# taz.de -- Rebellen in Mali: Rebellen rücken gegen Militärjunta vor
       
       > Die malische Armee erlebt einen schweren Schlag durch die Terrorgruppe
       > JNIM und Tuareg-Rebellen der FLA. Letztere werden offenbar von Ukrainern
       > unterstützt.
       
 (IMG) Bild: Mali unter Druck: Im Mai ist es der Front de Libération Azawad gelungen, malische Soldaten gefangenzunehmen
       
       Dicke Rauchwolken stiegen am 10. September über dem Dorf von Dioura in
       Zentralmali auf. Verwackelte Videoaufnahmen auf der Nachrichtenplattform X
       von dem Tag zeigen unzählige uniformierte Leichen, die verstreut im Staub
       liegen. Es sind blutige Bilder, die einen kleinen Einblick in [1][die
       Schwere der Kämpfe] geben.
       
       Das Militärlager in der Region Mopti war Schauplatz eines groß angelegten
       Angriffs der Terrororganisation „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der
       Muslime“ (JNIM). Nur wenige Tage später kam es unweit davon, in Sévaré und
       Konna, zu weiteren Angriffen. Am 19. September meldete die Gruppe außerdem
       die Einnahme der Armeeposten in Bla und Kassela, nur 70 Kilometer von der
       Hauptstadt Bamako im Südwesten des Landes entfernt.
       
       Bis zu 150 Soldaten will JNIM nach eigenen Angaben getötet haben, 93
       weitere wurden gefangen genommen. Auch 5 russische Kämpfer des Afrikakorps
       sollen getötet worden sein. Es sind Angaben, die sich nicht unabhängig
       überprüfen lassen, doch auch lokale Quellen schätzen die Zahl der Toten
       mittlerweile auf mindestens 100.
       
       Damit gehört der Angriff zu den verlustreichsten, die die malische Armee in
       den vergangenen 15 Jahren hinnehmen musste. Mali wird seit dem
       Militärputsch 2021 von einer Russland-nahen Junta regiert, die im Land
       immer wieder Kämpfe gegen Tuareg-Rebellen und islamistische Gruppen führt.
       
       Erst im April war sie empfindlich getroffen worden, als eine Allianz aus
       JNIM-Kämpfern und Tuareg-Rebellen der FLA (Front zur Befreiung von Azawad)
       mehrere strategisch wichtige Orte und Militärbasen in Mali gleichzeitig
       angegriffen hatte. Bei dem blutigen Angriff, der das Land schwer
       erschütterte, war auch Malis Verteidigungsminister Sadio Camara getötet
       worden.
       
       ## JNIM setzt immer häufiger auch Drohnen ein
       
       Nun hat JNIM wieder zugeschlagen und dabei wieder erhebliche Waffenbestände
       geraubt. Darunter 19 Raketen vom Kaliber 122 mm, weiteres schweres
       Kriegsgerät sowie Munition. Zurückgelassene Waffen spielen inzwischen eine
       wichtige Rolle für die militärische Logistik der Gruppe.
       
       Für Malis Streitkräfte ist der Angriff mehr als ein herber Schlag. Nicht
       nur aufgrund des Blutbads und der Tatsache, dass mit Dioura ein wichtiger
       Militärstützpunkt im Zentrum des Landes zerstört wurde. Die Angriffe in
       kurzer Folge an mehreren Orten zeigen schmerzlich, wie schwer die
       Guerillataktik der Terroristen einzudämmen ist.
       
       Noch dazu scheinen sie in den vergangenen Monaten eine neue Schlagkraft
       entwickelt zu haben. Immer häufiger kommen auch Drohnen zum Einsatz.
       [2][Ein Bericht des marokkanischen Thinktanks Policy Center for the New
       South] datiert den ersten bekannten Drohneneinsatz von JNIM auf September
       2023.
       
       Das Tempo und die Regelmäßigkeit der Angriffe deuteten darauf hin, dass
       JNIM nicht nur über einen kontinuierlichen Nachschub an Ausrüstung verfüge,
       sondern auch seine Taktiken von Einsatz zu Einsatz weiterentwickle,
       analysierte die Denkfabrik bereits im Juli 2025.
       
       ## Bamako sieht Einmischung von außen
       
       Die Entwicklung dürfte auch der malischen Militärjunta nicht verborgen
       geblieben sein, doch die hüllt sich in Schweigen. Zwar räumte Bamako bei
       dem Angriff von Dioura Verluste ein – was eine Seltenheit ist – wie viele
       Soldaten getötet wurden, blieb jedoch offen. Stattdessen verbreitete das
       Militär die übliche Erfolgsmeldung: Im Rahmen der Operation Dougoukoloko
       sei eine im Busch versteckte Terroristengruppe, die zu den Angreifern von
       Dioura gehörten, „aufgespürt und präzise bekämpft“ worden.
       
       Die Operation Dougoukoloko („Rückeroberung des Territoriums“) war im April
       ins Leben gerufen worden mit dem erklärten Ziel, sicherzustellen, dass Mali
       nie wieder „von terroristischen Gruppen gedemütigt oder geschwächt“ werde.
       
       Wie der Sender Sahel Matin TV nun berichtete, sollen nach Angaben der
       malischen Armee auch ausländische Kämpfer zu den Angreifern von Dioura
       gehört haben. Der Vorwurf einer Einmischung von außen ist nicht neu. Immer
       wieder beschuldigt Bamako ausländische Akteure, die Gegner der Junta zu
       unterstützen, um diese zu Fall zu bringen.
       
       Im Zentrum der Anschuldigungen steht neben der ehemaligen Kolonialmacht
       Frankreich auch die Ukraine. Malische Regierungsvertreter werfen Kyjiw vor,
       die Tuareg-Rebellen der FLA zu unterstützen, die inzwischen mit der
       Terrorgruppe JNIM kooperieren. Ein Vorwurf, den die Ukraine stets
       zurückgewiesen hat.
       
       ## FLA anscheinend von Ukrainern unterstützt
       
       Nun liefert eine am 12. September veröffentlichte [3][Recherche des
       US-Senders CNN] erstmals konkrete Hinweise, die die Anschuldigungen
       stützen. Demnach halten sich aktuell rund 15 ukrainische
       Drohnenspezialisten im Norden Malis auf, um die Tuareg-Rebellen der FLA im
       Umgang mit Drohnen auszubilden und operativ zu unterstützen.
       
       Zwei an der Mission beteiligte Ukrainer bestätigten gegenüber CNN die
       Zusammenarbeit mit der Rebellengruppe. Sie erklärten allerdings auch, nicht
       selbst an den Kämpfen an der Front teilzunehmen. Die FLA hat sich
       allerdings seit April in einem Militärbündnis gegen die malische Armee mit
       JNIM zusammengeschlossen. Ob die von CNN beschriebene ukrainische
       Unterstützung der FLA damit indirekt auch JNIM zugutekommt – und ob diese
       in den Angriff auf Dioura hineingespielt hat – ist bislang offen.
       
       22 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Buergerkrieg-in-Mali/!6201025
 (DIR) [2] https://www.policycenter.ma/sites/default/files/2025-07/PP_24-25%20(Niccola%20Milnes%20&%20Rida%20Lyammouri)_0.pdf
 (DIR) [3] https://edition.cnn.com/2026/09/12/africa/ukraine-russia-drones-mali-libya-intl
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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