# taz.de -- Champions League der Frauen: Unfreundlicher Empfang
       
       > Zur Premiere in der neuen Heimat Unterhaching spielt der FC Bayern 2:2
       > gegen Manchester City. Allzu viele Leute haben sich dafür nicht
       > interessiert.
       
 (IMG) Bild: Störender Rauch in Unterhaching: Schiedsrichterin Olatz Rivero Olmedo bei Aufräumarbeiten
       
       Nur noch wenige Minuten waren bis zur Halbzeit zu spielen, als sich der
       Männerfußball in den Frauenfußball einmischte – beziehungsweise Fans des
       Männerfußballs. Zwar gilt auch in diesem Fall zunächst die
       Unschuldsvermutung, aber es deutet schon sehr viel darauf hin, dass es
       Anhänger der SpVgg Unterhaching waren, die während des
       Champions-League-Spiels der Frauen des FC Bayern München gegen Manchester
       City am Dienstagabend zwei Nebeltöpfe auf das Spielfeld geworfen haben.
       
       Denn der eine Nebeltopf erzeugte blauen Rauch, der andere roten: die Farben
       der Spielvereinigung. Ein Motiv hätten die Anhänger des Regionalligisten
       auch, schließlich hatte der FC Bayern zu Beginn dieses Jahres den Sportpark
       Unterhaching gekauft, um dort seine Frauenabteilung anzusiedeln – was nicht
       allen Fans des kleinen Nachbarn gefiel.
       
       Was im Normalfall eine Randnotiz geblieben wäre, erhielt größere Bedeutung
       dadurch, dass die vermutlich von außerhalb des Stadions geworfenen
       Nebeltöpfe in der Nähe der Eckfahne liegen blieben. Bayern-Torhüterin Ena
       Mahmutovic reklamierte, Schiedsrichterin Olatz Rivera Olmedo unterbrach die
       Partie aber nicht. Citys Kerstin Casparij dribbelte direkt am blauen Rauch
       vorbei und bereitete den 1:2-Anschlusstreffer durch Beth Mead (45.) vor.
       „Der Bengalo lag schon lange auf dem Platz. Alle schauen dorthin, einige
       haben teilweise schon abgeschaltet. Dann musst du unterbrechen. Das ist
       unglaublich schlecht gemanagt von der Schiedsrichterin“, ärgerte sich
       Bayern-Direktorin Bianca Rech.
       
       Nachdem die Bayern-Frauen ManCity in der ersten Halbzeit dominiert hatten
       und durch ein Tor von Giulia Gwinn und ein Eigentor von Casparij verdient
       mit 2:0 führten, veränderten sich nach dem Anschlusstreffer die
       Kräfteverhältnisse. Zunächst parierte Mahmutovic noch einen Foulelfmeter
       von Khadija Shaw (62.), in der 86. Minute erzielte die deutsche
       Nationalspielerin Carlotta Wamser dann aber das Tor zum 2:2-Endstand.
       
       Ausgerechnet Wamser also, an der auch der FC Bayern im Sommer interessiert
       gewesen sein soll. Während man in München aber offenbar nicht bereit war,
       die Ablöseforderungen von Bayer Leverkusen zu erfüllen, zahlte Manchester
       City geschätzte 650.000 Euro für die Außenverteidigerin. Die 22-Jährige
       wurde damit zur Symbolfigur eines aus Sicht der Bundesliga unguten Trends:
       [1][Immer mehr Stars verlassen die Liga und wechseln nach England]. Auch
       der FC Bayern musste Georgia Stanway zu Arsenal ziehen lassen.
       
       ## Erster Rückschlag für den FC Bayern
       
       Die Women’s Super League hat sich gegenüber der Bundesliga einen
       sportlichen und finanziellen Vorsprung erarbeitet. Es sei klar, dass die
       englische Liga derzeit mehr Qualität habe, sagte Rech bereits vor der
       Partie, „das muss man neidlos anerkennen. Die Frage ist: Wie schaffen wir
       es kurz- und mittelfristig wieder, ihnen mehr Konkurrenz zu machen?“
       
       Eine Maßnahme ist [2][die Ausgliederung des neugegründeten Ligaverbandes
       FBL aus dem DFB], die letzte Woche vollzogen wurde. Die Bundesliga soll
       dadurch besser vermarktet werden, damit [3][die Vereine finanziell aufholen
       können]. Was das Remis noch ein bisschen ärgerlicher macht, wäre ein Sieg
       des FC Bayern über Englands Meisterinnen doch ein starkes Zeichen für die
       Konkurrenzfähigkeit des deutschen Frauenfußballs gewesen.
       
       „Das Ergebnis geht am Ende in Ordnung. Aber natürlich hatten wir uns mehr
       erhofft“, haderte Klara Bühl. Auch für die Ambitionen der Münchnerinnen war
       der Start in die Ligaphase der Champions League zumindest ein kleiner
       Rückschlag, schließlich soll in dieser Saison endlich der Einzug ins Finale
       gelingen.
       
       In den Plänen des FC Bayern, in der Champions League nach den Sternen zu
       greifen und Stars wie Bühl in München zu halten, spielt der Sportpark
       Unterhaching eine zentrale Rolle. Bis 2029 soll dort ein hochmodernes
       Leistungszentrum entstehen, das 15.000 Menschen fassende Stadion bietet
       eine passende Bühne für internationale Begegnungen.
       
       Weshalb es schon ein bisschen enttäuschend war, dass zur
       Pflichtspielpremiere am Dienstag nur 4.291 Fans kamen. Rech verwies in
       diesem Zusammenhang auf eine „Gegenveranstaltung in der Stadt“, sie meinte
       das Oktoberfest. Dieser Störfaktor fällt bald weg, die Wiesn ist beendet,
       wenn Real Madrid am 28. Oktober zum nächsten Heimspiel nach Unterhaching
       reist. Bleibt zu hoffen, dass dann auch Störungen von außerhalb ausbleiben.
       
       23 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deutsche-Frauen-Bundesliga/!6209087
 (DIR) [2] /Deutsche-Frauen-Bundesliga/!6209087
 (DIR) [3] /Vorschau-auf-Frauen-Bundesliga/!6205523
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Stüwe
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Fußball
 (DIR) Frauenfußball
 (DIR) FC Bayern München
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Deutsche Frauen-Bundesliga: Bangen um das große Geschäft
       
       In den Playoffs zur Women’s Champions League kämpfen der VfL Wolfsburg und
       Eintracht Frankfurt auch gegen den Bedeutungsverlust der Bundesliga.
       
 (DIR) Eigenständige Frauenfußballliga: Komplizierte Kompromisse
       
       Eine vom DFB losgelöste eigenständige Frauen-Bundesliga wird es wohl erst
       im Herbst 2027 geben. Zuvor muss aber ein TV-Vertrag ausgehandelt werden.
       
 (DIR) Gwinn-Vertretung Carlotta Wamser: In der Liga unterschätzt
       
       In der Bundesliga hatte Carlotta Wamser in der letzten Saison nicht viel
       Spielzeit. Jetzt vertritt sie Kapitänin Giulia Gwinn bei der EM im
       DFB-Team.