# taz.de -- Stichwahlen in Niedersachsen: Hannovers Rathaus bleibt grün
       
       > Der grüne Oberbürgermeister Belit Onay siegt souverän über Axel von der
       > Ohe (SPD) – die große Frage ist, wie man sich nun wieder zusammenrauft.
       
 (IMG) Bild: Belit Onay, hier mit Ricarda Lang und Timon Dzienus, hat sein Ergebnis nicht nur gehalten, sondern deutlich verbessert
       
       Das war ein satter Triumphzug: „Hannover, ich liebe dich“, sagte Belit Onay
       (Grüne) auf Deutsch und auf Türkisch am Ende seiner Siegesrede auf der
       Rathaustreppe. Mit 61,5 Prozent setzte sich der amtierende
       Oberbürgermeister klar gegen seinen Herausforderer Axel von der Ohe (SPD)
       durch.
       
       Von den Grünen wird das auch als Bestätigung für Onays Pläne für eine
       [1][autofreie oder zumindest autoarme Innenstadt] gelesen – denn vor allem
       in den unmittelbar betroffenen Innenstadtbezirken schnitten sie gut ab.
       
       Es waren [2][die Innenstadtpläne, an denen – zumindest vordergründig – die
       grün-rote Rathauskoalition scheiterte]. Fast drei Jahre lang musste Onay
       deshalb ohne eigene Mehrheit im Rat und gegen ein informelles
       Deutschlandbündnis aus SPD, FDP und CDU anregieren.
       
       Die Grünen hatten hinter dem Platzen der Koalition allerdings von Anfang an
       mehr Parteitaktik und gekränkte SPD-Egos vermutet als inhaltlichen Dissens.
       Nun ist [3][Onays Herausforderer Axel von der Ohe (SPD)] mit seinem Plan,
       das Rathaus zurückzuerobern, krachend gescheitert.
       
       73 Jahre lang betrachtete man dieses Rathaus als natürlichen Erbhof der SPD
       und den ersten Sieg [4][Onays im November 2019] als historische Anomalie,
       als Ausrutscher, befeuert vom Frust über die Rathausaffäre, um
       ungerechtfertigte Zulagen für Spitzenpersonal unter dem damaligen
       SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostok. Doch nun hat Onay sein Ergebnis
       nicht nur gehalten, sondern deutlich verbessert.
       
       Von der Ohe (SPD) kündigte am Wahlabend an, jetzt an seinen Schreibtisch
       als Kämmerer und Erster Stadtrat – und damit Stellvertreter von Onay –
       zurückkehren zu wollen. Das stößt vielen Grünen sauer auf, weil sie ihm
       unterstellen, am Bruch der Koalition maßgeblich beteiligt gewesen zu sein
       und auch im Wahlkampf nicht immer fair gespielt zu haben.
       
       Auch Onay warf seinem Herausforderer in einem ersten Interview nach der
       Wahl vor, mit internen Informationen aus Verhandlungen um die
       Karstadt-Immobilie in der Innenstadt, Wahlkampf gemacht zu haben.
       
       Trotzdem wird man sich im Rathaus wohl zusammenraufen müssen: Rot-Grün
       hätte eine knappe Mehrheit, einzige Alternative wäre ein Bündnis der Grünen
       mit CDU und FDP plus Einzelvertretern von Volt und der Sartirepartei Die
       Partei.
       
       Dass dieses SPD-Ergebnis keine Absage an die Partei insgesamt ist, sieht
       man in der Region Hannover. Regionspräsidentin wird Eva Bender (SPD), die
       sich mit 69,4 Prozent klar gegen ihren Konkurrenten Oliver Junk (CDU)
       durchsetzte. Sie wird als erste Frau dieses vor 25 Jahren geschaffene Amt
       besetzen und damit die Nachfolge von Steffen Krach (SPD) antreten.
       
       Krach war nach Berlin gewechselt, um sich dort für die SPD in den Kampf ums
       Rote Rathaus zu werfen. Für [5][Schlagzeilen sorgte dabei eine
       Hausdurchsuchung,] die sich auf Unregelmäßigkeiten bei einem
       Ausschreibungsverfahren aus seiner Zeit als Regionspräsident bezog. Die
       Vorwürfe, die von Krach zurückgewiesen werden, sind noch nicht vollständig
       aufgeklärt.
       
       Der SPD-Kandidatin Bender scheint der Skandal ihres Parteigenossen nicht
       geschadet zu haben. Bisher war sie Kultur- und Bildungsdezernentin im
       Rathaus und arbeitete dort ohne große öffentliche Reibung mit Onay
       zusammen.
       
       28 Sep 2026
       
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