# taz.de -- Alternativer Westfälischer Friedenspreis: Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk mit Friedenspreis geehrt
> Weil die Nato am 1. Oktober den renommierten Preis des Westfälischen
> Friedens erhält, wurde aus Protest dagegen in Münster ein alternativer
> Preis vergeben.
(IMG) Bild: So sah das 1975 aus: Ein Wehrpass der Bundeswehr mit dem Eintrag „anerkannter Kriegsdienstverweigerer“
epd | Das internationale Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk Connection aus
Offenbach hat am Freitagabend den [1][ersten Alternativen Westfälischen
Friedenspreis] erhalten. Es stelle mit seinem Handeln die gängige
Militärlogik infrage, sagte die Vorsitzende des Vereins Alternativer
Westfälischer Friedenspreis, Juliane Brüggemann, zur Eröffnung der
Preisverleihung in Münster. Connection kenne keine gerechten oder
ungerechten Kriegen. Das Netzwerk helfe Deserteuren und Verweigerern aus
der Ukraine genauso wie aus Russland oder Kroatien, betonte sie. Der Preis
ist mit 10.000 Euro dotiert.
Die evangelische Theologin Margot Käßmann würdigte in ihrer Laudatio das
internationale Engagement des Offenbacher Vereins für junge Menschen, die
den Dienst in der Armee verweigern wollen. „Kriegsdienstverweigerung als
Menschenrecht, das ist das zentrale Thema von Connection“, sagte Käßmann
laut Redetext. Zudem trete der Verein dafür ein, Kriegsdienstverweigerung
und Desertion als Asylgrund anzuerkennen. „Das sind beide in der EU nicht“,
beklagte die Theologin. Zugleich kritisierte sie die zunehmende
Normalisierung des Militärdienstes in Deutschland.
## Einsatz für Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen
Der [2][Verein Connection] wurde 1993 in Offenbach am Main gegründet. Die
Organisation fördert nach eigenen Angaben Völkerverständigung,
Bildungsarbeit für Frieden sowie Toleranz und gewaltfreie Konfliktlösungen
auf regionaler sowie internationaler Ebene. So setzt sich der Verein seit
Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022 für russische
und ukrainische [3][Kriegsdienstverweigerer und Deserteure] ein.
Der Journalist Heribert Prantl, der in der Jury des Preises mitgewirkt
hatte, hielt bei der Preisverleihung einen Impulsvortrag zum [4][im Artikel
4 des Grundgesetzes geregelten Recht auf Kriegsdienstverweigerung]. Es sei
ein „ungeliebtes Grundrecht“. Wer dieses in Anspruch nehme, habe von jeher
mit dem Vorwurf leben müssen, er sei ein „notorischer Drückeberger“,
betonte er. Dennoch sei in jüngster Zeit wieder [5][ein deutlicher Anstieg
der Kriegsdienstverweigerungen zu beobachten].
Prantl kritisierte die Praxis der Gewissensprüfung, der sich die jungen
Männer unterziehen müssten. Den im vergangenen Jahr ergangenen Beschluss
des Bundesgerichtshofes im Fall eines Ukrainers, wonach das Recht auf die
Kriegsdienstverweigerung im Kriegsfall auch in Deutschland nicht mehr
gelten könne, nannte er eine „Beleidigung des Grundgesetzes“.
## Preis als Reaktion auf Auszeichnung der Nato
Der alternative Friedenspreis wurde Anfang des Jahres als Gegenentwurf zum
Preis des Westfälischen Friedens ins Leben gerufen, der in diesem Jahr an
die Nato verliehen wird. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und
Lippe will den Preis am 1. Oktober an das Verteidigungsbündnis übergeben,
die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die mit 100.000 Euro
dotierte Auszeichnung erinnert an den Friedensschluss in Münster und
Osnabrück, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Frieden dürfe nicht auf militärische Stärke und Bündnistreue reduziert
werden, unterstrichen die Vorsitzenden des Vereins Alternativer
Westfälischer Friedenspreis, Brüggemann und Rüdiger Sagel. Der neue Preis
solle deshalb zu einer gesellschaftlichen Debatte über den Friedensbegriff
beitragen. Er soll demnach alle zwei Jahre verliehen werden.
Vor der Preisverleihung im historischen Rathausfestsaal fand auf dem
Münsteraner Domplatz ein Friedens- und Kulturfest statt. Dort erklärte
Franz Nadler von Connection e. V. mit Blick auf die Preisverleihung an die
Nato, dass dieses ein Militärbündnis sei, welches Waffenlieferungen
koordiniere. „Es plant Kriege und führt sie auch“, betonte er. „Wie man
solch einer Organisation einen Friedenspreis verleihen kann, ist mir ein
Rätsel.“
27 Sep 2026
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