# taz.de -- Mögliche Steinmeier-Nachfolgerinnen: Eine Bundespräsidentin könnte das Land verändern
       
       > Im Januar wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Oder zum ersten Mal
       > eine Bundespräsidentin. Zeit für eine Frau ist es in jedem Fall.
       
 (IMG) Bild: Bundespräsidentin? Ilse Aigner von der CSU ist schon mal gut aufgestellt, was die Wahl von Frauen betrifft
       
       Stell dir vor, ein Bundespräsident spricht und alle hören zu. Dafür fehlt
       den meisten inzwischen wohl die Vorstellungskraft. Wer das höchste Amt im
       Land bekleidet, scheint für viele irrelevant zu sein. Das liegt aber nicht
       an diesem Amt, sondern an seinem derzeitigen Inhaber, der seit neun Jahren
       alles dafür getan hat, dass es in Vergessenheit geraten ist.
       
       Wohlwollend könnte man sagen, dass Frank-Verwalter Steinmeier nicht zur
       Polarisierung der Gesellschaft beigetragen hat. Mit seinen stets
       ausgewogenen Reden bemüht er sich redlich, für den Erhalt der Demokratie zu
       werben und den kleinsten gemeinsamen Nenner zu formulieren. Leider führt
       das aber nur dazu, dass alle brav nicken, wenn sie nicht vorher schon
       eingenickt sind. Eine neue Debatte hat Steinmeier noch nie entfacht.
       
       Wer mit dem netten Moderator im Schloss Bellevue zufrieden ist, mag sich
       einen ähnlichen Schutzherrn des Status quo als Nachfolger wünschen. Und
       natürlich gibt es gerade drängendere Probleme als die Frage, an wen ein
       politisch eher machtloser Posten im nächsten Januar vergeben wird. Aber es
       gibt auch die Macht des Wortes – und frühere Bundespräsidenten haben sie
       durchaus genutzt, um für einen Erkenntnisgewinn zu sorgen. Manchen gelang
       es sogar, ja, man glaubt es kaum, die Gesellschaft zu verändern.
       
       Die Älteren werden sich an Richard von Weizsäcker erinnern, der mit seiner
       Bezeichnung des 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ den Blick auf die
       NS-Zeit nachhaltig geprägt hat, weil das vor ihm kein Unionspolitiker zu
       sagen gewagt hatte. Mutig war auch [1][Christian Wulff, der zum Entsetzen
       vieler Parteifreunde feststellte: „Der Islam gehört zu Deutschland.]“ Das
       war schön deutlich und gut. Beim Blick auf die Liste der zwölf bisherigen
       Repräsentanten der Republik könnte man allerdings den Eindruck gewinnen,
       dass Frauen nicht zu Deutschland gehören.
       
       Dass es also höchste Zeit für die erste Bundespräsidentin wird, ist jetzt
       auch der Union aufgefallen – weshalb derzeit nur Kandidatinnen ins Gespräch
       gebracht werden. Eine stille Parteisoldatin wäre aber kein großer
       Fortschritt. Deshalb wird es nun spannend, ob die liberale
       [2][CDU-Kulturpolitikerin Monika Grütters] wirklich Chancen hat, die ihrem
       Parteichef Friedrich Merz eventuell manchmal widersprechen könnte. Noch
       interessanter ist die [3][Aspirantin Ilse Aigner,] weil eine
       Bundespräsidentin von der CSU die Kanzlerambitionen von CSU-Chef Markus
       Söder wohl endgültig begraben würde. Aber da geht noch mehr. Wer sich
       wünscht, dass die nächste Präsidentin eindrucksvoller als Steinmeier wird,
       muss sich rechtzeitig einmischen und Druck machen.
       
       19 Mar 2026
       
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