# taz.de -- Analyse zu Hintergründen: Deutlich mehr rechtsextremer als islamischer Antisemitismus
       
       > Die Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus haben die
       > Motivation hinter judenfeindlichen Vorfällen seit 2019 untersucht.
       > Religiöser Hass ist vergleichsweise selten.
       
 (IMG) Bild: Rias empfiehlt gegen Antisemitismus mehr Prävention
       
       epd/dpa | Eine Studie zeichnet ein differenziertes Bild beim Ausmaß von
       islamischen und islamistischen Hintergründen von Antisemitismus. Diese Art
       von Antisemitismus habe im Untersuchungszeitraum von 2019 bis 2025 nur 1,8
       Prozent aller dokumentierten Vorfälle ausgemacht, teilte der Bundesverband
       der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) am Mittwoch in
       Berlin mit.
       
       Antisemitismus-Meldestellen haben seit 2019 insgesamt 564 judenfeindliche
       Vorfälle mit explizit islamischem oder islamistischem Hintergrund
       dokumentiert. „Der Anteil ist also vergleichsweise gering“, heißt es in der
       neuen [1][Publikation] [2][„Antisemitismus in islamischen und
       islamistischen Kontexten“] von Rias.
       
       Gleichwohl seien die 564 registrierten Fälle mit dieser Motivation
       überdurchschnittlich häufig von Bedrohungen, Angriffen oder extremer Gewalt
       geprägt gewesen (15,1 Prozent). An den gesamten mehr als 31.000 Vorfällen
       seit 2019 hatten jene mit Gewalt einen Anteil von 6,1 Prozent.
       
       Als besonders drastische Beispiele nennt Rias die Schüsse auf die Alte
       Synagoge in Essen durch mutmaßliche Mitglieder einer iranischen Terrorzelle
       2022 sowie den [3][Messerangriff am Berliner Denkmal für die ermordeten
       Juden Europas], bei dem im Februar 2025 ein Tourist schwer am Hals verletzt
       wurde.
       
       Doch gebe es Antisemitismus mit islamischem oder islamistischem Hintergrund
       auch im Alltag. In Frankfurt am Main seien im Juni 2024 zwei Kippa tragende
       Personen öffentlich antisemitisch angegangen worden. Einer Person, die
       einschreiten wollte, wurde gedroht, Allah werde sie töten.
       
       ## Deutlicher Anstieg seit 7. Oktober 2023
       
       Rias dokumentierte einen deutlichen Anstieg der antisemitischen Vorfälle
       mit islamischem oder islamistischem Hintergrund seit dem 7. Oktober 2023.
       Knapp 80 Prozent der Vorfälle mit einem solchen Hintergrund seien seit dem
       Tag des Terrorangriffs der islamistischen Hamas auf Israel erfasst worden.
       Jedoch gingen die Zahlen auch über alle Vorfallsarten hinweg nach oben:
       Während im Jahr 2022 noch 2.610 Fälle verzeichnet wurden, waren es 2024
       schon 8.713.
       
       Häufiger als islamisch oder islamistisch war der Antisemitismus in den
       vergangenen Jahren rechtsextrem (3.662 Vorfälle oder 11,7 Prozent) oder von
       antiisraelischem Aktivismus geprägt (5.445 Vorfälle oder 17,4 Prozent). Bei
       mehr als jedem zweiten Fall blieb der politisch-weltanschauliche
       Hintergrund allerdings unbekannt (55 Prozent). Als islamisch oder
       islamistisch motiviert wurden Vorfälle mit einem Bezug auf islamische
       Glaubensinhalte gewertet.
       
       Rias habe zudem knapp 80 Prozent aller antisemitischen Vorfälle mit
       islamischer oder islamistischer Motivation dem israelbezogenen
       Antisemitismus zugeordnet. Insgesamt machte diese Erscheinungsform nur 52,9
       Prozent aus.
       
       ## Rias fordert Prävention
       
       Rias-Geschäftsführer Benjamin Steinitz erklärte: „Antisemitismus muss als
       wesentlicher Bestandteil islamistischer Mobilisierung klar benannt und
       entschlossen bekämpft werden. Dafür sind rechtsstaatliche Mittel und
       Präventionsangebote notwendig.“ Die Auseinandersetzung mit Islamismus dürfe
       nicht rechtsextremen Akteuren überlassen werden.
       
       Zugleich zeigte eine ergänzende Studie der Wissenschaftlerin Sarah
       Demmrich, dass es nach dem 7. Oktober keinen deutlichen Anstieg
       antisemitischer Zustimmungswerte unter Musliminnen und Muslimen gab.
       Signifikant gestiegen sei jedoch der Zusammenhang zwischen Antisemitismus
       und radikalen Haltungen wie religiösem Fundamentalismus oder einem
       Verständnis für Terror und Gewalt.
       
       Zudem schafften islamistische Akteure teilweise gesellschaftlichen
       Anschluss. So erreichte die Kampagne „Nie wieder Staatsräson!“ auf
       „openPetition“ mehr als 500.000 Unterschriften – trotz eines Hinweises der
       Plattform, wonach der Petent Teil des inzwischen aufgelösten Netzwerks
       „Realität Islam“ sei, welches in Tradition zur [4][verbotenen Organisation
       „Hizb ut-Tahrir“] stehe.
       
       Rias unterhält Stellen in zwölf Bundesländern, bei denen Betroffene oder
       Zeugen antisemitische Vorfälle melden können. Es geht nicht nur um
       strafbare Taten wie Angriffe, Bedrohungen oder Beleidigungen, sondern auch
       um verletzende oder einschüchternde Äußerungen und Vorfälle im Alltag und
       im Internet. Die Rias-Statistik ist also nicht deckungsgleich mit der
       polizeilichen Kriminalstatistik. Rias weist darauf hin, dass von einer
       hohen Dunkelziffer auszugehen sei, auch deshalb sei die Statistik nicht
       repräsentativ.
       
       30 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://report-antisemitism.de/publications/
 (DIR) [2] https://report-antisemitism.de/documents/26-09_30_BVRIAS_Antisemitismus_isl_Kontexte.pdf
 (DIR) [3] /Antisemitischer-Messerangriff-in-Berlin/!6160074
 (DIR) [4] /Islamismus-im-Internet-Die-Realitaet-wird-verzerrt-und-potenziert/!6203365
       
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