# taz.de -- Plagiatsaffäre in Thüringen: Voigt beendet Rechtsstreit, AfD scheitert mit Auflösung
> Thüringens Ministerpräsident nimmt den Entzug seines Doktortitels hin.
> Kurz darauf scheitert die AfD mit dem Versuch, den Landtag aufzulösen.
(IMG) Bild: Mario Voigt akzeptiert den Entzug seines Doktortitels: „Die Härte der politischen Auseinandersetzung“ fordere „vollen Einsatz“
dpa | Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hat den Rechtsstreit
um seinen Doktortitel beendet – kurz bevor die AfD im Landtag mit dem
Versuch scheiterte, das Parlament aufzulösen. Als Ministerpräsident gehöre
seine Aufmerksamkeit den Bürgerinnen und Bürgern, sagte der CDU-Politiker
auf einer Pressekonferenz im Thüringer Landtag. „Und deswegen habe ich mich
entschieden, den Rechtsstreit um meine Dissertation einzustellen.“
In der anschließenden Sondersitzung stimmten 34 Abgeordnete für die
Selbstauflösung des Landtags, 52 dagegen. Nötig gewesen wäre eine
Zweidrittelmehrheit, also mindestens 59 Stimmen. Die AfD verfügt als größte
Fraktion über 32 der 88 Sitze. Mit ihr stimmten die beiden fraktionslosen
BSW-Abgeordneten für die Auflösung. Die Erfolgschancen der AfD galten
bereits vor der Abstimmung als gering.
Höcke begründete die Forderung nach Neuwahlen mit der Plagiatsaffäre um
Voigt und dem Zerfall der BSW-Fraktion. Voigt sagte mit Blick auf den
Antrag, es werde versucht, Unfrieden und Chaos zu stiften. Höcke hatte für
den Fall einer Niederlage ein Volksbegehren mit dem Ziel von Neuwahlen
angekündigt.
## Erste Vorwürfe kamen im Wahlkampf auf
Besonders die oppositionelle, vom Landesverfassungsschutz als gesichert
rechtsextremistisch eingestufte AfD mit ihrem Landespartei- und
Fraktionschef Björn Höcke hat immer wieder den Scheinwerfer auf das Thema
gerichtet und Voigt damit politisch unter Druck gesetzt. Die AfD-Fraktion
strengte im Thüringer Landtag bereits zwei konstruktive Misstrauensvoten
an, um Voigt zu stürzen – im Februar und im August. Beide scheiterten. Die
Auflösung des Parlaments war nun ihr dritter Anlauf.
Dem 49-Jährigen hängt die Debatte um seine Doktorarbeit schon seit dem
Landtagswahlkampf 2024 an, als erste Plagiatsvorwürfe aufkamen. Die
Dissertation stammt aus dem Jahr 2008 und trägt den Titel „Der
amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F.
Kerry“.
Als Ende Januar bekannt wurde, dass die Technische Universität Chemnitz
Voigt den Doktortitel entzieht, kündigte der Regierungschef umgehend
rechtliche Schritte an. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von
den Vorwürfen nicht betroffen“, erklärte der CDU-Politiker damals in einer
Mitteilung. Auf einer Pressekonferenz beteuerte er, dass er die
Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen verfasst habe. „Und deswegen
kämpfe ich für meine Doktorarbeit“, sagte er.
## Härtere Zeiten, knappere Mehrheiten
Nun gibt er diesen Kampf auf – beharrt aber auf seiner Einschätzung. „An
meiner Position hat sich nichts geändert, nur an der Bewertung, was wichtig
ist“, sagte er. Nach seinem gescheiterten Widerspruch bei der TU Chemnitz
hatte Voigt im August Klage beim Verwaltungsgericht Chemnitz eingereicht.
Das Verfahren habe sich noch in einem frühen Stadium befunden, sagte er nun
auf Nachfrage. Er habe die Klage am Mittwochmorgen zurückgenommen und
darüber eine halbe Stunde vor der Sondersitzung informiert.
Die Entscheidung falle ihm nicht leicht. Seine Anwälte hätten ihm geraten,
das Verfahren fortzuführen. Doch er wolle Thüringen seine ganze Kraft,
Energie und Aufmerksamkeit geben und sich ohne Abstriche „darauf
konzentrieren, was vor uns liegt“, betonte er. Ein Rechtsstreit fordere
ebenfalls Aufmerksamkeit.
Der Regierungschef begründete seinen Schritt auch mit der politischen Lage,
die sich mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern spürbar verändert habe. In Sachsen-Anhalt war die
AfD Anfang September mit rund 44 Prozent mit großem Abstand stärkste Kraft
geworden.
## Veränderte Mehrheitsverhältnisse
Die Härte der politischen Auseinandersetzung fordere vollen Einsatz, sagte
er. Zudem gebe es veränderte Mehrheitsverhältnisse im Thüringer Landtag.
Voigt spielte damit auf das Zerbrechen der BSW-Fraktion Anfang September –
seines bisherigen Koalitionspartners – an. Inzwischen haben sich 10 der
ursprünglich 15 Abgeordneten um Finanzministerin Katja Wolf zu einer neuen
Fraktion mit dem Namen „Thüringen.Gerecht“ zusammengeschlossen und tragen
gemeinsam mit CDU und SPD die Landesregierung.
Die bisherige Koalition aus CDU, BSW und SPD verfügte über genau die Hälfte
der 88 Sitze. Voigts Patt-Koalition ist damit zu einer echten
Minderheitsregierung geschrumpft. Angesichts der Entwicklungen in
Sachsen-Anhalt müsse man sich auch in Thüringen fragen, „wie wir
erfolgreich 2029 sein können“, sagte Voigt. Dann steht in Thüringen die
nächste reguläre Landtagswahl an.
7 Oct 2026
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