# taz.de -- Präsidium des Abgeordnetenhauses: Die AfD soll wieder leer ausgehen
> Theoretisch könnte die AfD erstmals einen Vizepräsidenten des
> Abgeordnetenhauses stellen. Linke, Grüne und SPD wollen das aber nicht
> zulassen.
(IMG) Bild: Auch weiterhin soll kein AfDler im Abgeordnetenhaus präsidieren – auch wenn deren Fraktion ein Vorschlagsrecht hat
Im Abgeordnetenhaus wird es offenbar auch weiterhin – [1][anders als in
Sachsen-Anhalt] – keinen Vizepräsidenten von der AfD geben. Die Partei hat
zwar nach bisheriger Geschäftsordnung erstmals das Vorschlagsrecht für
einen der beiden Stellvertreterposten. Linkspartei, Grüne und SPD machten
jedoch nun gegenüber der taz deutlich, dass sie sich einen AfDler in diesem
Amt nicht vorstellen können. Deren Fraktion beschloss am Dienstag, dafür
Martin Trefzer zu nominieren.
Die AfD war bei der Berlin-Wahl am 20. September drittstärkste Partei
geworden, hinter der Linkspartei und der CDU, aber vor den Grünen und der
SPD. In der jüngsten [2][Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses von März
2023] heißt es in Paragraf 12 für die Posten des Präsidenten und zweier
Stellvertreter: Für sie „haben die Fraktionen das Vorschlagsrecht in der
Reihenfolge ihrer Stärke“. Demzufolge könnte die AfD-Fraktion jemanden als
Vize vorschlagen. In dieser Situation war sie im Abgeordnetenhaus noch nie.
Paragraf 12 macht allerdings nur eine Vorgabe für das Vorschlagsrecht – für
die tatsächliche Postenbesetzung ist eine Wahl erforderlich. Dafür aber hat
die AfD-Fraktion derzeit keinen Rückhalt im 153-köpfigen Parlament. In den
Fraktionen eines derzeit debattierten Linksbündnisses gibt es zwar noch
keine offiziellen Beschlüsse dazu, aber überall eine klare Tendenz. Die CDU
reagierte am Dienstag nicht auf eine taz-Anfrage.
Die Wahl eines AfD-Abgeordneten sei nicht vorstellbar, hieß es vom
Pressesprecher der Linksfraktion, Thomas Barthel. Das soll unabhängig vom
konkreten Kandidaten gelten. Für die Grünen-Fraktion äußerte sich ihr
parlamentarischer Geschäftsführer Sebastian Walter so: „Wir werden den
Personalvorschlag der AfD prüfen, können uns aber an keine Vorschläge der
AfD erinnern, die in der Vergangenheit zustimmungsfähig gewesen wären.“ Das
Amt setzt für Walter ein hohes Maß an Integrität, Unbescholtenheit,
Überparteilichkeit und ausgeprägte Demokratiefestigkeit voraus – „nichts
davon sehen wir bei der AfD“.
## Die Linkspartei stellt die Präsidentin
Ähnlich äußerte sich Orkan Özdemir, in der SPD-Fraktion Sprecher für
Antidiskriminierung, Integration und Kampf gegen Rechtsextremismus. Er
verwies darauf, dass das Abgeordnetenhaus und seine Ausschüsse AfDler auch
in der vergangenen Wahlperiode nicht ins Präsidium oder zu
Ausschussvorsitzenden wählen mochten. „In Anbetracht der Entwicklung der
AfD empfinde ich es als Bestätigung unserer Haltung als Fraktion in den
letzten Jahren“, so Özdemir. Daher macht es aus seiner Sicht Sinn, diese
Praxis beizubehalten und AfD-Abgeordnete weder in sicherheitsrelevante
Gremien noch in leitende Funktionen zu wählen.
Im neuen Abgeordnetenhaus wird erstmals die Linkspartei den Vorsitz
stellen. Parlamentspräsidentin soll nach ihrem Willen Hendrikje Klein
werden. Die 46-Jährige gehört dem Parlament seit 2016 an und leitete in der
vergangenen Wahlperiode unter anderem einen Unterausschuss des
Hauptausschusses. Sie ist in der neuen, 45 Abgeordnete großen Fraktion eins
von nur acht Mitgliedern mit Parlamentserfahrung.
Aus diesem überschaubaren Kreis heraus eine Frau auszuwählen, galt als
erwartbar, um nicht hinter die CDU zurückzufallen. Die Christdemokraten
hatten 2023 als damals stärkste Fraktion Cornelia Seibeld als Präsidentin
vorgeschlagen – sie wurde als erst zweite Frau an die Spitze des
Abgeordnetenhauses gewählt. Auch die erste Präsidentin kam von der CDU:
Hanna-Renate Laurien, die von 1991 bis 1995 amtierte.
Seibeld, so hat sich die CDU-Fraktion bereits festgelegt, soll dem
Präsidium weiterhin angehören, künftig als Stellvertreterin der
designierten Präsidentin Klein. In der zu Ende gegangenen Wahlperiode
besetzten SPD und Grüne die beiden Stellvertreterposten mit Dennis Buchner
und Bahar Haghanipour.
## Trefzer war schon Beisitzer im Präsidium
Während die AfD nach jetzigem Stand im Abgeordnetenhaus weiter nicht im
Präsidium vertreten wäre, weder mit einem Vizepräsidenten [3][noch mit
einem von bis zu 15 Beisitzern], ist das im brandenburgischen Landtag in
Potsdam anders. Dort stellt sie einen von drei Vizepräsidenten und zwei
weitere Mitglieder [4][im neunköpfigen Präsidium]. In Sachsen-Anhalt wählte
der Landtag am Dienstag [5][erstmals sogar einen Parlamentspräsidenten] aus
den Reihen der AfD-Fraktion – das BSW hatte dafür seine Unterstützung
angekündigt.
In der vorvergangenen Wahlperiode, nach dem erstmaligen Parlamentseinzug
der AfD in Berlin, war die Situation noch anders. Denn von 2016 bis 2021
kam der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses aus den Reihen der
AfD-Fraktion, Frank-Christian Hansel. Außerdem stellte sie damals zwei
Beisitzer im Präsidium. Einer dieser beiden war ihr jetziger Kandidat für
den Posten des Vizepräsidenten, Martin Trefzer. Als Grund für den
veränderten Umgang mit der AfD in der folgenden Wahlperiode galt ihre
Radikalisierung.
6 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Liveticker-zu-Sachsen-Anhalt-Erster-AfD-Parlamentspraesident-der-Geschichte-wird-gewaehlt/!6219259
(DIR) [2] https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/jlr-NNLBE00004827NN00000000018
(DIR) [3] https://www.parlament-berlin.de/das-parlament/das-praesidium
(DIR) [4] https://www.landtag.brandenburg.de/de/parlament/praesidentin_und_praesidium/praesidium/25223
(DIR) [5] /Liveticker-zu-Sachsen-Anhalt-Erster-AfD-Parlamentspraesident-der-Geschichte-wird-gewaehlt/!6219259
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) Abgeordnetenhaus
(DIR) Schwerpunkt AfD in Berlin
(DIR) Die Linke
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Erster AfD-Landtagspräsident Rausch: Steigbügelhalter BSW
Das BSW musste Tobias Rausch nicht wählen, es hat sich bewusst dafür
entschieden. Damit überschreitet die Partei Grenzen des parlamentarischen
Umgangs.
(DIR) Neuer Landtag in Sachsen-Anhalt: Rechtsextremer Hardliner wird überraschend Vizepräsident
Tobias Rausch wurde zum ersten AfD-Parlamentspräsidenten gewählt, wohl auch
mit Stimmen von der CDU. Auch ein Vizepräsident der AfD bekommt eine
Mehrheit.
(DIR) Präsidium des Abgeordnetenhauses: Ein Spitzenposten ist der Linkspartei zumindest sicher
Für den Parlamentsvorsitz hat die Linke als stärkste Fraktion das
Vorschlagsrecht. Es müsste eine bisherige Abgeordnete sein. Davon gibt es
nur vier.