# taz.de -- Neues Buch von Christoph Kramer: Irgendwas mit Liebe und Fußball
       
       > Fußballweltmeister Christoph Kramer hat wieder einen Roman geschrieben.
       > Die Werbung dafür wird man in den nächsten Wochen nicht übersehen können.
       
 (IMG) Bild: Kann nicht nur schreiben, sondern auch lesen: Christoph Kramer
       
       Christoph Kramer geht es gut. Und er weiß, dass es ihm gut geht. Denn er
       wurde immer gewollt. Das sei ein Privileg, so schreibt er es in seinem
       neuen Roman „Wolkenberührpunkt“. Ja, der Fußballweltmeister vom 2014 hat
       wieder ein Buch geschrieben. Und nein, man muss es ganz bestimmt nicht
       lesen. Wer sich für Christoph Kramer interessiert, der erfährt immerhin,
       wie es sich für den Kicker angefühlt hat, als er seinen Auflösungsvertrag
       mit Borussia Mönchengladbach unterschrieben hat. Auch wenn er vielleicht
       noch gerne ein wenig länger in der Bundesliga gekickt hätte, geht es ihm
       gut nach seinem Karriereende.
       
       Er hat Zeit, Bücher zu schreiben. Allzu oft ist ja kein großes Turnier, wo
       er als Experte arbeiten muss und mit seinem freundlichen Gesicht stets noch
       ein wenig heller in die Kameras strahlt [1][als seine blütenweißen Sneaker]
       – da kann das Spiel, das er zu bewerten hat, noch so mies gewesen sein.
       
       Er hatte auch Zeit, sich nach dem Erscheinen [2][seines Erstlings „Das
       Leben fing im Sommer an“] in eine Buchhandlung zu setzen und zu warten, bis
       der erste Kunde sein Buch kauft. Das platzierte er noch schön vor die
       Treppe, damit man es nur ja nicht übersehen konnte. Dabei wäre das ganz
       bestimmt nicht nötig gewesen. Sein Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte die
       großen Buchhandlungen seinerzeit mit jeder Menge Marketingmaterial
       versorgt. Auch der Werbung für das neue Buch wird man nicht aus dem Weg
       kommen können.
       
       [3][Im Herbstkatalog] sind die Werbemaßnahmen für dieses „Spitzentitel
       Marketing“ aufgelistet: Eine „groß angelegte mehrstufige Digitalkampagne“
       wird es geben mit einer „breiten Social-Media-Aussteuerung“ und einer
       „reichweitenstarken Banner-Kampagne“. Und der Verlag verspricht eine
       „starke Autoren- und Medienpräsenz“. Und dann gibt es noch ein ganz
       besonderes Schmankerl für die Buchhändler. „Chris Kramer kommt in Ihre
       Buchhandlung! Gewinnen Sie einen von drei Einsätzen, bei denen der Autor
       persönlich im Verkauf mitwirkt.“
       
       ## Kramer zu gewinnen
       
       Vielleicht lernt Kramer ja bei einem seiner Einsätze als Verkäufer wieder
       jemanden kennen, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt, die er dann zu
       einem Roman verarbeiten kann. So soll es ja der Rahmenhandlung seines
       Zweitlings zufolge gewesen sein. Der Typ, ein Literaturstudent (!), der
       seinen Roman als erster kauft und auch noch mit Münzen bezahlt, was den
       Millionär Kramer besonders interessiert, erzählt seine Jugendgeschichte als
       mal mehr, mal weniger geliebter Adoptivsohn.
       
       Eine verbotene Liebe mit dem Nachbarsmädel gibt es da, von der sich erst
       ganz am Schluss herausstellt, dass sie doch nicht verboten gewesen wäre.
       Eine verbotene Fahrt mit der Vespa des Vaters, eine riesige Diddl-Maus vom
       Büchsenwurfstand am Jahrmarkt, einen Freund, der nichts sagt und später
       Opernsänger wird, einen anderen Freund, der aus dem Nichts eine Schreinerei
       aufbaut und diese wunderbare Stimmung in Deutschland nach dem 7:1 der
       deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014 gegen Gastgeber Brasilien.
       Ganz ohne Fußball geht es dann eben doch nicht bei Christoph Kramer.
       
       Kramer will ja seine Fans bei Laune halten. Die haben sich in seinem ersten
       Roman an der Geschichte des Bauernbuben erfreut, der es nicht leicht hat
       mit seiner ersten Liebe und dann doch Weltmeister wird. Viele von ihnen
       sind im DFB- oder Gladbachtrikot zu den Lesungen gekommen, um sich Buch und
       Tuch vom Weltmeister signieren zu lassen.
       
       Sollten sie es bis zum Ende des neuen Kramers schaffen, dürfen sie sich an
       der bescheidenen Weisheit erfreuen, die der Autor seiner Kundschaft mit auf
       den Weg gibt: „Wir gucken immer auf Dinge, die wir nicht haben (…) Leider
       vergessen wir dabei, was wir selbst haben.“ Kramer weiß, dass er sehr viel
       hat. Es geht ihm gut.
       
       1 Oct 2026
       
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