# taz.de -- Verwahrlostes Gebäude: Kafkaeske Kommunikation
       
       > Seit die Deutsche Wohnen ihr Haus übernommen hat, geht es steil bergab:
       > Die BewohnerInnen des Maybachufer 6 haben Probleme mit Sauberkeit und
       > Sicherheit.
       
 (IMG) Bild: Probleme gibt es gleich im Hausflur
       
       Im Hausflur liegen Rattenköttel – obwohl die App meldet, dass die
       Hausreinigung im Maybachufer 6 ihre Arbeit erledigt hat. Der Bauschutt vom
       neuen Müllplatz lagert seit Monaten im Hof, seit einem Dreivierteljahr
       lässt sich die Eingangstür leicht aufdrücken. „Das hat sich bei
       Drogenkonsumenten rumgesprochen“, berichtet ein Familienvater.
       
       Mehrere Briefkästen sind aufgebogen, regelmäßig findet die Bewohnerschaft
       Spritzenbesteck und Kothaufen im Treppenhaus. Vor Kurzem sah sich ein
       Bewohner aus dem Dachgeschoss plötzlich mit einem blutverschmierten, völlig
       verwirrten Mann vor seinem Bett konfrontiert, der über eine steile
       Dachschräge auf den Balkon in seine Wohnung eingestiegen war.
       
       Vor sechs Jahren wollte der Immobilienunternehmer Christian Hollmann 400
       Wohnungen loswerden. Die Bewohnerschaft wollte die Gebäude gerne selbst
       kaufen und in eine Genossenschaft überführen, doch die geforderten 90
       Millionen Euro waren zu viel für die Mieter, die sich zum [1][„Bündnis 23
       Häuser sagen NEIN“] zusammengeschlossen hatten. So konnte die Deutsche
       Wohnen zugreifen, die inzwischen zu Vonovia gehört.
       
       „Seit dem Verkauf geht es steil bergab“, fasst ein 34-jähriger Bewohner
       zusammen. Haben sie ein Anliegen, können die Mieter*innen jetzt nur noch
       mit einer Künstlichen Intelligenz chatten oder einen Brief schreiben. Und
       danach passiert in der Regel nichts. Haben sie dann doch irgendwann
       jemanden an der Strippe, ist es immer jemand anderes und oft auch noch eine
       Person von einer anderen Konzerntochter.
       
       ## „Völlig undurchschaubar“
       
       Die Nachbarschaft am Maybachufer erlebt das Ganze als kafkaeske Situation.
       Ein gelernter Steuerfachangestellter forderte auf Anraten eines Anwalts die
       Nebenkostenunterlagen an. „Völlig undurchschaubar“, so sein Urteil. Doch
       vor Gericht zu ziehen, scheut er: Nach Einschätzung des Anwalts ziehen sich
       solche Verfahren über Jahre hin und kosten viel Nerven.
       
       Im Winter frieren die Bewohnenden der beiden Obergeschosse regelmäßig, weil
       die Heizung monatelang ausfällt. Im Sommer versagt der Aufzug oft wegen
       Überhitzung. Ursache sind die vergessenen Lüftungsschächte, wie Handwerker
       wiederholt festgestellt haben. Doch ihre Angebote, das Problem
       grundsätzlich zu beheben, verschwinden im Nichts.
       
       Als im Blut eines Bewohners hohe Bleiwerte festgestellt wurden, ließ er das
       Wasser auf eigene Kosten untersuchen. Obwohl ein Austausch der Rohre
       gesetzlich vorgeschrieben ist, setzte die Deutsche Wohnen auf
       Verzögerungstaktik und schwärzte Teile von Analysedaten. Bis heute hat sie
       nur Teile des Rohrsystems saniert.
       
       6 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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