# taz.de -- Kritik an Staatsbegräbnis für Mladić: Wer Kriegsverbrechern huldigt, ist in der EU nicht willkommen
       
       > In Serbien wird der frühere Armeechef Mladić posthum geehrt. Das
       > Verklären des Völkermords sendet autoritäre statt demokratische Signale
       > nach Brüssel.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Grab von Mladić hängt ein Banner. Darauf steht „Nationalheld“
       
       Soll denn so ein Land, das Staatsbegräbnisse für Kriegsverbrecher
       organisiert, in der EU aufgenommen werden? Wenn in Brüssel Abscheu
       ausgedrückt wird und die Türen für Serbien zugeschlagen werden, sieht das
       Ganze im Gegensatz zu früher heute recht ernst aus. Auch wenn die
       Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sich windet
       und wendet: So einfach ist das ja nicht mehr, einfach einen diplomatischen
       Protest zu formulieren, um dann zur Tagesordnung überzugehen.
       
       Darauf zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst, die
       Wirtschaftsinteressen wieder einmal die Menschenrechte und die
       demokratischen Normen beiseitedrücken, klappt wohl in diesem Fall nicht
       mehr so ganz. Denn spätestens mit der Stärkung der AfD in Deutschland
       dämmert es den Bürokraten in Brüssel und den Abgeordneten des
       Europaparlamentes, dass es jetzt nicht nur um die Substanz der EU geht. Es
       geht um deren Existenz als wichtigste Stütze der liberalen Demokratie.
       
       Wie die USA, China oder Russland hat Serbien das Kriegsverbrechertribunal
       in Den Haag nie akzeptiert. Es fällt allen Mächten schwer, die eigenen
       Verbrechen durch ein Weltgericht beurteilen zu lassen. Das Gericht wurde
       bisher durch eine westliche Wertegemeinschaft, vor allem durch die EU und
       Staaten wie Australien, Japan, Südkorea und Kanada, gestützt. Es hat im
       Falle [1][Mladić in Bosnien] jahrelang akribisch Beweise gesammelt und ein
       begründetes Urteil gefällt: [2][lebenslange Haftstrafe] wegen Völkermord.
       
       Dass in Serbien [3][nicht nur nationalistische Kreise] auf dieses Urteil
       spucken, auch der Großteil der Bevölkerung, ist deutlich geworden. [4][An
       Mladić kristallisiert sich die Spaltung Serbiens], aber auch Europas,
       zwischen demokratisch und autoritär. Die Aufklärung, die Französische
       Revolution fanden in Westeuropa statt. Russland, Serbien und andere
       orthodoxe Länder zeigen im Verhalten ihrer Eliten, dass für sie die
       westlichen Werte keine wichtige Rolle spielen. Und sie sich somit selbst
       von der EU abschotten.
       
       13 Sep 2026
       
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