# taz.de -- Kampf für Bildungsgerechtigkeit: Keine Gelder mehr für Bildung von Zugewanderten
       
       > Mehr als 100.000 Menschen unterschrieben eine Petition gegen die
       > vollständige Streichung der Bildungsberatung GF-H, die am Mittwoch
       > übergeben wurde.
       
 (IMG) Bild: Die Bildungsberatung wirkt seit Jahrzehnten für Bildungsgerechtigkeit, damit auch Zugewanderte studieren können
       
       Mehrere Dutzend Menschen haben sich am Mittwoch vor dem Paul-Löbe-Haus im
       Regierungsviertel versammelt – Rentner*innen mit Rasseln, Jugendliche
       mit Plakaten und Luftballons vor großen Bannern. Denn die Zukunft von ihnen
       und vielen anderen Zugewanderten steht wegen der Bundesregierung auf dem
       Spiel. Ein Kind rennt mit einer Wanduhr auf fünf vor zwölf im Kreis herum
       und pustet in eine Trillerpfeife. Dann wird die Musik aus den Boxen leise
       gestellt, eine Frau in pinker Regenjacke ergreift das Mikrofon und stimmt
       den Sprechchor an: „Bildung ist ein Menschenrecht – Streichen ist
       ungerecht!“
       
       Nach über 50 Jahren sollen dem Bundesprogramm Bildungsberatung
       Garantiefonds Hochschule (GF-H) vom Bundesministerium für Bildung, Familie,
       Senioren, Frauen und Jugend [1][zum Jahresende die Gelder gestrichen
       werden.] Die Finanzierung für künftige Zugewanderte soll zum 31.12.2026
       enden – so der Plan des Bundesfamilienministeriums, welches bis
       Redaktionsschluss nicht auf die Fragen der taz antwortete. Im letzten
       Haushalt bekam die Bildungsberatung noch 16,3 Millionen Euro, weit unter
       den nötigen 20 Millionen Euro. Das ist jetzt auch vorbei. Die GF-H hat mit
       ihrem Team in den vergangenen Monaten eine Petition gestartet, welche mehr
       als 100.000 Stimmen bekam und vor dem Paul-Löbe-Haus in Berlin präsentiert
       und danach an Politiker*innen übergeben wird.
       
       „Die Bildungsberatung wirkt seit Jahrzehnten für Bildungsgerechtigkeit,
       Integration und sichert Fachkräfte“, ruft Dorothea Weber. Vietnamesinnen,
       Rumäninnen, Ukrainerinnen, Syrerinnen oder DDR-Geflüchtete wurden seit 1972
       durch [2][die Bildungsberatung in den Arbeitsmarkt] integriert. Die GF-H
       bietet Zugewanderten Sprachkurse an, bereitet auf das Studium vor, hilft
       bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und vergibt Stipendien.
       
       ## Geld für Tankrabatt und Superreiche ist da
       
       Ein Abgeordneter der CDU und zwei von der SPD nehmen von Weber den dicken
       Katalog an Unterschriften entgegen. Sie alle drei betonen, wie wichtig das
       Programm sei, dass es aber gerade einen komplizierten Haushalt gäbe und
       jetzt abgewägt werden müsste. Auf den Fotos wird dann viel gelächelt.
       
       Auch Jamila Schäfer von den Grünen bekommt ein Exemplar der 100.000
       Unterschriften. Sie ärgert sich über die Gewichtung im aktuellen Haushalt:
       „Die Prioritätensetzung ist schwierig, der [3][Tankrabatt] hat 2,5
       Milliarden gekostet und 2025 hatten wir eine Steuersenkung, die vor allem
       beim reichsten Prozent ankommt“.
       
       Die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule beriet in ihrer Laufzeit mehr
       als 600.000 Menschen, alleine zwischen 2020 und [4][2025 über 36.000
       Zugewanderte]. Einige von ihnen sprachen auch direkt zu den
       Politiker*innen: „Durch die GF-H konnte ich meinen Abschluss in Deutschland
       anerkennen lassen und studieren“, erzählt die 19-jährige Sofiia Usenko. Sie
       und Daria Bobrova sind aus der Ukraine geflüchtet, die Bildungsberatung
       GF-H war ihre Chance, schnell an Bildung und Sprachkurse zu gelangen. Daria
       Bobrova fügt hinzu: „Ich kann meinen Deutschkurs durch meinen Minijob nicht
       finanzieren.“ Die 23-Jährige hat einen Bachelor in Architektur, ohne ein
       C1-Zeugnis kann sie in Deutschland aber nicht arbeiten.
       
       ## Statt Streichung langfristige Sicherung
       
       Auch Anna Wiehe migrierte in den 80ern von Polen nach Deutschland und bekam
       von GF-H ein Stipendium. Jetzt ist sie Bildungsberaterin und kritisiert die
       Bundesregierung für die Streichungen: „Menschen sollen so in
       nichtakademische Berufe reingepresst werden, egal was sie für eine
       Vorbildung haben“, sagt Wiehe, „die Menschen verdienen eine Wahl.“
       
       Petitionen zu starten und zu demonstrieren ist für die Bildungsberatung
       nicht das erste Mal der letzte Weg, um an Geld zu gelangen. Bereits vor
       drei Jahren stand das Bundesprogramm GF-H vor dem Aus. Damals konnte
       mithilfe einer WeAct-Petition die geplante Einstellung des Programms
       erfolgreich verhindert werden. „Unsere Unterstützung wird immer größer. Die
       Menschen verstehen nicht, wieso die Bildungswege von so vielen jungen
       Menschen kaputtgemacht werden sollen“, sagt Dorothea Weber von der
       Bildungsberatung.
       
       8 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Fragen-und-Antworten-zum-Tankrabatt/!6217937
 (DIR) [4] /Einwanderung-nach-Berlin/!6174401
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gustav Cattapan
       
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