# taz.de -- Amateurvereine im DFB: Im Schatten des Strahlemanns an der Spitze
       
       > Jürgen Klopp predigt gerne von der verbindenden Kraft des Fußballs für
       > die Gesellschaft. Doch an der Basis gilt der Verband zunehmend als
       > abgehoben.
       
 (IMG) Bild: Vielen Dank dafür! Banner des DFB im Stadion von Rot-Weiss Essen
       
       Wohl kaum jemandem im deutschen Fußball gelingt es so wie Jürgen Klopp,
       Begeisterung zu schüren. Das ist nicht erst seit der Pressekonferenz zur
       Kadernominierung für die ersten Länderspiele unter seiner Ägide zu spüren.
       Klopp versucht bei allen seinen Auftritten mit viel Verve, die sportlich
       drögen Monate unter seinem Vorgänger Julian Nagelsmann vergessen zu machen.
       Und dafür zieht Klopp alle Register – mit großen Worten und einer
       symbolhaften Kappe des Ausrüsters, die er wie eine Dienstmütze trägt, wenn
       er bei den Spielen an der Linie steht.
       
       Die großen Worte wählt Klopp nicht umsonst: Seine Mannschaft soll, so der
       frühere Liverpool-Trainer, dazu beitragen, wieder ein Wir-Gefühl zu
       schaffen und mittels des Fußballs das Land zu versöhnen. Mit dem Rassismus,
       der Teilen der Mannschaft entgegenschlug, nachdem sie das
       Nations-League-Spiel gegen Griechenland verloren hatte, will er sich gar
       nicht erst befassen. [1][Dafür will er „die Fahne zurückholen“], wie er
       sagte. Symbolhaft für diese Idee steht die schwarze Kappe mit der
       Aufschrift „Einer von 83 Millionen“.
       
       Über ein gesellschaftliches Feld, für das der Deutsche Fußball-Bund als
       sein Arbeitgeber ebenfalls Verantwortung trägt und in dem viele dieser 83
       Millionen Menschen aktiv sind, hat Klopp seit Amtsantritt kein einziges
       Wort verloren. Gemeint ist der Amateurfußball mit seinen fast 24.000 unter
       dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes organisierten Vereinen und ihren mehr
       als 8 Millionen Mitgliedern. Sie stehen in ihrem Kluballtag vor Problemen
       wie maroder sportlicher Infrastruktur, immer weniger aktiven Ehrenamtlichen
       und immer höheren bürokratischen Hürden.
       
       Auch deswegen ist die Wahrnehmung des größten Sportfachverbandes der Welt
       an der Basis seit Längerem ohnehin eher negativ. Daran dürfte sich auch mit
       Klopp als Leitstern des deutschen Elitefußballs nicht viel ändern. Denn da
       ist ein Ungleichgewicht, das oft übersehen wird. Wenn sich die öffentliche
       Aufmerksamkeit auf die Verbandszentrale in Frankfurt am Main konzentriert,
       geht schnell mal unter, was sich auf den unzähligen Sportplätzen des Landes
       abspielt.
       
       ## Teure Aushängeschilder
       
       [2][Der 180 Millionen Euro teure Neubau des Campus], wie der DFB seine
       Zentrale nennt, millionenschwere Abfindungen für Nagelsmann und sein
       Trainerteam und eine mutmaßliche Spende von einer Million Euro an die
       Stiftung von [3][Klopps ehemaligem Arbeitgeber Red Bull] – allein das
       Jonglieren mit solchen Geldbeiträgen löst bei Vereinsvertreterinnen und
       Vereinsvertretern Schulterzucken aus. Die taz hat sich bei einigen von
       ihnen umgehört.
       
       „In Frankfurt spielt Geld überhaupt keine Rolle, während wir hier um jeden
       Sportplatz kämpfen müssen und Umkleidekabinen seit Jahrzehnten nicht
       saniert wurden“, sagt Stephanie Hannemann, verantwortlich für den
       Mädchenfußball beim [4][TuS Weitefeld-Langenbach] im Rheinland. Sie
       ergänzt: „Ein Miteinander und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe findet mit
       dem DFB nicht statt. Dabei geht es nicht mal immer um Geld, denn damit kann
       der Verband auch nicht alles lösen.“
       
       [5][Tim Frohwein, Soziologe und Amateurfußball-Experte aus München], teilt
       diese Auffassung: „Zwischen dem Amateur- und Profifußball klafft eine große
       Lücke. Was an der Spitze passiert, insbesondere wenn es um viel Geld geht,
       lässt sich an der Basis kaum noch vermitteln.“ Frohwein betont: „Viele
       Leute im Amateurfußball sind frustriert, weil beim DFB nicht mehr gesehen
       wird, was sie leisten.“
       
       ## Echte Anerkennung gewünscht
       
       Anerkennung und Wertschätzung – damit könne der DFB viel zurückgewinnen,
       betonen sowohl Hannemann als auch Frohwein. „Plakate,
       Kommunikationskampagnen und Aktionstage sind schön und gut, der DFB müsste
       die Interessen des Amateurfußballs in der Praxis aber stärker vertreten“,
       kritisiert Hannemann.
       
       Für Frohwein dürfe Anerkennung nicht nur eine „Gala sein, bei der ein paar
       Ehrenamtliche ausgezeichnet werden“. Der DFB müsse zeigen, dass er „die
       Leute wirklich dabeihaben“ möchte, um „gemeinsam an Problemen und
       Herausforderungen zu arbeiten und zu sagen, wir sehen, was ihr tut und wir
       finden es gut“. Für ihn steht fest: „Der deutsche Amateurfußball hat enorm
       viel Potenzial. Das betrifft vor allem gesellschaftliche Funktionen, wenn
       es zum Beispiel um die Integration von Kindern und Jugendlichen geht. Die
       Vereine brauchen vor Ort allerdings konkrete Unterstützung, zum Beispiel
       durch Sportsozialarbeiter, weil sonst dieses Potenzial nicht gehoben werden
       kann.“
       
       Younis Kamil, promovierter Sportwissenschaftler und erster Vorsitzender
       beim [6][ISC AlHilal Bonn], betont, dass der DFB aber auch in Schutz
       genommen werden müsse, weil Landes- und Regionalverbände hier mindestens
       genauso viel Verantwortung tragen würden. Dennoch sagt er: „In der äußeren
       Wahrnehmung geht es beim DFB zu viel um Leistungsfußball und zu wenig um
       gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gewinnen und Verlieren sind nur Teile
       dessen, was der DFB in seiner Satzung als Aufgabe definiert hat. Die guten
       und wichtigen Schritte im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung
       werden nicht ausreichend reichweitenstark kommuniziert.“
       
       ## Entrückter Dachverband
       
       Der Campus in Frankfurt stehe stellvertretend für diese Entwicklung der
       Elitenförderung. Kamil kann daher nachvollziehen, dass der DFB als entrückt
       wahrgenommen werden kann. „Das passt zum gesellschaftlichen Klima, denn
       auch in der Politik sind ‚Die da oben‘ anscheinend weit entfernt von der
       Realität der Menschen“, sagt er.
       
       Von dort aus möchte Jürgen Klopp fortan im deutschen Fußball die Richtung
       vorgeben und als einer von 83 Millionen Deutschen „die Fahne zurückholen“.
       Doch wenn der Fußball tatsächlich einen Beitrag zum gesellschaftlichen
       Zusammenhalt leisten soll, reicht der Blick auf die Nationalmannschaft
       nicht aus.
       
       Während das DFB-Team die ersten vier Länderspiele unter seinem neuen
       Übungsleiter absolviert hat, haben Tausende Ehrenamtliche auf den
       Sportplätzen und in den Vereinsheimen des Landes Arbeit geleistet, um den
       Amateurfußball am Laufen zu halten – allerdings unentgeltlich, nicht vor
       dem Fernsehpublikum und ohne schwarze Kappe des DFB-Ausrüsters. Die gibt’s
       am November für 30 Euro zu kaufen. Der Amateurfußball wird davon nicht
       profitieren.
       
       4 Oct 2026
       
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 (DIR) [6] https://www.isc-alhilal-bonn.de/
       
       ## AUTOREN
       
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