# taz.de -- Serbiens Präsident Vučić tritt zurück: Weg frei für Kandidatur als Regierungschef
> Serbiens Präsident Vučić will an die Macht und leitet den nächsten
> Schritt dazu ein. Vor seinem Rücktritt begnadigte er noch 49 Verurteilte.
(IMG) Bild: Belgrad, 27. September: Serbiens Präsident Aleksandar Vučić will mehr Macht
Belgrad/afp | Der serbische Präsident Aleksandar Vučić ist zurückgetreten –
und widmet sich nun seiner Kandidatur für das Amt des Regierungschef bei
der Wahl Ende Oktober. Im Präsidentenpalast in Belgrad unterzeichnete Vučić
am Sonntag vor Journalisten seine Rücktrittsurkunde. „Morgen früh werde ich
meine Amtsgeschäfte an die Parlamentspräsidentin übergeben“, kündigte der
konservativ-nationalistische Politiker an. Vor dem Palast versammelte
Anhänger skandierten Vučić’ Namen.
Die vorgezogenen Parlamentswahlen in Serbien finden am 25. Oktober statt.
Mit seinem Rücktritt machte Vučić den Weg frei, um bei der Wahl als
Spitzenkandidat der Regierungspartei SNS antreten zu können. „Der Kampf
fängt gerade erst an“, sagte er.
Vučić hatte auf Druck der Opposition Anfang September das Parlament
aufgelöst und die Neuwahlen ausgerufen. Eigentlich sollte in Serbien erst
im Dezember 2027 ein neues Parlament gewählt werden. Nach Vučić' Rücktritt
übernimmt nun die Parlamentsvorsitzende Ana Brnabic kommissarisch das Amt
des Staatsoberhaupts.
## Vučić begnadigt 49 Verurteilte
Die vorgezogenen Neuwahlen waren eine Hauptforderung der Protestbewegung,
die nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad im
November 2024 entstanden war. Bei den vor allem von Studierenden getragenen
Protesten ging es anfangs vor allem um die Aufarbeitung des Unglücks, bei
dem 16 Menschen ums Leben gekommen waren. Später weiteten sich die Themen
der Demonstrationen auf generelle Kritik an der Regierung und an der
weitverbreiteten Korruption im Land aus.
Kurz vor seiner Rücktrittserklärung am Sonntag sprach Vučić Begnadigungen
für 49 Verurteilte aus, darunter Studierende und SNS-Anhänger. 23 der
Begnadigten seien im Zusammenhang „mit den schrecklichen Ereignissen, die
wir in den vergangenen eineinhalb Jahren durchgemacht haben“, verurteilt
worden, sagte der 56-Jährige. Damit bezog sich Vučić auf die Proteste.
Vučić war erstmals im Jahr 2017 zum Präsidenten gewählt worden, 2022 wurde
er im Amt bestätigt.
Vučić war früher [1][ein radikaler Nationalist] und ein Gefolgsmann von
Ex-Machthaber Slobodan Milošević, der 2006 als Angeklagter des
Kriegsverbrechertribunals in Den Haag im Gefängnis starb. Später mäßigte
Vučić jedoch seine Positionen. Seit Jahren präsentiert er sich als Reformer
und engagiert er sich für den EU-Beitritt Serbiens. Gleichzeitig setzt
Vučić trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiterhin auf
gute Beziehungen seines Landes zu Russland.
28 Sep 2026
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fehlt.