# taz.de -- Bundestrainer Klopp stolz auf Vielfalt: Ein überzeugender Botschafter
> Jürgen Klopp macht sich in Abgrenzung zur AfD für einen Patriotismus der
> Vielfalt stark. Ein starkes Zeichen anlässlich der ersten Nominierung.
(IMG) Bild: Jürgen Klopp for democracy
Was Jürgen Klopp am Donnerstag eine Woche vor seiner Premiere als
Bundestrainer in Amsterdam zu verkünden hatte, war eigentlich [1][schon
furios genug.] 44 Nationalspieler, darunter 16 Neulinge, hat er für den
Neuanfang nach dem kläglichen Scheitern bei der WM nominiert. Namen fanden
sich darunter, die so mancher Fußballfan noch heimlich nachgoogeln musste.
Aber noch unerwarteter war sein politisches Anliegen, das er bei dieser
Gelegenheit präsentierte: „Ich würde mir oder uns gerne die Fahne
zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin.“ Zuvor hatte er an die
[2][Landtagswahl in Sachsen-Anhalt] und an den Schrecken erinnert, welche
das erfolgreiche AfD-Ergebnis bei vielen ausgelöst hatte. Klopp bekundete,
er wolle Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Man könne
stolz auf Deutschland und trotzdem vielfältig, nett und freundlich sein.
Ähnliches soll Klopp vor zwei Wochen bereits bei einer
Mitarbeitendenversammlung in der DFB-Akademie bekundet haben. Im Rahmen der
viel beachteten und bundesweit live gestreamten Pressekonferenz hatten die
Worte von einem, der die DFB-Elf anleitet, aber ganz besonderes Gewicht.
Denn lange Zeit galt sie als Premiumprodukt deutschen Stolzes und soll dies
nach Klopps überbordenden optimistischen Vorstellungen auch wieder werden.
Wie sehr sich Fußball-Bundestrainer mittlerweile für das Große und Ganze
weit über den Fußball hinaus mitverantwortlich fühlen, ist durchaus
bemerkenswert. Politische Äußerungen von Bundestrainern gab es zwar schon
früher, aber sie waren eher nicht von solcher Tragweite. So hatte etwa
[3][Bundestrainer Berti Vogts] 1992 nach dem Überraschungssieg Dänemarks
bei der Europameisterschaft von einem Telefongespräch mit Bundeskanzler
Helmut Kohl erzählt: „Ich habe Kohl gesagt, dass es nicht geht, dass die
Dänen aus der EG rauswollen, aber trotzdem Europameister werden.“
## Anderer Akzent als bei Nagelsmann
Die Zeiten sind längst andere. Die gespaltene Stimmung im ganzen Land hatte
schon Klopps [4][Vorgänger Julian Nagelsmann zum Thema gemacht,] als er
eine aus seiner Sicht sehr erfolgreiche deutsche Heim-EM 2024 resümierte.
Er beklagte die depressive Atmosphäre in Deutschland und pries die DFB-Elf
als mögliches Vorbild für Gemeinsinn. Dem Team, so Nagelsmann, sei es
gelungen, eine Symbiose zwischen der Mannschaft und den Menschen im Land zu
schaffen. Nagelsmann hatte die etwas vermessene Vorstellung, der Fußball
könne in einer gespaltenen Gesellschaft Gräben zuschütten, Konflikte
entschärfen.
Klopp will nicht nur sportlich andere Akzente als Nagelsmann setzen, er hat
es am Donnerstag auch gesellschaftspolitisch getan. Der Fußball und ganz
konkret das deutsche Nationalteam und viele der Neuberufenen stehen für die
Vielfalt in diesem Land und gelungene Integration. Daraus ergibt sich ein
„Wir“ von dem Klopp sprach, das mit einem völkisch verstandenen
Nationalstolz einer AfD nicht zusammenpasst.
Der Multimillionär Klopp wird gerne als Kumpeltyp [5][und „The Normal
One“], wie er sich einst selbst bezeichnete, wahrgenommen. Ein Hang zum
Populismus ist ihm nicht fremd. Aber eine Haltung, die nicht nach möglichst
großen Beliebtheitswerten schielt, hat Jürgen Klopp eben auch. Das hat er
am Donnerstag erfreulicherweise besonders deutlich gemacht. Vielen ist er
als Werbebotschafter für Versicherungen, Autos, Bier und alles Mögliche
bekannt. Als Botschafter für Werte, die sich auch der Sport auf seine
Fahnen schreibt, hat er eine viel überzeugendere Strahlkraft.
17 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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