# taz.de -- Hape Kerkeling und das AfD-Verbot: Zur Lage der Nation in drei Sätzen
       
       > Der Komiker Kerkeling hat im Thüringer Landtag die Rede der Woche
       > gehalten. Er repräsentiert so klar das Grundgesetz, dass man denkt: Warum
       > wird der nicht Bundespräsident?
       
 (IMG) Bild: Redner der Nation: Hape Kerkeling bei der Anhörung am Mittwoch im Thüringer Landtag
       
       Ein Komiker, der es ernst meint. Der in drei Sätzen zusammenfassen kann,
       worum es geht. In aller Klarheit. Das ist Hape Kerkeling, der am
       Mittwochabend mit Sicherheit die Rede der Woche gehalten hat. Eine Rede,
       die zum Tag der Deutschen Einheit in Dauerschleife laufen sollte.
       
       Denn Kerkelings Credo lautet: Erstens: Das Grundgesetz ist
       antifaschistisch. Zweitens: Wer die verbrecherische Vergangenheit dieses
       Landes verharmlost und umdichtet, verwirkt jede politische
       Daseinsberechtigung in unserer Demokratie. Und drittens: Wer nicht
       verantwortungsvoll mit der Geschichte Deutschlands umgeht, darf nicht
       Verantwortung für seine Zukunft übernehmen.
       
       Vorgetragen hat er seinen Dreisatz im Justizausschuss des Thüringer
       Landtags bei der [1][Anhörung über die Einleitung eines
       Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD], wie es ganz formal hieß. Eingeladen
       war er nicht als Komiker, auch nicht als Justizexperte, sondern als
       Nachfahre eines NS-Opfers. Sein Großvater war drei Jahre im
       Konzentrationslagers Buchenwald inhaftiert. [2][Schon zum Jahrestag der
       Befreiung des KZ im April hatte Kerkeling mit einer eindrucksvollen Rede
       daran erinnert].
       
       Gerade aus dieser persönlichen Geschichte hat er nun den Blick auf das
       heutige Deutschland abgeleitet. Und auf ein Verbot der AfD, dass er für
       unumgänglich hält. Denn eine Partei, die schon wie die Nazis vor 100 Jahren
       auf Angst, Lügen und Hass baue, habe in unserem Land mit seiner
       grauenvollen Geschichte keinen Platz.
       
       Er wünsche sich einen Tag, an dem niemand Angst haben müsse, nur weil er
       lebt, anders aussieht oder anders glaubt, sagte Kerkeling. Und fügte
       unmissverständlich hinzu: „Diesen Tag bauen wir nicht mit Schweigen, wir
       bauen ihn mit einer Unterschrift“ – unter den Antrag zum
       AfD-Verbotsverfahren.
       
       Denn das Versprechen unseres Staats laute: Wir dulden keinen Faschismus in
       Deutschland. Und wer schweige, wenn die Demokratie angriffen wird, habe
       sich schon für eine Seite entschieden. Auch wenn er vielleicht glaube,
       neutral geblieben zu sein. Denn die Verteidigung des Grundgesetzes sei
       keine Frage von links oder rechts.
       
       Jeder einzelne Satz seines fünfminütigen Statements hat gesessen. Und
       spätestens wenn man Kerkeling dabei zuhört, wie er den ersten Artikel, den
       wichtigsten Satz des Grundgesetzes, nicht einfach nachbetete, sondern durch
       die betonte Zerlegung der Silben – die Würde des Menschen ist un – an –
       tastbar! – die ganze humanistische Kraft oder, wie Kerkeling es später in
       der Aussprache betonte, die Zärtlichkeit des Wortes „unantastbar“
       hervorhebt, dann freut man sich nicht nur über seine klare Sprache, sondern
       fragt sich sogleich: Wäre diese Sprachgewalt kombiniert mit Haltung nicht
       geradezu prädestiniert für ein Amt im Staate Deutschland?
       
       Anfang 2027 wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Nichts wäre stärker,
       zeitgemäßer für das Amt als ein Mensch wie Hape Kerkling. Tatsächlich gibt
       es schon seit Monaten [3][auf WeAct eine Initiative, die die
       Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Bundestag auffordert,
       Kerkeling als Kandidaten zu benennen]. Fast 150.000 Menschen haben den
       Aufruf mittlerweile unterzeichnet. Zu Recht, denn er wäre mit seiner
       Haltung und seiner Geschichte die Person, den unabdingbaren Widerstand
       gegen den aufkeimenden Faschismus verkörpern könnte.
       
       Natürlich wird Kerkeling dennoch nicht zum Bundespräsidenten gewählt
       werden. Nicht, weil er als Komiker ungeeignet wäre. Nicht, weil er trotz
       seiner betonten Überparteilichkeit dann doch als etwas zu links für eine
       die Bundesversammlung dominierende CDU/CSU gelesen werden kann. Sondern
       weil er mit seinem klaren Antifaschismus vor allem die Union verschreckt,
       der so viel Brandmauer zu weit geht. Es ist fatal.
       
       Ein Komiker, der es ernst meint, würde dem Land guttun. Stattdessen wird es
       wohl wieder eine:r von denen, die es ernst meinen, aber meist nur komisch
       wirken.
       
       2 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Anhoerung-zum-AfD-Verbotsverfahren/!6217736
 (DIR) [2] /Erinnerung-an-NS-Opfer/!6169011
 (DIR) [3] https://weact.campact.de/petitions/hape-kerkeling-als-bundesprasident-ein-zeichen-fur-eine-starke-demokratie
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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