# taz.de -- Militärgeld für Bremerhaven: Zeitenwende spült Geld an
> Das Geld für Bremens Häfen ist beisammen. Mit 1,3 Milliarden Euro werden
> Überseehafen und Flughafen kriegstüchtig gemacht – unter linker
> Hafensenatorin.
(IMG) Bild: Braucht solide Kaianlagen: Verladung von Panzern in Bremerhaven, hier für die US-Armee 2017
Jetzt ist es durch: Dicke 1,3 Milliarden Euro werden in Bremens Häfen
gesteckt, zwischen 2026 und 2031. Der Großteil des Geldes kommt von der
Bundeswehr. Das Wort „Militärhafen“, das noch letzten Herbst kursierte,
hört man nicht gerne, lieber spricht der Bremer Senat von einem „Deployment
Hub“: In Zukunft soll der Überseehafen in Bremerhaven geeignet sein, im
Verteidigungsfall für die Bundeswehr und Nato-Partner Personal und Material
zu verschiffen, also: Soldat*innen, Panzer und anderes Kriegsgerät.
Allein in Bremerhaven wird dafür über die nächsten fünf Jahre eine
Milliarde Euro investiert. Das ist für die Stadt eine unglaubliche Summe,
sie entspricht ungefähr dem kompletten Jahresbudget. Dass das Geld kommen
würde, ist eigentlich schon lange bekannt – und stand doch vor Kurzem
wieder in Frage.
Die Bundeswehr forderte vom Land, eigene Mittel dazuzugeben. Schließlich
kommt die Aufpäppelung des Hafens für militärische Zwecke auch zivilen
Nutzungen zu Gute: eine verstärkte Brücke kann nicht nur Panzer, sondern
auch Lkw transportieren, ein tieferes Hafenbecken dient nicht nur
Fregatten, sondern auch Containerschiffen. Bremen will diese Möglichkeiten
nutzen dürfen.
Die verschiedenen Seiten rechneten für alle 42 Maßnahmen aus, für wen der
Nutzen jeweils wie groß sein würde – und wer deshalb wie viel investieren
solle. Heraus kam eine Zahl von 202 Millionen Euro, die Land und Stadt
selbst beisteuern sollten. Das Land Bremen hatte seinen Anteil daran schon
im Haushalt eingeplant, 169 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Hafen.
## Bremerhavens Anteil hat schließlich das Land übernommen
Was noch fehlte, waren schlappe 33 Millionen Euro – die sollten von der
Stadt Bremerhaven selbst kommen. Doch dieses Geld fehlte im [1][Haushalt
der notorisch klammen Stadt,] die im Juni ohnehin nur mit Müh und Not einen
Haushalt für das Jahr präsentieren konnte.
Ein Scheitern der Milliardeninvestition war natürlich keine Option für das
Bundesland. Der Senat hat vergangene Woche geliefert und den kommunalen
Eigenanteil jetzt selbst übernommen; das Geld kommt aus dem bremischen
Landesanteil am Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz.
Bremen und Bremerhaven scheinen mit ihrem Eigenanteil gut wegzukommen.
Einige der Projekte, die jetzt auch mit Bundesgeld umgesetzt werden, hätten
ohnehin kommen sollen: So war etwa schon vorher klar, dass die Stromkaje,
also der Anleger am Ufer der Außenweser, saniert werden muss. Der Bund
hätte darauf warten und sein Geld sparen können, doch dann hatte die
Sanierung vermutlich weit länger gedauert. Die Nato aber will schon ab 2027
erste Ergebnisse sehen. So kriegt das Land nun einen Großteil der Kosten
geschenkt.
Dem Bund wird’s recht sein. Es ist bei den Militärmilliarden eingepreist,
dass auch zivile Akteure etwas davon haben. Der sogenannte Dual Use soll
die Bevölkerung für die hohen Ausgaben wohlgesonnen machen.
In Bremerhaven profitiert nicht nur die Hafenwirtschaft: Da auch die
Zufahrtswege für die Anlieferung von schwerem Kriegsgerät herhalten müssen,
gibt es auch für Straßen und Brücken in der Stadt 259 Millionen Euro: Unter
anderem wird die Barkhausenstraße wird saniert und offenbar auch eine
Brücke über die Stresemannstraße neu gebaut.
Der Rest des Geldes, rund 160 Millionen Euro, fließt in den Bremer
Flughafen. Dort soll mehr Logistikfläche entstehen, auch die Start- und
Landebahnen sollen verstärkt werden. Der klamme Flughafen kann
Investitionen sicherlich gebrauchen – [2][am strukturellen Defizit ändert
das Geld allerdings nichts]; schon 2027 könnte wieder einmal die Insolvenz
drohen, vermeldete Radio Bremens Regionalmagazin „Buten un binnen“ erst
vergangene Woche.
Die großzügige Förderung wurde in der deutschen Hafenwirtschaft im Winter
mit Ambivalenz aufgenommen. Gefordert hatten die Seehäfen schon zuvor
[3][mehr Engagement des Bundes für die deutschen Häfen]. Der
Investitionsstau liegt laut Zentralverband der Deutschen Seehäfenbetriebe
(ZDS) bei rund 15 Milliarden Euro; aktuell steuert der Bund jährlich nur
38,8 Millionen Euro bei. Fast im Monatsabstand fordert der ZDS mehr.
Schließlich, so die Argumentation, sei die ganze Republik darauf
angewiesen: Ohne funktionierende Häfen keine Exporte.
Die Milliardenförderung des Bundes im November 2025 hat die Branche
insofern begrüßt – sie sorgte aber auch für Neid. Gerade Hamburg als
Standort des größten deutschen Seehafens soll nicht erfreut gewesen sein,
dass ein anderer Hafen bedacht wurde. Bürgermeister Peter Tschentscher
(SPD) kritisierte danach den aus Hamburg stammenden maritimen Koordinator
der Bundesregierung, Christoph Ploß für seine „Nacht-und-Nebel-Aktion“.
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hingegen lobte bei der
Vorstellung des Milliardenpakets nicht nur den eigenen
Bundestagsabgeordneten für Bremen, sondern auch dessen CDU-Konterpart
Thomas Röwekamp.
Die Entscheidung, wohin der geplante neue Marinehafen der Bundeswehr geht,
ist noch nicht gefällt. Anfang August hieß es, die Entscheidung sei gegen
Bremerhaven und für Emden gefallen. Bestätigt hat das die Bundeswehr
allerdings noch nicht.
Auch ohne Marinehafen hat der „Deployment Hub“ seinen Preis: Wenn man die
militärische Gefahr ernst nimmt – und das tut man mit der Investition ja –,
dann werden Bremerhaven und auch der Bremer Flughafen dadurch zum wichtigen
Angriffsziel.
Dieser Militarisierung des Hafens hat auch Bremens linke Wirtschafts- und
Hafensenatorin Kristina Vogt nun den Weg geebnet; dabei sind die Linken
weiterhin kritisch gegenüber steigenden Ausgaben für militärische Zwecke.
Noch vor anderthalb Jahren hatte sich auch Vogt selbst gegen
Militarisierung positioniert: Im März 2025 entschied sie, ein
verteidigungspolitisches Positionspapier der norddeutschen Wirtschafts- und
Verkehrsminister nicht mit zu unterzeichnen, weil darin auch Lockerungen
für Rüstungsexporte gefordert wurden.
13 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bremerhaven-soll-abhaengiger-werden/!6125412
(DIR) [2] /Lufthansa-streicht-Inlandsfluege/!6178089
(DIR) [3] https://zds-seehaefen.de/2025/09/23/bundeswehrmanoever-red-storm-bravo-seehaefen-sind-schluesselorte-der-zeitenwende/
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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