# taz.de -- Verzögerung von Strom-Autobahn: Suedlink-Bau nahe Heilbronn vorerst gestoppt
> Die für die Energiewende wichtige Stromleitung sollte durch ein
> Salzbergwerk führen. Jetzt zeigt sich: zu riskant.
(IMG) Bild: Wichtig für die Energiewende: Kabelverlegung für Suedlink
Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat den Bau der Gleichstromtrasse
[1][Suedlink] beim Salzbergwerk Bad Friedrichshall aufgrund „neuer
geologischer Erkenntnisse“ überraschend gestoppt. Ein „alternativer
Lösungsweg“ werde „derzeit technisch im Detail ausgearbeitet“, erklärte das
Unternehmen am Dienstag. Gleichwohl hält der Netzbetreiber weiterhin an der
Inbetriebnahme der Kabelverbindung Ende 2028 fest.
Die 700 Kilometer lange Hochspannungstrasse [2][führt von
Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern]. Sie soll künftig
Windstrom in die Verbrauchszentren im Süden bringen, oder zeitweise auch
Solarstrom in den Norden. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der
Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und Tennet.
Die jetzt aufgetretenen Probleme betreffen einen Trassenabschnitt von 16
Kilometern, der in 200 Metern Tiefe durch die Gruben der Südwestdeutschen
Salzwerke AG führen sollte. Die Querung des Salzbergwerks ist neben der
Elbquerung bei Brokdorf das zweite große Sonderbauwerk im Verlauf der
Trasse, das komplett als Erdkabel realisiert wird. Die Gruben befinden sich
in der Nähe der Konverterstation Leingarten-Großgartach bei Heilbronn, wo
Suedlink mit dem bestehenden Netz verknüpft wird.
Als das Areal um das Bergwerk in den Jahren 2019 und 2020 mit horizontalen
Bohrungen erkundet wurde, habe es keine Hinweise auf kritische
Wasserzuflüsse gegeben, erklärt TransnetBW. Nun aber hätten die Bauarbeiten
„Hinweise auf eine mögliche wasserführende Störungszone“ ergeben und „eine
erneute Bewertung der Gesamtsituation erforderlich“ gemacht. Die
zusätzlichen Ausgaben lägen „innerhalb der vorgesehenen Kosten- und
Risikovorsorge des Projekts“.
## Eine lange Verzögerung könnte Netzentgelte steigern
Ob für die Umplanung ein neuer Planfeststellungsbeschluss nötig wird, sei
„Gegenstand bereits laufender Abstimmungen“, teilt TransnetBW mit. Wäre dem
so, könnte sich das Projekt deutlich verzögern, was einen zusätzlichen
Anstieg der Netzentgelte bewirken könnte, die als Posten auf den
Stromrechnungen der Verbraucher landen.
„Es ist davon auszugehen, dass ohne Suedlink mehr Redispatch nötig sein
wird als mit Suedlink“, sagt Christoph Maurer, Geschäftsführer des
Fachberatungsunternehmens Consentec in Aachen. Als Redispatch bezeichnet
man den oft teuren Eingriff von Netzbetreibern in den Strommarkt, um
Engpässe im Netz zu kompensieren. Die Kosten werden bisher auf die
Netzentgelte umgelegt.
Sollte sich die Inbetriebnahme verzögern, könne dies zudem dazu führen,
dass die Netzreserven in Süddeutschland – also Kraftwerke, die alleine der
Systemstabilität dienen und nicht am regulären Strommarkt teilnehmen – noch
länger gebraucht werden als geplant, sagt Maurer.
Ob eine verspätete Fertigstellung der Trasse auch den Ausbau der
erneuerbaren Energien bremsen würde, ist hingegen eher eine politische als
eine technische Frage. Möglicherweise könnten in diesem Fall größere
Gebiete zeitweise unter den geplanten Redispatchvorbehalt fallen. Mit
diesem Instrument möchte die Bundesregierung im Rahmen ihres Netzpakets
[3][den Anlagenzubau in kapazitätslimitierten Netzgebieten bremsen].
29 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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