# taz.de -- G7-Maßname gegen hohe Spritpreise: Umweltschützer kritisieren Freigabe von Ölreserven
> Die von den europäischen G7-Ländern geplante Maßnahme wird die
> Spritpreise kaum nachhaltig senken. Immerhin senden sie ein Signal an den
> Markt.
(IMG) Bild: Fraglich, ob die Freigabe der Ölreserven zu geringeren Spritpreisen führen wird
dpa/afp | Umweltschützer und Grüne sind gegen die Freigabe der Ölreserven
durch die europäischen G7-Staaten. Europa dürfe nicht den „Drohungen“ aus
den USA nachgeben, kritisierte Greenpeace. „Die Abhängigkeit von Benzin und
Diesel macht uns geopolitisch erpressbar“, so die Umweltschutzorganisation.
„Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit“,
sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner. „Die Reserven sind für
echte Notfälle da und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im
Wahlkampf die Felle davonschwimmen.“
Die europäischen G7-Staaten hatten am Freitag beschlossen, dass unter
Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) im Lauf der nächsten
vier Monate 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel freigegeben werden. Die
Menge entspricht in etwa der Nachfrage an Rohöl, von der die IEA weltweit
pro Tag ausgeht. Das Signal an den Markt: Es ist genügend Öl vorhanden, es
droht keine Knappheit. Zu den G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien,
Großbritannien, die USA, Kanada und Japan.
Mit der Maßnahme sollen die [1][Ölpreise] eingedämmt werden, die wegen des
[2][Kriegs im Nahen Osten] seit Monaten auf Höhenflug sind. In der für den
weltweiten Energiehandel wichtigen Straße von Hormus werden weiter Tanker
beschossen, die USA verlegen Medienberichten zufolge weitere Kriegsschiffe
in die Region. Deshalb wächst die Furcht vor Versorgungsengpässen. Das
treibt die Preise.
Seit Beginn des Jahres ist Rohöl der Sorte Brent um mehr als 60 Prozent
teurer geworden, was mittlerweile zu einem Anstieg der weltweiten Inflation
geführt hat. Die Marke von 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) wurde
überschritten. Die G7 wollen den Anstieg der Ölpreise bremsen. Denn der
kommt an der Tankstelle an und belastet Verbraucher und Wirtschaft. Hier
steuert Deutschland bereits mit dem umstrittenen Tankrabatt bis Ende des
Jahres gegen.
## Deutschland kaum von Dieselimporten abhängig
Die freigegebenen Mengen aus Deutschlands Ölreserve werden nun zu aktuellen
Marktpreisen verkauft. Sie sollten eigentlich zur Abwendung einer
Mangellage dienen, nicht zur Senkung etwa von Benzin- und Dieselpreisen.
US-Präsident Donald Trump hatte jedoch angekündigt, einen [3][Exportstopp
für Diesel] aus den USA zu prüfen. Dies könnte eine Entlastung bei den
Spritpreisen in seinem Land bringen. In der Erklärung der G7 steht nun aber
ausdrücklich, dass Mitgliedstaaten keine derartigen Beschränkungen
vornehmen.
Deutschland hat hohe Raffineriekapazitäten und ist daher kaum von
Dieselimporten abhängig. Unter dem Strich wurde im ersten Halbjahr 2026
sogar mehr Kraftstoff exportiert als importiert. Insgesamt kamen 15,8
Millionen Tonnen Diesel aus heimischer Produktion – ein Plus von 9,4
Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt berechnet
hat. Bei Dieselkraftstoff waren Belgien (55,1 Prozent) und die Niederlande
(39,7 Prozent) die Hauptlieferanten der insgesamt lediglich 858.000 Tonnen,
die Deutschland einführte. Zudem wurden 2,06 Millionen Tonnen Diesel
exportiert.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es mit Blick auf Trumps
Äußerungen zu einem möglichen Exportstopp: „Grundsätzlich gilt: Der Markt
darf nicht verunsichert werden.“ Auch Deutschland hält Ölreserven, um
Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen Ölvorräten könnte laut
Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein Ausfall aller Importe
ausgeglichen werden. Das Ministerium betonte, die Freigabe sei kein Risiko
für die Energieversorgung.
Die Spritpreise gaben der Vergleichs-App „Tankerkönig“ zufolge nach der
Entscheidung der G7 im bundesweiten Durchschnitt bis Sonntag leicht nach.
Bei Super E10 um etwas über zwei Cent je Liter, bei Diesel kräftiger um
rund 6 Cent.
Autofahrer*innen werden aber kaum entlastet. Die Freigabe sei ähnlich
wie der Tankrabatt ein Pflaster, das nur kurzfristig Linderung verschaffen
könne, sagte Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
4 Oct 2026
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