# taz.de -- Neuer Marinehafen an Nordseeküste: Kriegstüchtig in Emden
> In Ostfriesland soll ein Marinestützpunkt gebaut werden. Bisher gibt es
> mit Wilhelmshaven nur einen solchen Stützpunkt an der Nordseeküste.
(IMG) Bild: Sind zufrieden: Vizeadmiral Wilhelm Abry, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Ministerpräsident Olaf Lies (von li nach re)
Also doch Emden: Am Montag gab Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius
(SPD) bekannt, dass im Westen Ostfrieslands ein neuer Marinehafen entstehen
soll. „Fast 30 Jahre lang war die Marine nicht in Emden, jetzt kommt sie
zurück“, sagte Pistorius am Vormittag in der Seehafenstadt, als er zusammen
mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) eine Absichtserklärung
zum Bau unterzeichnete. Neben Emden war zuletzt noch Bremerhaven als
potentieller Standort für einen zweiten Marinestützpunkt der Bundeswehr an
der Nordsee in der Auswahl.
Der Rysumer Nacken, ein durch Landgewinnung erschlossenes Gelände an der
Emsmündung, soll dafür bebaut werden. Sowohl die strategische Lage als auch
die ausreichend vorhandenen Flächen seien ausschlaggebend für die Auswahl
gewesen, sagte Pistorius. „Die Marine hat intensiv geprüft, Emden bietet
ideale Voraussetzungen.“ So sollen mehr als 20 Liegeplätze für Fregatten,
Minensuchboote und Schlepper entstehen. Hinzu kommen Ausbildungs- und
Unterkunftsgebäude.
Pistorius zufolge könnten langfristig bis zu 2.000 Dienstposten entstehen.
Was das alles kosten soll, ist bislang noch unklar. Dafür seien auch noch
einige Planungen anzustellen. „Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht
im Baumarkt“, sagte Pistorius. Fertiggestellt werden soll der Hafen Anfang
der 2030er-Jahre.
Emden war schon einmal Marinestützpunkt. 1997 wurde er geschlossen. Seither
hat die Bundeswehr einzig in Wilhelmshaven einen Hafen an der Nordseeküste.
Angesichts der aktuellen Aufrüstung Deutschlands könne Wilhelmshaven die
„zukünftigen Anforderungen an Liegeplätzen, Pierlängen und
Unterstützungskapazitäten für den Nordseeraum mit Anschluss an den Atlantik
und Hohen Norden allein nicht decken“, erklärt die Bundeswehr. Ein zweiter
Standort an der Nordseeküste mache die Marine auch flexibler und agiler.
„Damit erhöhen wir die Abschreckungsfähigkeit Deutschlands und der Nato“,
sagte Pistorius.
## Kritik an Militarisierung
Emdens Bürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) spricht von einem „großen
Tag“ für seine Stadt. Der Marinestützpunkt sei vor allem wirtschaftlich
eine große Chance, weshalb die Stadt dabei helfen will, dass die Pläne
zügig umgesetzt werden.
Gerade der wirtschaftliche Aspekt ist nachvollziehbar: Seitdem sich
Niedersachsens Autobauer VW in der Krise befindet, droht Emden ein
wirtschaftlicher Kollaps. Die Schließung des VW-Werks in Emden ist zwar
bisher noch nicht endgültig besiegelt, wird von der Konzernspitze aber für
das Jahr 2031 anvisiert. Aktuell arbeiten dort rund 8.000 Menschen, was
mehr als einem Viertel aller in der Stadt Beschäftigten entspricht.
Allerdings gibt es auch Kritik an der Entscheidung.
Naturschützer:innen bezeichnen den Rysumer Nacken als „einen Hotspot
der Artenvielfalt“. Der ginge verloren, wenn die Marine wie nun angekündigt
auf einer Fläche von bis 450 Hektar den Stützpunkt baut. „Es wäre eine
Schande, eine solche Perle des Naturschutzes industriellen Interessen zu
opfern“, sagte Elke Dirks, Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu
Ostfriesland, der Deutschen Presse-Agentur.
Und schon in den vergangenen Monaten hatten Emder
Friedensaktivist:innen gegen die Aufrüstungspläne der Marine
protestiert. Auch während Pistorius’ Bekanntgabe am Montagvormittag
demonstrierten Aktivist:innen gegen die Aufrüstungspläne. „Wir lehnen
diesen wachsenden Militarismus ab“, sagt Johanna Adickes vom Emder
Friedensforum. Emden, das im Zweiten Weltkrieg massiv zerstört wurde, werde
nun erneut zu einem militärstrategischen Ziel.
Auch Bremerhaven hatte gehofft, von der Marine als Stützpunkt ausgewählt zu
werden und damit den „größten wirtschaftlichen und demografischen Schub
seit Jahrzehnten“ zu erhalten, wie Bremerhavens früherer Bürgermeister Melf
Grantz noch im Frühjahr sagte. Ganz leer ist Bremerhaven nun aber auch
nicht ausgegangen: eine Milliarde Euro fließt in den kommenden Jahren hier
hin, um den Überseehafen zu einem sogenannten „Deployment Hub“ zu
entwickeln. Für den Verteidigungsfall soll der Hafen so ausgebaut und
modernisiert werden, dass Bundeswehr und Nato-Partner Personal und Material
verschiffen können.
5 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
## TAGS
(DIR) Emden
(DIR) Bundeswehr
(DIR) Nordsee
(DIR) Militär
(DIR) Boris Pistorius
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