# taz.de -- Wahltag in Bosnien und Herzegowina: Kampf um Stimmen und Identitäten
       
       > Mittelstürmer Edin Džeko lässt sich zum Abschied als multikulturelle
       > Seele Bosniens feiern. Ob sich das auch bei den Wahlen widerspiegelt?
       
 (IMG) Bild: Verkörpert die nicht nationalistische bosnische Identität: Mittelstürmer Edin Džeko
       
       An der Zahl 11 kommt dieser Tage in Bosnien niemand vorbei. Wer in Sarajevo
       Ćevapi bestellt, findet 11 und nicht wie normal 10 dieser bosnischen
       Rostbratwürstchen auf dem mit Zwiebeln garnierten Teller. Und auch nicht an
       dem blauen Trikot mit der Zahl 11 auf dem Rücken, das überdimensioniert an
       Häuserwänden prangt und von Tausenden Kindern, Musikern und den
       Schachspielern im Zentrum der Stadt getragen wird.
       
       Die 11 ist die Rückennummer des treffsicheren bosnischen Mittelstürmers
       Edin Džeko, der einst in Deutschland für Wolfsburg auflief und den Club
       2009 zur Meisterschaft führte. Am Donnerstag, beim Spiel in der Nations
       League gegen Schweden, durfte Džeko noch einmal für eine Halbzeit in der
       multinationalen Truppe mitspielen, um dann den angekündigten Abschied mit
       dem unbeschreiblichen Jubel zu genießen.
       
       Der Jubel gilt auch seiner Haltung, als bosnische Seele, der das Gemeinsame
       sucht und nicht das Trennende, der als Kind von seiner Mutter vor einer
       Granate auf Sarajevo gerettet wurde und später als Fußballer viel Geld für
       Kriegsopfer spendete. Bei den Wahlen an diesem Sonntag hätte er haushoch
       gewonnen, wäre er Kandidat gewesen.
       
       Die Erfolge der multinational zusammengesetzten Fußballmannschaft schon bei
       der WM haben viel zum Gemeinsinn beigetragen. Deshalb wollen die
       Nationalisten der Serben und Kroaten von der Nationalmannschaft nichts
       wissen, obwohl doch viele ihrer Leute heimlich gucken, wenn die spielen. Ob
       dies auch die Motivation gibt, bei den Wahlen die Nationalisten abzuwählen,
       wird interessant sein.
       
       ## Neue Elektronik soll gegen Fälschungen helfen
       
       Wie immer die [1][Wahlen in Bosnien und Herzegowina diesen Sonntag] auch
       ausgehen werden: Das fragmentierte politische System, das auch jetzt bei
       den Wahlen nur Teilaspekte der wirklichen Stimmung der Menschen in dem
       geteilten Land widerspiegeln kann, ist ein großes Hindernis für die
       gleichberechtigte Anerkennung der Bosnier in Europa. Die ständige
       Diskussion über Korruption und Manipulation färbt auf die Menschen ab, sie
       werden nicht als gleichberechtigte Bürger in Europa wahrgenommen, obwohl
       ihnen dieses System durch ausländische Mächte – auch durch Europa – 1995 in
       Dayton aufgezwungen wurde. Sie wurden gar nicht gefragt.
       
       Ob das jetzt nach den Wahlen anders wird, sei trotz des neuen
       elektronischen Wahlsystems dahingestellt. Zumindest Auswüchse wie bei den
       letzten Wahlen 2022, als sich in der Auszählnacht die Wahltendenz in Banja
       Luka, der Hauptstadt der serbischen Entität im geteilten Staat, dramatisch
       umdrehte, wird es nicht mehr geben. Damals hatte nach allen Umfragen und zu
       Beginn der Auszählung der Autokrat Milorad Dodik weit hinten gelegen, um
       dann „überraschend“ doch noch zu siegen.
       
       Mit einer Intervention des letzten Hohen Repräsentanten, des Deutschen
       Christian Schmidt, änderte sich dies. Schmidt setzte ein [2][neues
       Auszählverfahren] im Wahlrecht durch. Christian Schmidt hat also gerade
       noch rechtzeitig vor seiner Absetzung die Reißleine gezogen. Erstmals
       müssen Wählerinnen und Wähler im Wahllokal ihren Ausweis durch ein
       biometrisches Lesegerät prüfen lassen und einen Fingerabdruckscanner
       nutzen. Die ausgefüllten Stimmzettel werden dann in einen Scanner
       eingelesen. Die Wahlzettel bleiben dabei erhalten und können gegebenenfalls
       von Hand nachgezählt werden. In rund 6.000 Wahllokalen wird diese Prozedur
       zum Einsatz kommen.
       
       Nicht zuletzt wegen dieser ‚Wahlprozedur‘ setzte Milorad Dodik alles daran,
       [3][Schmidt als Hohen Repräsentanten mithilfe Trumps zu kippen]. Was ihm
       auch im Mai 2026 gelang. Fragt sich, ob er nach den Wahlen selbst als
       gerupfter Hahn posieren muss.
       
       4 Oct 2026
       
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