# taz.de -- Neuer Bundestrainer: Wenn Kloppo auf Castingtour geht, stehen alle Jungs stramm
       
       > Vorläufig funktioniert seine Methode ziemlich gut: Deutschlands
       > Cheftrainer schöpft aus dem Vollen und erwischt dabei den ein oder
       > anderen Goldbuben.
       
 (IMG) Bild: Auch der Autor wartet auf seinen Anruf: Bundestrainer Klopp
       
       In der deutschen Nationalmannschaft des Männerfußballs – ja, auch der hat
       seine Existenzberechtigung – hat nun der neue National-Kloppo das Sagen.
       Das merkt man. Er krempelt alles um, denkt das Spiel vollkommen neu, brennt
       alte Erbhöfe nieder. Er hebt jeden Stein und blickt darunter: Könnte nicht
       vielleicht auch da noch ein kleiner Nationalspieler hervorkrabbeln, der bis
       dahin unbemerkt im Dunkeln vor sich hin kickte?
       
       Ja, er könnte. Als neulich die sogenannte Nations League anstand, hat er
       Spieler gecastet wie nichts Gutes. Seine Werber fuhren durchs ganze Land,
       machten in den Branntweinschenken und Vereinsheimen junge Männer betrunken,
       versprachen ihnen unsterblichen Ruhm und auch viel Fun. Sie lockten die
       einfältigen Burschen mit einem schweren Silberpfennig, den sie über den
       Tisch rollen ließen, bis er in einer Schnapspfütze liegen blieb. Der sei
       ihrer, wenn sie gegen Serbien und Griechenland ins Feld der Ehre zögen.
       
       Und ehe sich die Unglücklichen versahen, trugen sie am nächsten Morgen
       schon die weiße Uniform des DFB, an den Füßen schwere Fußballstiefel,
       während [1][ein Spielmannszug die Hymne schmetterte]. Tschingderassabum,
       die Fahne wehte über der Kampfbahn, in der sich die Nations im Ballkrieg
       maßen. Von den das Schlachtfeld säumenden Rängen winkte tränenden Augs die
       Mutter, Feinsliebchen auch dabei.
       
       So kam es, dass kein fucking Schwein [2][jenen jungen Buben] kannte, der
       nach seinem ersten Länderspieltor freudestrahlend und mit roten Bäckchen
       auf beiden Knien über die Spielwiese schlitterte, wobei er tiefe Furchen in
       den Rasen grub. Keiner hatte den Unerfahrenen gewarnt, wie sehr der
       Platzwart schimpfen würde. Aber egal, Tor blieb Tor, das konnte dem
       Debütanten keiner nehmen.Völlig unbekannt auch die anderen Rekruten, die
       dennoch wacker ihr Bestes gaben.
       
       Der geniale Plan des Kloppo war aufgegangen. [3][Die Erweiterung des Pools]
       eröffnete Unmengen neuer Möglichkeiten. Und das ist erst der Anfang. Denn
       auch in anderen Berufsgruppen – Bäcker, Müllwerker, Ingenieure – ließe sich
       gewiss das eine oder andere feine Füßchen draften. Zig Millionen
       potenzieller Neunationalspieler scharren mit den Stollenschuhen. Auch unser
       Autor sitzt bereits in den Startlöchern. Vergessen alles Greisentum,
       vergessen sämtliches Gebresten. Wenn Kloppo ruft, ist er dabei.
       
       10 Oct 2026
       
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