# taz.de -- Saniertes Konzerthaus: Kiels neues Musikwohnzimmer
       
       > Das Kieler Schloss, ein 1960er-Jahre-Bau, erstrahlt nach einer Sanierung
       > im neuen alten Glanz. Die Musikszene kritisiert Preise für Saalbuchungen.
       
 (IMG) Bild: Wurde ausdrücklich nicht nur als Raum für Konzerte geplant, sondern auch für Grünkohlessen: der Kubus des Kieler Konzerthauses
       
       Rotsamtige Sitzreihen, ein dunkler Holzboden mit hellen Streifen – sie
       zeigen an, welche Teile der Bühne sich zu Podesten heben lassen. Und warmes
       Gold mit Reliefmustern an der Brüstung der oberen Ränge: Der neu gestaltete
       Konzertsaal des Kieler Schlosses strahlt in satten Farben. Und der Klang?
       Grigory Sokolov, als Pianist regelmäßig Gast des [1][Schleswig-Holstein
       Musikfestivals], nennt den renovierten Saal offenbar seine liebste
       Spielstätte im Norden: Ja, das dürfe man zitieren, sagt Konzerthausleiter
       Tobias Scharfenberg bei einem Presserundgang durch sein Haus: „Das hat er
       mehrfach gesagt.“
       
       Nicht nur Sokolov lobt die Akustik, auch andere Musiker:innen sowie
       Besucher:innen der ersten Konzerte freuen sich über das wiedereröffnete
       Kieler Schloss, [2][das nun vom städtischen Theater Kiel betrieben wird].
       
       Die Stadt hat den Bau, der an einer belebten Straße parallel zur
       Ostseeförde liegt, 2018 von dem früheren privaten Betreiber zurückgekauft.
       In den vergangenen Jahren flossen rund 47 Millionen Euro in die Sanierung
       des denkmalgeschützten Ensembles. Mehr als die Hälfte brachte die
       Landeshauptstadt selbst auf, dazu kamen 11 Millionen vom Bund und 10
       Millionen Euro vom Land sowie private Spenden.
       
       Für Doris Grondke, Stadträtin für Stadtentwicklung und Bauen, ist die
       Renovierung des Schlosses ein zentrales Anliegen: Die Achse vom Alten Markt
       mit der Nikolaikirche bis zum Schloss sei der Gründungskern Kiels, sagt die
       Parteilose. „Wenn natürlich heute stark überformt.“
       
       ## Ein Raum nicht nur für Hochkultur
       
       Tatsächlich fragen die meisten Ortsfremden beim Blick auf das Schloss, wo
       denn hier ein Schloss sei. Dort, wo das heutige Gebäude steht, [3][entstand
       um 1230 eine mittelalterliche Burg]. Sie wurde 1512 zu einem Schloss
       ausgebaut und im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. 1944 brannte das
       Gebäude bei einem Bombenangriff aus. Stehen blieb nur der Westflügel, der
       „Rantzaubau“. Ende der 1950er-Jahre erhielt das Hamburger Architektenbüro
       Sprotte und Neve den Auftrag, an dem historischen Ort ein „Haus der
       Landeskultur“ zu errichten.
       
       Es entstand ein Kubus mit großem Veranstaltungssaal, der ausdrücklich kein
       Raum nur für Hochkultur sein sollte, sondern auch für Hochzeitsmessen,
       Grünkohlessen, Kabarett und Konzerte aller Art. „Die Kieler lieben diesen
       Saal“, sagt Architekt Björn Bergfeld vom Kieler Büro bbp, das für die
       Ausführung der Sanierung zuständig war. Deren Planung lag beim Berliner
       Büro Gerkan, Marg und Partner.
       
       Ziel der Umgestaltung war, das – inzwischen auch schon denkmalgeschützte –
       60er-Jahre-Design zu bewahren, aber in die Gegenwart zu überführen. Das
       betrifft vor allem das, was die Besucher:innen nicht sehen, oder
       zumindest nicht auf den ersten Blick: Die Bereiche hinter und über der
       Bühne etwa entsprechen nun heutigen Arbeitsschutzanforderungen.
       Energieeffizienz erreichten die Planer:innen durch moderne Dämmung der
       Glasfassaden und LED-Leuchten, die den Bau nach innen und außen strahlen
       lassen. Im Saal, der nach dem Umbau barrierefrei zu erreichen ist, sorgen
       reflektierende Schallsegel unter der Decke für die viel gelobte Akustik.
       
       ## Nah am Orchester
       
       Geblieben ist die Optik der Fassade, deren Natursteinplatten zum großen
       Teil erhalten blieben. Und geblieben ist die Nähe zum Orchester, die dem
       Saal mit seinen – inklusive der Empore – 1.350 Plätzen fast intim wirken
       lässt. „Wir sind uns bewusst, dass wir hier etwas Besonderes geschaffen
       haben“, sagt Stadträtin Grundke zufrieden. Auch das Medienecho war positiv:
       „Meisterhaft saniert“, lobte im April etwa die Frankfurter Allgemeine.
       
       Auch der [4][Landesmusikrat (LMR)] freut sich über die neue alte
       Spielstätte: „Endlich hat Kiel wieder einen einer Landeshauptstadt würdigen
       Konzertsaal“, sagt Geschäftsführer Hartmut Schröder. Doch ein Misston trübt
       die Freude des Dachverbands: „Die Preise zur Buchung des Saals haben sich
       beim Übergang von privater in städtische Trägerschaft vervielfacht“, so
       Schröder. „Ermäßigter Zugang, wie im ursprünglichen Konzept vorgesehen,
       wird nur drei örtlichen Trägern gewährt und auch nur für insgesamt unter
       zehn Belegungen im Jahr.“
       
       Diese Konditionen seien hinter verschlossenen Türen und ohne Rücksprache
       mit den regionalen Initiativen beschlossen worden, kritisiert der
       LMR-Geschäftsführer. So gelungen der Umbau also sei: „Nur wenn die
       regionale Szene abgebildet wird, kann es ein Konzerthaus für die ganze
       Stadt sein.“
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://www.landesmusikrat-sh.de/
       
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