# taz.de -- Sanierte Kölner Oper: Eine Blaupause für die vielen Kulturbauten
       
       > Umstritten, teuer und lang verlief die Sanierung der Kölner Oper. Zur
       > Wiedereröffnung zeigte sich, wie sehr die Institution auf Öffentlichkeit
       > setzt.
       
 (IMG) Bild: Später Wiedereinzug: Die Sanierung der Kölner Bühnen hat 14 Jahre gedauert
       
       Bis die Kölner Oper endlich fertig saniert war, blieb es spannend bis zum
       Schluss. Noch in der vergangenen Woche, wenige Stunden vor der
       „Rosenkavalier“-Premiere, hörte man von massiven Problemen mit der
       Bühnentechnik. Die wurde zwar bereits 2017 eingebaut und ist nun auch bald
       schon zehn Jahre alt. Offensichtlich wird es noch dauern, bis die
       hochkomplexen Anlagen rund laufen, daher musste Regisseurin Marie-Ève
       Signeyrole ihre Inszenierung kurzfristig abrüsten, um Pannen zu vermeiden.
       
       Die Kölner Oper reiht sich ein in eine [1][Serie von ambitionierten
       Kultur-Großbauten in Deutschland], die einfach nicht fertig werden wollen
       und deren Kosten ein Vielfaches der ursprünglich kalkuierten Summe
       verschlungen haben. Plangemäß sollte die Kölner Oper eigentlich im November
       2015 wiedereröffnet haben, ihre Sanierung dauerte satte elf Jahre länger.
       Die dafür kalkulierten Kosten sprangen von zunächst 253 auf zuletzt 798
       Millionen Euro, mit Finanzierung und Aufwand für die Ausweich-Spielstätten
       summiert sich das Debakel auf insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro.
       
       Das von Wilhelm Riphahn (1889-1963) im Sinne einer aufgelockerten
       Nachkriegsmoderne entworfene Ensemble aus Opern- und Schauspielhaus zählte
       einmal zu den architektonisch fortschrittlichsten Bühnenbauten der jungen
       Bundesrepublik. Besonders die Oper aber, mit ihren imposanten
       Ateliertürmen, war nach Jahren systematischer Vernachlässigung kaum mehr
       wiederzuerkennen.
       
       ## Demokratische Offenheit
       
       Nun ist alles zurück auf Anfang. Und auf verblüffende Weise wirkt der Bau
       wieder modern: Die breite Eingangsfront mit ihren stufenlosen Eingängen,
       das luftige Foyer, dessen klare Architektur in dezent abgestuften
       Pastell-Farbtönen gestrichen ist. Ein tiefes Mitternachtsblau leuchtet am
       Himmel über den Foyers mit ihren schlanken Murano-Glasleuchten. Der
       skandinavisch inspirierte Purismus und die demokratische Offenheit der
       Gebäude treffen heute wieder den Nerv der Zeit.
       
       Das Ensemble wurde außerdem funktional erweitert. Neben Opern- und
       Schauspielhaus gibt es nun auch ein „Kleines Haus“, Werkstätten und den
       unterirdischen, mit gold schimmernder Majolikakeramik verkleideten Saal für
       die Kinder-Oper. Die Gesamtfläche des gewaltigen Theaterkomplexes ist um
       17.000 auf 66.000 Quadratmeter gewachsen und auf insgesamt 2.280 Räume, an
       deren Sanierung und Planung 58 Unternehmen und 22 Planungsbüros beteiligt
       waren.
       
       ## Fatale Fehler
       
       Im Laufe der Sanierungsjahre wurden auch fatale Fehler gemacht. Die und der
       Lernprozess daraus könnten zum Exempel, zur Blaupause werden für die vielen
       Häuser, [2][die ihre Sanierung noch vor der Nase haben].
       
       Am Kölner Offenbachplatz geht es nun endlich wieder um Kunst. Das Haus muss
       jetzt liefern. Es wurden bereits drei Mal mehr Abos verkauft als in der
       letzten Interims-Spielzeit. Trotz allgemeiner Hochstimmung im Saal will
       Richard Strauss’ süffigste Oper aber nicht zünden, wobei man sich schon
       fragen kann, warum ausgerechnet dieses Werk zur Wiedereröffnung gewählt
       wurde und nicht etwa mit einer Offenbach-Operette ein [3][Bezug zu Kölns
       Musikgeschichte] gesucht wurde.
       
       Der Dirigent Andrés Orozco-Estrada geht im Graben eher grobschlächtig vor,
       es wirkt durchweg zu laut. Aber der Saal klingt prachtvoll leuchtend und
       transparent. Vielleicht muss das Orchester auch erst wieder lernen, in
       einer guten Akustik zu spielen? Die Kölner feierten den Abend trotzdem.
       
       29 Sep 2026
       
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