die Drohne zufrieden und stellte mir vor, wie ich damit
nach Norden fliegen und auf einem nahe gelegenen Feld landen würde. Nur:
Wie käme ich vom Feld zum Zielhaus? Das hier war doch eine „duale
Mobilitätsform“, wo also waren die Räder? Ich ging um die Drohne herum,
beugte mich herunter. Vielleicht ließen sie sich irgendwo ausklappen?
Ein hilfsbereiter Mann machte mich auf das danebenstehende Gefährt
aufmerksam, einer Art Kreuzung aus Panzer und Mondfahrzeug, viermal so groß
wie ein herkömmlicher SUV. „Darin“, erklärte er mir, „kann die Drohne
transportiert werden“. Ach so. Die moderne duale Mobilität bestand darin,
dass man für das eine Fahrzeug noch ein zweites Fahrzeug brauchte.
Praktisch.
## Schweiß = verdientes Eis
Ich verließ meinen Drohnentraum und kam an den [3][E-Fahrrädern] vorbei.
Deren Gründungsvision als Rentnerschaukel war cool: auch unfitten Menschen
oder solchen mit Gebirge vor der Haustür Radfahren zu ermöglichen. Leider
bekam das E-Bike dann so viel Schwung, dass ich es nicht mehr bremsen
konnte.
Seither stehe ich staunend vor Rennrädern und Mountainbikes mit Motoren und
denke: Das sind Sportgeräte, deren immanenter Zweck es ist, anstrengend zu
sein. Und Anstrengung ist die kleine Schwester der Selbstwirksamkeit. Alle
Sportler kennen die Kurzgleichung: Schweiß = verdientes Eis. In derselben
Zeit mit demselben Kraftverbrauch viel weiter zu fahren, ist sinnfrei.
Ich lief zum nächsten Stand. Dort gab es was zum Umschnallen an Hüfte und
Beinen, eine Art [4][Exoskelett] light. Wo es was auszuprobieren gibt,
probiere ich gerne aus und ließ mir so ein Ding anlegen. Das Teil war
schwer und nahm mir die Hälfte meines natürlichen Körpergefühls, aber
tatsächlich liefen meine Beine fast von selbst die eigens aufgestellte
Treppe hinauf. Wer denn die angepeilten Kundengruppen seien, fragte ich und
dachte an Alte und Kranke, die Schwierigkeiten mit dem Gehen haben. „Junge,
fitte Menschen, die gerne wandern!“
Gleich nebenan gab es selbstfahrende Koffer zum Draufsetzen. Ich fuhr eine
Runde durch die Hallen und verstand, dass der menschliche Körper einfach
Übergangstechnologie ist: Ein so wartungsintensives Gerät, das ständig
bewegt werden will, weil es sonst irgendwann nicht mehr richtig
funktioniert, hat keine Zukunft.
Jetzt bin ich gespannt auf die nächste IFA. Vielleicht gibt es dann ein
rollendes Parkett für zu Hause, damit niemand mehr den Weg vom Sofa ins
Schlafzimmer selbst bewältigen muss? In China gibt es übrigens schon
Rolltreppen im Gebirge. Die Aussicht soll schön sein.
9 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Kerstin Finkelstein
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