# taz.de -- Malis Armee erobert Wüstenstadt Kidal: Symbolischer Sieg für Malis Militärregierung
       
       > Die nordmalische Stadt Kidal war im April von Tuareg-Rebellen erobert
       > worden. Jetzt fällt sie wieder an Malis von Russland unterstützte Armee.
       
 (IMG) Bild: Tuareg-Rebellen in Kidal, Ende April 2026
       
       164 Tage nachdem Malis Tuareg-Rebellenkoalition FLA (Befreiungsfront von
       Azawad) [1][die Stadt Kidal eroberte], hat sie sich wieder zurückgezogen,
       und Malis Regierungsarmee hat wieder die Kontrolle. [2][Videoaufnahmen] vom
       Mittwoch zeigen, wie regierungstreue Milizen in Kidal die Flagge des
       Tuareg-Separatistenstaates Azawad auf einem zentralen Platz der Wüstenstadt
       einholen und durch ihre eigene ersetzen.
       
       Die FLA habe einen „strategischen Rückzug“ aus Kidal eingeleitet,
       [3][erklärte die Rebellengruppe am Dienstag]. Grund sei „die zunehmende
       Gefährdung der wenigen noch in der Stadt anwesenden Zivilisten durch den
       unverhältnismäßigen Drohneneinsatz der Söldner des russischen Afrikacorps
       und der terroristischen Kräfte der Militärjunta in Bamako“. Man wolle auch
       die eigenen Kräfte schonen.
       
       Malis Regierung in der Hauptstadt Bamako musste die Rückeroberung Kidals
       kaschieren, da sie den Verlust der Stadt an die Rebellen nie zugegeben und
       Journalisten verfolgt hat, die darüber berichteten. „Malis Streitkräfte,
       unterstützt von ihren russischen Partnern, setzen die Verstärkung und
       Konsolidierung ihrer Präsenz in der Region Kidal fort“, heißt es nun
       lediglich in der [4][Erklärung der Militärregierung]. Dies ermögliche „die
       allmähliche Rückkehr der Verwaltung und staatlichen Dienste“. Dass die
       Regierung Kidal vorher nicht kontrolliert hatte, wird in der Erklärung als
       vorherige „Umgruppierung“ formuliert.
       
       Die Stadt Kidal, nördlichste Distrikthauptstadt Malis tief in der
       Sahara-Wüste, ist im mittlerweile über 14 Jahre währenden Krieg zwischen
       Malis Regierung und Tuareg-Separatisten zu einem symbolischen Ort geworden.
       Lange Zeit Drehscheibe von Drogen- und Waffenschmuggel, fiel Kidal 2012 an
       Tuareg-Rebellen und wurde 2013 zurückerobert, als Frankreich mit Tausenden
       Soldaten in Mali eingriff, um die Rebellen sowie islamistische
       Terrorgruppen zu besiegen.
       
       ## Mal die Regierung, mal die Rebellen
       
       Aber die Tuareg-Rebellen blieben in Kidal präsent, 2014 warfen sie die
       staatlichen Vertreter aus Kidal hinaus und erzwangen auf diese Weise einen
       Friedensvertrag, der ihnen Autonomie über Malis drei nördliche Distrikte
       gewährte.
       
       Erst 2020 konnten erste Kontingente der Regierungsarmee unter
       Rebellenaufsicht wieder Kidal betreten. Im gleichen Jahr putschte aber
       Malis Armee; sie kündigte das Tuareg-Friedensabkommen auf, warf die zu
       dessen Überwachung stationierte UN-Blauhelmmission aus dem Land und
       [5][eroberte Kidal mit russischer Hilfe Ende 2023] – nur um es dieses Jahr
       erneut an die Tuareg-Rebellen zu verlieren. Diese sind mittlerweile wie zu
       Beginn ihrer Rebellion mit islamistischen Terrorgruppen verbündet.
       
       Der erneute Fall von Kidal an die Rebellen im April dieses Jahres,
       begleitet von Anschlägen in der Hauptstadt Bamako, führte ganz Mali die
       Schwäche der Regierungsarmee vor. Ihr gelang es jedoch, in Anefis, 100
       Kilometer weiter südlich, die Stellung zu halten. Die radikalislamistische
       JNIM (Gruppe zur Verteidigung des Islams und der Muslime) hat zwar in den
       vergangenen Monaten im Zentrum Malis [6][ihre Angriffe verstärkt]. Aber
       seit einigen Wochen rüsteten sich die in Mali stationierten russischen
       Kräfte zu einer erneuten Offensive auf Kidal.
       
       ## Algerien ist nicht mehr so neutral wie einst
       
       Ein wichtiger Faktor bei der Wende zugunsten der Militärregierung ist die
       Annäherung zwischen den Regierungen Malis und Algeriens, dessen Grenze nur
       wenige hundert Kilometer nördlich von Kidal durch die Wüste führt. Früher
       konnten die Tuareg-Rebellen auf Algerien, Garantiemacht des von Malis
       Regierung aufgekündigten Friedensabkommens, als neutralen Rückzugsort
       zählen. Im Juli dieses Jahres aber haben die beiden Regierungen wieder
       diplomatische Beziehungen aufgenommen.
       
       Algerien hat Mali Hilfe bei der „Terrorbekämpfung“ angeboten und
       [7][Kampfflugzeuge im benachbarten Niger stationiert], wo ebenfalls
       Militärputschisten regieren. Beobachter vermuten, dass Algerien
       Geheimdienstinformationen mit Malis Militär teilt.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Grossoffensive-von-Rebellen-in-Mali/!6174059
 (DIR) [2] https://x.com/ThomasVLinge/status/2107807109723177125
 (DIR) [3] https://x.com/FLAZAWAD/status/2107458110583366041
 (DIR) [4] https://x.com/MaliMaeci/status/2107586160193384772
 (DIR) [5] /Separatistische-Rebellen-in-Mali/!5973313
 (DIR) [6] /Rebellen-in-Mali/!6215328
 (DIR) [7] /Nach-der-Militaermeuterei-in-Niger/!6208786
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Mali
 (DIR) Tuareg
       
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