# taz.de -- Konflikt am Horn von Afrika: Äthiopien und Eritrea am Rande des Krieges
       
       > Während Äthiopiens Armee in der Region Tigray vorrückt, sammeln sich
       > Äthiopiens Gegner in Ägypten. Eritrea bricht die diplomatischen
       > Beziehungen ab.
       
 (IMG) Bild: Kämpfer der „Tigray Peace Force“, die mit Äthiopiens Armee Tigrays TPLF-Rebellen bekämpft, in Tigrays Hauptstadt Mekelle am Sonntag
       
       Im Nordosten Afrikas nimmt eine regionale Allianz gegen Äthiopien Form an
       und könnte den eskalierenden Krieg zwischen Äthiopiens Regierung und der
       aufständischen Tigray-Rebellenbewegung TPLF (Tigray-Volksbefreiungsfront)
       in einen internationalen Konflikt verwandeln. Die Präsidenten von Eritrea,
       Somalia und Sudan trafen am Sonntag in Ägypten mit dem dortigen Präsidenten
       Abdelfattah al-Sisi zusammen und sprachen nach amtlichen ägyptischen
       Angaben über „regionale Fragen von gemeinsamem Interesse“. [1][Der Gipfel]
       erfolgte im Anschluss an ein Treffen der Afrikanischen Union (AU), auf dem
       Sissi zum „Dialog“ über grenzüberschreitende Konflikte aufgerufen hatte.
       
       Dialog führen die vier Regierungen vor allem miteinander – und sie alle
       sind Gegner von Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed. Seit dieser
       Anspruch auf Zugang zur eritreischen Küste am Roten Meer formuliert,
       unterstützt Eritrea die aufständische TPLF und hat äthiopische
       Regierungsgegner bei Treffen in Sudan zusammengebracht.
       
       Sudan wirft Äthiopien vor, die aufständische Miliz RSF (Rapid Support
       Forces) zu unterstützen, und ist gemeinsam mit Ägypten ein scharfer Gegner
       des äthiopischen Ausbaus von Wasserkraft am Oberlauf des Blauen Nils. Der
       kann den Wasserzufluss nach Sudan und Ägypten saisonal verringern. Für
       Somalia ist die äthiopische Unterstützung der abgespaltenen Republik
       Somaliland ein Dorn im Auge.
       
       [2][In Äthiopien herrscht seit einigen Wochen wieder Krieg]. Die TPLF
       gründete am 20. September mit anderen bewaffneten Gruppen des Landes eine
       neue Rebellenallianz und verübte wenige Tage später aus der weitgehend von
       ihr kontrollierten nordäthiopischen Region Tigray heraus Angriffe auf
       Armeestellungen in den Nachbarregionen Afar und Amhara. Ende vergangener
       Woche schlugen äthiopische Regierungstruppen jedoch die Rebellen zurück und
       rückten zusammen mit TPLF-feindlichen tigrayischen Milizen in Tigray ein.
       
       Die Kämpfe im Süden Tigrays waren offenbar sehr heftig. Die Stadt Alamata
       wurde vergangene Woche tagelang von schwerem Artilleriefeuer erschüttert,
       das Krankenhaus der Stadt meldete mindestens 52 zivile Tote, unter anderem
       beim Beschuss eines gut besuchten Marktes. In der Nacht zum Freitag wurde
       Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba mit Drohnen beschossen. Die Drohnen
       schlugen in der Nähe des Armeehauptquartiers ein.
       
       ## Äthiopiens Armee steht in Tigrays Hauptstadt
       
       Äthiopiens Armee hat nun offenbar die Oberhand gewonnen. Am Sonntag
       patrouillierte sie [3][in den Straßen von Tigrays Hauptstadt Mekelle],
       welche die TPLF am Vortag unblutig geräumt hatte. [4][Die Rebellen
       erklärten], sie hätten sich „zeitweise“ zurückgezogen und würden nun „von
       woanders“ regieren. Sie kontrollieren nach wie vor den Großteil der
       Provinz, und da sie anders als im ersten Tigray-Krieg 2020-22 vom
       Nachbarstaat Eritrea unterstützt werden, brauchen sie keine Umzingelung zu
       befürchten.
       
       Am Wochenende spekulierten regierungsfreundliche äthiopische Kreise, die
       TPLF-Führung könnte sich komplett nach Eritrea abgesetzt haben. Dies
       erscheint unwahrscheinlich, könnte aber darauf hindeuten, dass Äthiopiens
       Regierung ins Auge fasst, die Tigray-Rebellen bis auf eritreisches Gebiet
       zu verfolgen.
       
       Äthiopien und Eritrea bereiten sich beide auf eine mögliche Konfrontation
       vor. [5][Äthiopien schloss] am vergangenen Donnerstag seine Botschaft in
       Eritreas Hauptstadt Asmara und wies zugleich zehn eritreische Diplomaten
       wegen „direkter und indirekter feindseliger und kriegerischer Handlungen“
       aus Äthiopien aus. [6][Eritrea reagierte] wenige Stunden später mit dem
       Abbruch „aller“ diplomatischen Beziehungen.
       
       4 Oct 2026
       
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